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Der Israelit · 1860-12-19 · Heft 30 (19.12.1860) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 30 (19.12.1860)
Date
1860-12-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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356 menschlichen Seele andeuten." Dieser Satz enthält trotz seines Lapidarstyls, von dem mir uns nicht schrecken lassen, wieder den radikalsten Unsinn. Nach einfachen Gesetzen der formalen Logik kann man nur Verwandtes entgegensetzen; Fortdauer der Seele nach dem Tode und leibliche Auferstehung sind zweierlei; und wie denen, die nur einigermaßen mit den verschiedenen Systemen der Methaphysiker in- und außerhalb des Judenthums vertraut sind, sehr wohl bekannt ist, leicht nur einzeln zuzugeben. Wir glauben Beides und drücken Beides in unseren Gebeten aus. Das in Rede stehende Pastotaldecret ist Unvernunft. Glaubt der Rabbiner der Synagogengemeinde Breslau nicht an die leibliche Auferstehung, so hätte er uns dies ehrlich sagen können, statt daß er uns baaren Unsinn auftischt. „Der göttliche Haushalt, die Engelchöre rc. müssen aus unseren Gebeten entfernt werden." „Die Existenz des göttlichen Haushaltes", d. h. der Engel muß für Jeden, dem die Bibel göttliches Wort ist, über jedem Zweifel erhaben sein; was aber, wie bereits mehrfach erwähnt, beim Verfasser der Urschrift nicht gerade immer zutrifft. Aber abgesehen davon, stehe ich durchaus nicht an, offen zu erklären, daß die von den Alten gezogene Consequenz, daß die Kluft zwischen dem so ohnmächtigen menschlichen Geiste und dem unendlichen göttlichen durch höhere Geister vermittelt werde, ganz ebenso vernunftgemäß sei wie die Scala vom vollkommensten Organischen, zum leblosen Steine herab, für mich und gewiß auch für jeden Unparteiischen durchaus nichts Unvernünftiges, vielmehr etwas recht Sinniges enthalte. So weit zur Sache. Was aber im Vorliegenden den Unsinn des Verfassers ausmacht ist die Begriffsverwirrung, welche in den Worten „göttlicher Haushalt, Engelchöre in unfern Gebeten" liegt. Der Verfasser muß einen sonderbaren Begriff von den Gebeten haben. Die betreffenden Stellen in unserm Morgengebete sind Hymnen, Lob und Preis gegen Gott. Gebet ist ausschließlich ppv ,.-11^ rc. Wir richten aber kein Gebet an Engelchöre, sondern nur unmittelbar an Gott (von dem O'vni und 'O'rvv ist schon sehr lange vor unserem Reformator gesprochen worden.) Gibt es trotz der Bibel keine Engel, und will der Verfasser der „Urschift" solches praktisch durch seine Grundzüge zur Kenntniß aller Derer bringen, die. zwischen ihm und Gott sich für ihn entscheiden wollen ^. so hätte er ehrlicher zu Werke gehen sollen. So _aber hat er uns eine Unwahrheit, und soweit es "auf die Begriffsverwirrung des Begriffes ,,Gebet" beruht,, einen Unsinn geboten. „Die Feiertage sollen mehr in ihrer Weihe, als dadurch, daß sie vorgeschrieben, gewürdigt werden." Unsinn, wahrer Unsinn! Weihe beruht auf Erhebung des Gemüthes, diese aber hat ihre Quelle in dem Gefühle der Ehrwürdigkeit und für letztere gibt es wahrscheinlich kein Aequivalent gegen eine göttliche Einsetzung und ein dreitausendjähriges Alter. — Wir haben uns lange mit dem Unsinn in diesem Passus beschäftigt, unter Anderem auch deßhalb, weil uns unser Prediger hier sehr viele Geheimnisse seiner Schule ausgeplaudert zu haben scheint. Was nun aber den Leichtsinn betrifft, so ist sicherlich noch niemals mit einer so großen Portion desselben in das Schriftstellerthum hineingepfuscht worden, wie hier. Wir fordern getrost das Urtheil heraus, ob je der oberflächlichste Feuilletonist über ein Kotzebue'fches Lustspiel oder einen kaul äs Ooo'schen Roman, mit solcher uouokalauos, mit so wegwerfendem Hochmuthe, mit so arrogantem Eigendünkel raisonnirte, wie hier der Rabbiner der Synagogengemeinde Breslau über Dinge, welche theilweise eine mehrtausendjährige Geschichte für sich haben, woran sich zwar vielleicht nicht mehr Jung und Alt in der durch das Gebetbuch des Jahres 54 gekräftigten Gemeinde, wohl ader Jung und Alt in vielen tausend anderen Gemeinden erwärmt und gekrästigt und in ihnen inbrünstige Gebete zum himmlischen Vater erhebt. Wahrlich nichts, gar nichts kann unserer Sache einen so brillanten Dienst erweisen als solcher — Wahnsinn. Oder wäre es etwa nicht Wahnsinn, von „entstellenden Zuthaten" zu sprechen, wo es sich um Empfindungen und Anschauungen handelt, welche echt biblisch sind; oder wäre es nicht Wahnsinn, so su xassaut von der „einmal angenommenen Einsetzung" zu reden, als ob dies etwa ein Majoritätsbeschluß der Meisten der durch das Gebetbuch vom Jahre 54 gekräftigten Gemeinde sei? Es widert uns an, diesen Wahnsinn, der sich hier Zeile für Zeile findet, zu copiren; wir können unmöglich diesem Delirium Schritt für Schritt folgen. — 3) Hören wir aber immer weiter den „Geist,

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