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Der Israelit · 1860-12-05 · Heft 28 (5.12.1860) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 28 (5.12.1860)
Date
1860-12-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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336 Vorstande. in Anregung gebracht, daß. unser Herr Mbbiner, wie jedes andere Gemeindemitglied, wöchentliche Pflichtbeiträge und fl. 150 Einkommensteuer an die Gemeinde zu zahlen hätte. Ein Mann, ein Wort..Dem Worte folgte wirklich, alsbald, die That; denn nicht lange nachher/ und unser Herr Rabbiner wurde von: Stadtmagistrate aufgefordert, obengenannter Forderung nachzukommen, ohne daß der Vorstand nur den Versuch gemacht hatte, die. Dache auf dem Wege. der. Güte zu schlichten.. Als nun unser Herr Rabbiner sich nicht, verpflichtet fühlte, auf diese unbillige Forderung einzugehen und auf dessen Verlangen diese Sache der Gemeinde vorgelegt wurde, so nahm diese von den wöchentlichen Beiträgen Umgang; blieb jedoch bei der Forderung der Hälfte der Einkommensteuer stehen und ermächtigte sogar den Vorstand, diese Sache durch alle Instanzen zu verfechten. - Umsonst erbot sich der Rabbiner freiwillig, 25 , fl. zu geben; umsonst protestirte beinahe die Hälfte der Gemeindemitglieder und erklärte, daß es ihrem Gewissen und ihrer Ehre .widerstrebe, ..von einem Rabbiner oder Lehrer eine Abgabe anzunehmen, die weder hier noch anderwärts je verlangt wurde und die kein Rabbiner oder Lehrer nach jüdischem Neligionsgesetze zu entrichten schuldig ist; Umsonst wurde darauf hingewiesen, daß der fixe Gehalt -es Rabbiners nur auf fl. 300*) festgesetzt ist: mit unbegreiflichem Eigensinn blieb man bei obiger Forderung. Der Stadtmagistrat forderte sodann das Gutachten mehrerer Nabbinate und Cultusvorsteher ein, welche sämmtlich zu Gunsten des Rabbiners ausfielen, und wies die Gemeinde gänzlich ab. Die Gemeinde aber, mit diesem Urtheil unzufrieden, appellirte sofort an die königl. Regierung, von welcher hohen Stelle die Gemeinde abermals abgewiesen und -er Spruch des Stadtmagistrates aufrecht erhalten wurde. Dieses Verfahren, man beurtheile es, Me man immer wolle, läßt doch immer noch einer Rechtfertigung Raum: Ist ja hier beziehungsweise nur Geld im Spiel und glaubte vielleicht der Vorstand die Achtung seiner . Wähler zu gewinnen, wenn er selbst auf Unkosten des Rabbiners den Gemeindesäckel .bereichert. Man blieb jedoch nicht hiebei.stehen, sondern versuchte auch Eingriffe, die das Gebiet , der Religion verletzen. Der zweite Vorsteher nämlich bemühte sich, das 'uom u^pO-Gebet, welches im Winter stets im Hause des Rabbiners-abgehalten wurde, ohne daß erwähnte Andacht je, weder von einem Gemeindemitglied, noch von einer Behörde beanstandet. worden wäre, als eine gesetzwidrige, verbotene Winkelschule zu. denunziren. und wirklich wurde auch. später das Abhalten genannter Hausandacht vom Stadtmagistrate untersagt, und zwar -zunächst darauf hin, weil sich nämlich Herr Rabbiner Grünbaum zu An s b a ch g e g e n dieses .ausgesprochen hätte. Unser. Herr Rabbiner ließ sich aber sein gutes Recht nicht so leichten Kaufes nehmen, besonders in diesem Falle, wo es der Religion galt und auf die Gutachten der Nabbinate Würzburg, Fürth und Bayersdorf sich berufend, ergriff erden Rekurs an die königl.Regierung, und da man in dem Verfahren unseres Herrn Rabbiners nichts Gesetzwidriges fand, so wurde, vermöge hoher Regierungs-Entschließung der Beschluß des Stadtmagistrats wieder außer Wirksamkeit gesetzt und das Abhalter: des. Maaribgebets im Hause des Rabbiners gestattet. , Indem ich mich lediglich auf Thatsachen beschränke, wie diese hier Jedem bekannt sind und mich jeder weitern Bemerkung enthalte, so erlaube ich mir nur noch die Frage beizufügen , wie es uns'wohl ergangen wäre, wenn uns nicht die hohe königliche Negierung in Schutz genommen Hätte? — Es freut mich, Ihnen berichten zu können, daß genannter Vorstand nunmehr - nach Nürnberg übergesiedelt ist, und daß jetzt wieder Männer än der Spitze der Gemeinde stehen, deren religiöser Sinn und deren Friedensliebe uns zu den besten Hoffnungen berechtigen. „Der Mohr Hai seine Schuldigkeit gethan, der Mohr kann gehen." —ei—. . '' ' Preußen. Frankfurt a. O., . Ende Nov. Nro. 16 dieses auch hier vielgelesenen Blattes brachte einen Artikel aus Breslau, in welchem mein- Plan der Gründung einer großen Ackerbau-Colonie in Palästina besprochen wird. Der Necensent meint, der Ackerbaumuffe auf die Hebung,der Sittlichkeit unserer Palästinensi- > scheu Glaubensgenossen den mächtigsten Einfluß üben. ,*) Sage dreihundert Gulden -jährlich! Die- Red. (Hierbei eine Beilage.)

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