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Der Israelit · 1860-12-12 · Heft 29 (12.12.1860) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 29 (12.12.1860)
Date
1860-12-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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345 griffen werden; aber nur nicht vollständig umgestalten, denn die einzelne Gemeinde gehört der Gesammtjudenhcit an, daher trotz des zögernden, bedenk- : lichen, beschrankten und bloßen Gewohnheitsmenschen nur rechtzeitige, entschiedene und mit größter Umsicht ' (?) vorzunehmende Reform, die keine Halbheit ist, aber keine Revolution." (S. 5—7). Ans dem hierin üppig! wuchernden Unsinn (immer rein objectiv als den in-! nern Widerspruch genommen) hebe ich nur Folgendes hervor: Es muß hier die strenge, unerbittliche Alter- ' native des Princips scharf ins Auge gefaßt werden, entweder der religiöse und jüdisch intellektuelle Bildungszustand der Gemeinde (und nur dies; kann unter den „Meisten" verstanden werden; über die Glau-! bensgenoffcn überhaupt ermangelt es dem Verfasser! jedes Nachweises) ist maaßgebend für die Reform, j oder nicht. Ist sie es; so ist die Faselei vom An- > fchluß an die allgemeine Judenhcit Unsinn; ist sie! es aber nicht, so darf sie auch kein Motiv zur Reform werden. Ein drittes gibt es nicht. — Gefühl und Gedanken der Gemeinde sind mit — der bestehenden Gebetordnung außer Eorrespondenz, nun deßhalb — soll entweder jeder so beten wie es seiner Gemüthsversafsung am Genehmsten ist; oder wenn ja noch von einem öffentlichen Gebete die Rede sein soll, in der Gemeinde nach Majorität über den jedesmaligen Inhalt abgestimmt werden, oder endlich durch Unterricht in hebräischer Sprache und Literatur die antiken Gebete wieder dem Herzen zugänglich gemacht werden. Alles dieß wären wenigstens vernünftige Schlüffe aus den Prämissen. Unsinn aber ist cs, wenn der Rabbiner der Gemeinde subjective Expectorationen decretirt, sich von einer Anzahl von Gemeindemitgliedern nach alter, vorgeschriebcner Form segnen zu lassen und dgl. Unsinn mehr. — „Befestigende, nicht erschütternde, befriedigende, nicht verletzende Reform, keine vollständige Revolution." Reform und Revolution unterscheiden sich meines Wissens dadurch, daß erstere von der Intelligenz, letztere von den Massen gemacht wird. Wer nun in Dingen, wie die jüdische Religion, in welcher nur die jüdische Intelligenz gefragt werden soll, sein Urtheil, ja seine Institutionen, nach der Masse, nach den „Meisten" der Gemeinde einrichtet, und dennoch von Reform statt Revolution spricht, verwirrt die Begriffe und gelangt zum puren Unsinn. Und nun erst, welch' grenzenlose Leichtfertigkeit in so wichtiger, hochheiliger Angelegenheit! Ist es zu glauben, daß der „Rabbiner" einer, wenn vielleicht nicht dem Namen, doch jedenfalls der Wahrheit nach, resormirten Gemeinde, weil in seiner Gemeinde Wenige Hebräisch verstehen, diese, und e« ipso vom Gebete nicht erbaut werden kann, unfern Gottesdienst überhaupt unwahr und gedankenlosen Werkdiensr nennt, und wenn Orgel, Talar nebst Predigt nicht mehr blenden wollen, die Religion immer mehr zur Magd herabwürdigen will, die den Launen und der Bequemlichkeit, der Dummheit und Indolenz ihres Herrn sich mehr und inehr unbequemen soll? Wahrlich, dieser Leichtsinn wird nur noch von der fixen Idee überboten, welche die Behauptung involvirt, daß dieß keine vollständige Neugestaltung sei, und die sich noch gegen den Vorwurf der Halbheit verwahren zu müssen glaubt. Wir können den drolligen Autor darüber beruhigen; es ist in der That eine vollständige Neugestaltung, und durchaus keine Halbheit; ss sei denn, der Verfasser verstehe unter „vollständiger Neugestaltung" etwa die an lrlor: Annahme eines protestantischen Gebetbuches. — 2) Hören wir aber unfern Autor weiter:! Israel begreift heute seine reine Aufgabe für die . Menschheit, die Vergangenheit hat aber damit Vor-! stellungen verbunden, deren wir heute fremd, ja, Feind? sind; so die Volksthümlichkeit mit ihrer Sehnsucht! und ihren Klagen, welche aber zu dünkelhafter Ueberschätzung führen würde. Dieß muffen wir aus den Gebeten entfernen, wie: Du hast uns erwählt von allen Völkern, erhoben über alle Sprachen :c. Der Vorrang, den der Auszug aus Egypten in unfern Gebeten cinnimmt, kann ihm nicht mehr zngestanden werden; so Haman und die Leiden des Mittelalters; so die Gebete, welche mehr leibliche Auferstehung als Scelenfortdaucr andeuten, so der göttliche Haushalt der Engelchöre; die Gebete muffen mehr in ihrer Wirksamkeit für unsere Veredlung, denn als Pflicht aufgefaßt werden; die Feiertage mehr wegen ihrer Weihe für das Gemüth, als weil sie vorge-! schrieben. Die Umgestaltung wird leicht sein, weil ' die betreffenden Gebete nur von den „entstellenden! Zuthaten" gereinigt zu werden brauchten." (S. 7—10) ' — Es ist wirklich, wie jener römischer Dichter sagt, schwer, nicht satyrisch zu werden; doch erhalten wir

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