Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 29 (12.12.1860)
- Date
- 1860-12-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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343 O, ihr Frauen und Mütter, die ihr dieses leset, wem unter euch schlägt das Herz nicht höher, da ich den Namen jener edlen Mutter, da ich Mirjam*), die Tochter Tanchums nenne, die sieben herrliche Söhne, die Vlüthe der Jugend, erzogen hatte? Sie und ihre sieben Söhne wurden dem heidnischen Könige vorgeführt; er wollte sie zwingen, seine falschen Götzen anzubetcn. „Neige dich vor diesen: Bilde", schrie der König den Aeltesten an. „Ta sei Gott vor", sprach dieser, „es heißt in der Schrift: ich bin der Ewige, dein Gott." Man führte ihn zum Tode. „Neige du dich", herrschte der Tyrann, als der zweite Sohn vorgcführt wurde. „Din ich etwa schlechter als mein Bruder," entgegncte dieser, „cS sollen dir nicht sein andere Götter vor meinem Antlitze, heißt es in der heiligen Lehre." Ein sofortiger Tod wurde über ihn beschlossen. Auch der Dritte weigerte sich der Aufforderung Genüge zu thun, „Du sollst dich nicht bücken vor einem fremden Gotte," war seine letzte Antwort. „Wer da Götzen opfert ist dem ewigen Tode verfallen," rief unaufgefordert der Vierte und überlieferte sich freudig den: Henker. '12" >'22' hörte der Fünfte nicht auf ZU rufen unter den furchtbarsten Todesqualen. „Ich soll mich beugen vor Götzen," sprach der Sechste, „heißt es doch: denn der Ewige, dein Gott, ist in Deiner Mitte, ein großer, furchtbarer Gottund er hauchte alsobald seinen Geist aus. Nun ward der jüngste Cohn vorgesührt, ein noch kleines, zartes Kind, mit wunderbarer Schönheit begabt. „Bücke Du Dich, mein Sohn," sprach freundlich der falsche Tyrann." „Das verhüte der Himmel," rief laut der Kleine, „heißt cs doch im Buche der Lehre: und erkenne cs heute wohl und nimm es dir zu Herzen, daß der Ewige Gott ist, und Keiner außer Ihm, im Himmel und auf Erden. Unsere Eltern haben unserem Gotte am Sinai geschworen und der Schwur bindet auch uns." — „Sieh, sprach da der Tyrann, mich dauert deine Schönheit und mich erbarmt's deiner Jugend. Deine Brüder halten schon das Leben genoffen, du aber beginnst erst zu leben; sei nicht thoricht. Ich werfe meinen Ning zn Boden, nimm ihn auf, damit die Umstehenden wenigstens meinen, Tn habest vor dem Bilde dich gebückt." „O, Du thörichter König," sprach da das Kind, „Du fürchtest Dich vor Deiner Umgebung^ vor Menschen wie Du selbst, ja, vor Deinen eigenen Dienern, und ich sollte mich nicht fürchten vor dem Könige aller Könige, dem Heiligen gelobt sei er, dem Gotte des Weltalls?" „Warum rettet Euch nicht Euer Gott?" höhnte der Tyrann. „Wir haben," sprach der Kleine, „den Tod verschuldet durch unsere Sünden, und wenn Du uns nicht umbringst, so hat der Allgewaltige viel andere Mittel und Wege, uns zu strafen. Viel Löwen, Tieger, Baren, Wölfe, Schlangen und Scorpione kann er wider uns schicken, sein Blitz kann uns überall erreichen." Und als der Tyrann noch mehr in ihn drang, da bat die Mutter um Erlaubnis;, mit ihrem Kinde reden zu dürfen. Der König glaubte, sie wolle, um ihrem Kinde das Leben zu retten, cs veranlassen, seinen Willen zn erfüllen und gewährte ihren Wunsch. Sie aber führte den Knaben bei Seite und sprach zu ihm: o, du mein Kind, das ich an meinem Herzen getragen habe und zur Gottesfurcht zu erziehen hoffte, sei auch Du nicht geringer als Deine Brüder. Laß Dich nicht verlocken des Tyrannei: liebkosende Falschheit." „Sei ohne Sorge, meine Mutter," rief freudestrahlend der Knabe, „und Du, Tyrann, wisse, ich freue mich cinzugehen zun: ewigen Leben; Du aber und Deine Macht werden bald verschwinden wie ein vorüberziehender Schatten!" Da erschlug man ihn an: Busen der Mutter. Diese aber rief aus: „O, meine Kinder, geht hinauf zu unfern: Vater Abraham und saget ihm: Tu hast einen Altar gebaut um einen Sohn zu opfern, unsere Mutter aber hat sieben Altäre gebaut und siebe:: Söhne dem Opfertode geweiht," und im übergroßen Schmerze hauchte sie ihren Geist ans, aber eine Stimme ertönte von: Himmel .ir:22' 2-:27i 2-r. Heil, ewig Heil der glücklichen Mutter solcher Kinder! — Die Verfolgungen ruhen, aster wehe, wehe, wenn sie, was Gott verhüten wolle, wiederum ihr Haupt erheben! — Wo ist der Gollesgeist, der da befähigt, ihnen Widerstand zu leisten? Sagt, ihr Väter und