Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 29 (12.12.1860)
- Date
- 1860-12-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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342 Leitende Artikel. Glurnukak.! (Fortsetzung und Schluß.)! m.! Betrachten wir nunmehr die Waffen, die uns zum Gotteskampf zu Gebote stehen. Ihr Symbol. sei uns das Chanukahlicht. Benutzen wir sie, lernen . wir sie zu gebrauchen, ehe vorüberzieht das Fest, ehe erlischt die kaum aufleuchtende Flamme. In Verbindung mit den Griechen hatten gottvergessene Juden das Heiligthum entweiht; alles Oel war verunreinigt worden; siehe, da fand sich tief unten im Boden ein Krüglein, bewahrt durch daS Siegel des Hohenpriesters, und wiewohl für einen Tag kaum genügend, leuchtete es doch acht Tage, bis neues Oel konnte gepreßt und bereitet werden. Ach, manche unserer Gotteshäuser, unsere Heiligthümer in der Verbannung, sind auch heute verunreinigt durch nnjüdische Sitten und Bräuche — von ' ihnen kann nicht ausgehen das Licht — aber Gott sei's gedankt, es findet sich wohl noch ein Krüglein Oel, bewahrt durch das Siegel des Hohenpriesters; es wird leuchten durch ein göttliches Wunder, bis wir neue Flammen entzünden, und die Zeit des Wahnes und der Unreinheit vorüber ist. Es genügt aber nicht, unthätig zu verharren und bloß abzuwarten; nicht doch, i ein Jeder von uns hat die Pflicht, das Licht an-! zuzünden, und zwar zunächst in seiner eigenen Brust, sein eigenes Herz empfänglich zu machen für die erhabene Gotteslehre, nimmer zu fehlen, wo er Gelegenheit findet, kennen zu lernen das leuchtende Gottesgesetz, nimmer zu säumen, wenn es gilt, das erwärmende Gottesgebot zu erfüllen. rim? das Entzünden des Gottesfunkens ist der Kern der n-22, ihn zu entzünden in der Brust aller Derer, für die zu sorgen uns obliegt. Ach, wie viele unserer Brüder versäumen diese heilige Pflicht! Es ist wahrhaft betrübend, die herzzerreißende Vernachlässigung wahrzunehmen, unter welcher die Jugend an gar vielen Orten derart zu leiden hat, daß sie von unserer heiligen Religion, gar wenig erfährt, daß sie oft kaum noch daS Hebräische lesen lernt; ach, wie so Viele wachsen heran, die Nichts erfahren von den Pflichten des Juden, die nicht einmal kennen unsere heilige Geschichte. Prüfet es doch, das Heranwachsende Geschlecht! Gar viele Kinder verstehen Latein und Griechisch, Französisch und Englisch, kennen die Gesetze der Natur, wissen Bescheid in Geographie und Geschichte und kennen nicht unsere heilige Religion, kennen nicht die Sprache unserer Väter, wissen nicht, was es heißt, Jude zu sein und im Judenthume zu leben! Wer hat das verschuldet? Ihr, ihr Väter, die ihr hättet das Licht entflammen sollen in der Kinder Brust; ihr, ihr Mütter, denen unsere heilige Religion gleichgiltig geworden, sonst hättet ihr's nimmer geduldet, daß eure theuersten Besitzthümer aufwachsen ohne den belebenden Funken der Gotteslehre. Wie sollen eure Kinder Juden bleiben, wie > sollen sie widerstehen den Stürmen des jetzt so heftig bewegten Lebens, wenn die in ihrer Brust hellleuchtende Gottesflamme sie nicht schützt? L'U'n p-r Lx, woher sollen dereinst glanbenstreue Juden kommen, wenn ihr eure Kinder nicht zu solchen erziehet, sie lernen lasset, was sie wissen müssen, um den Namen Jude zu verdienen? Wie könnt ihr verlangen, daß eure Kinder treu anhangcn der .iwr>, wenn ihr sie gebt in Geschäfte, in denen der Sabbat entweiht wird? wie könnt ihr verlangen, daß eure Enkel im Judenthume verharren, wenn ihr eure Töchter an Männer verheirathet, die längst anfgehört haben Juden zu sein? pip: s'xwenn die heilige Flamme einmal erloschen, so kannst du sie nicht mehr ins Leben zurückrufen! So lange sie brennt, die heilige Flamme, so lange ist der Jude geschützt gegen jegliche Ver- > suchung; da opfert er Alles, Leben, Glück, Freude,! um diese Flamme sich zu bewahren. Ist etwa nnl sere Geschichte arm an derlei erhabenen Bei-! spiele? sollen wir etwa all die Hunderte und Tau-! sende aufzählen, die sich Preisgaben dem Flammentode, oder den schrecklichsten Folterqualen Llln, zur Heiligung des göttlichen Namens, oder die Millionen, die da vorzogen ein Leben in Mangel und Armuth, der Pracht und der Ueppigkeit, um treu zu halten an Gottes Gebot? Wie Viele opferten zur Hasmonäerzeit ihr Leben und Güter, die theurer sind als das Leben!