Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1860-11-28 · Heft 27 (28.11.1860) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 27 (28.11.1860)
Date
1860-11-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2446952-2446979--00355-2455529
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Belebungsversuche wurden an gestellt; dach vergebens, es zeigte sich im Körper des Entseelten kein Leben sfNnke. mehr, und die Aerzte erklärten zuletzt, er sei an einem Gehirnschlage verschieden; es wäre also sein Tod, schon längst erfolgt. Kaum hörte die sich inzwischen Ln der Synagoge ansammelnde Menge diese Erklärung, als sie in ein herzzerreißendes Weh- und Klagegeschrei ausbrach. O, wie erschütternd ist es für mich, wenn ich mir diesen fürchterlichen Anblick in's Gedächtniß zurückrufe! Dort vor der heiligen Lade lag auf dem rrüO jener würdige Lehrer Israels entseelt, sein Mund, der so oft das Wort des Herrn verkündet und am zweiten Tage des n"-, vor dem nwnoch rn-E n^Lri vorgebetet hatte, verstummt, die Augen, aus welchen sonst das Feuer heiliger Begeisterung sprühete, geschloffen; laut meinend und die Hände ringend umgaben ihn seine Gemeindemitglieder, gleich einer Heerde, die ihren treuen Hirten verloren n-nri rus v.wn .-immpv.i PNL.-1 rix'v'L' ynnn NIL NM NIL. — Nun trugen wir ihn auf einer Bahre nach seinem Hause. Nicht vermag meine Feder, die Scene zu schildern, welche sich hier im Hause des Hingeschiedenen darbot, als die Kinder, welche ihren Vater gesund. Weggehen, ihn jetzt als Leiche wiederkehren sahen. Auch, ist genug des Schmerzes, als daß wir ihn noch erhöhen sollten. — Nachdem, hiesigem Landesgesetze gemäß, die Körperhülle des Oberrabbiners Lüpschütz drei Tage gelegen, fand Freitag Nachmittags die Beerdigung statt. — Dem Leichenwagen voran ging ein würdiger Greis, der lange Jahre hindurch Schüler des Verewigten gewesen. Er trug dessen schwarzumslorten Stock in einer Hand, und in der andern, auf schwarzem Sammetkiffen eins der gedruckten Werke des Verstorbenen. Hinter dem Wagen folgten zunächst die beiden Söhne, welche zur Beerdigung ihres Vaters aus weiter Ferne herbeigeeilt waren, und einer seiner Enkel. Diesen schloß sich dann ein Leichenzug von mehr als dreitausend Männern an; nicht nur sämmtliche fünf Gemeinden Danzigs, wie auch noch viele andere im Danziger Kreise liegenden jüdischen Gemeinden, sondern auch andere Confessionen waren zahlreich vertreten. Auf allen Gesichtern war Theilnahme und tiefe Trauer zu lesen; in allen Straßen, durch welche sich dieser imposante Zug bewegte, waren die Läden geschloffen, die Balkone und Seitenstraßen mit Men- (Hierbei eir . schen bedeckt. Als der Leichenzug auf dem Friedhofe augelangt war, hielt der älteste Söhn des Verstorbenen, Herr vr. Lüpschütz aus Hamburg, an' der Bahre seines Vaters eine ergreifende und inhaltsreiche Rede; worauf dann die sterblichen Ueberreste unseres unvergeßlichen geistlichen Oberhauptes dem kühlen Erdenschooße, unter heißen Thränen seiner vielen ihm nachtrauernden Schüler und Freunde, übergeben wurden. Zwar haben wir die Krone unseres Hauptes mit seinem Tode verloren, OLNI pmü 'wi iI'wn-' rmo- ,-i!?SI mnri ß-2, doch lebt sein Geist und Wort noch in den Herzen seiner von ihm über fünf Decennien geleiteten Gemeinden fort, und wird als heilbringende Saat reichliche Früchte tragen, nach der Verheißung des göttlichen'Wortes: p'-iu das Andenken des Gerechten gereicht < zum Segen! Unvergänglich und allverbreitet ist der Ruhm des Dahingeschiedenen, durch seine Leiden Werke: rnkLri und --n 'Irw die im schönen klassischen Hebräisch geschrieben, ein immenses, beide Talmude umsaffendes Wissen dokumentiren, und nach Jahrhunderten noch, als hervorragende Monumente auf talmudischliterarischem Gebiete, an den großen Geist jenes Mannes die Welt mahnen werden. . 5M7LI pwiprc Man braucht dem Frommen kein Denkmal zu errichten, das eigene Wort ist ein unvergängliches Monument! — Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus SelolviH vom 6. Nov. wird der „Presse" zur „Gleichberechtigung der Confessionen" geschrieben: „In dem kleinen Städtchen Selowitz bei Brünn haben sich mehrere christliche Familien für den Wiederholungsunterricht ihrer Kinder, welche die Volksschule besuchen, eines dort wohnenden tüchtigen und intelligenten jungen Israeliten bedient, weil die Volkslehrer diesen Familien nicht genügen mochten. Der Herr Seelsorger, von dieser Erziehungsmäßregel in Kenntniß gesetzt, hatte nichts Eiligeres zu thun, als die Ertheilung dieses Wiederholungsunterrichts zu untersagen; es gelang ihm sogar, den jungen Israeliten aus dem Orte zu entfernen, wodurch die betreffenden Familien, die sich nicht sogleich einen entsprechenden Privatlehrer verschaffen können, in eine nicht geringe Verlegenheit geriethen." r Beilage.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.