Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 27 (28.11.1860)
- Date
- 1860-11-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Bonyllad, im November. Nicht Mangel an Stoff, sondern vielmehr ein ernstliches Streben nach klarer, unbefangener Erfassung desselben war es, das in meine Correspondenzthätigkeit eine kleine Pause eintreten ließ. Ich glaubte abmarten zu muffen, bis die Dinge in hiesiger. Gemeinde eine bestimmte, deutlich ausgeprägte Gestalt annehmen würden. Doch kann ich Ihnen mit Bezugnahme auf den in Nro. 19—20 dieser Blätter erschienenen Bericht von hier für heute nur so viel als gewiß mittheilen/daß Herr Rabbiner A. Glaser, der am riwO Q.i"ni hier einen Probevortrag.abhielt, durch eine gemüthliche, von tiefem Gottesbewußtsein durchdrungene, korrekte Vortragsweise einen vollständigen moralischen Sieg sich errungen. Leider müssen wir nur sägen: einen moralischen Sieg; denn trotz der unbestreitbaren talmudischen Gelehrsamkeit und eines hohen Grades anderweitiger Bildung, deren sich dieser ehrwürdige Mann mit Recht rühmen kann, gelang es bis jetzt noch nicht, jenen Theil der Gemeinde, der gegen die Berufung eines Rabbinen überhaupt protestirt, zu seinen Gunsten umzustimmen. Indem wir über die divergirenden Ansichten, die sich hinsichtlich unsrer Nabbinerfrage geltend Machen wollen, gerne den Schleier ziehen, waren wir es der Ehre des Herrn A. Gi schuldig, obige Zeilen der Oeffentlichkeit zu übergeben. Angesichts der großen , folgeschweren Dinge, die sich-für unsre liebe Heimat vorbereiten, glaubt ein gewisser Theil der ung. Presse nichts Ersprießlicheres zu thun zu haben, als das Damoklesschwert über dem Haupte der Juden schweben zu lassen. Die in Pesth erscheinende Zeitschrift „Tanodai Lapok" („Schulblätter") bringt in ihrer 41. Nro. ein dramatisches Gedicht mit der Aufschrift „Vasärnapi Jskola" („Sonntagsschule"). Die nächste Absicht des Verfassers scheint die zu sein, dem Volke auf dem Laude die Nothwendigkeit einer Elementarschule recht eindringlich darzuthun. Allein von dem pädagogischen Grundsätze ausgehend: man müsse mit einem Gegenstände mehrere Zwecke verbinden, lehrt derselbe gleichzeitig so nebenbei — ein h üb sch es Stück Jud enhaß! Das Anschauungsmittel, das hiezu gewählt wird, ist gar sonderlicher Natur. Drei harmlose Bauern müssen, da die spielende Laune des Vfs. es einmal so wünscht, mit recht dummem Schafsgesichte (Beilage zu auf dem Jahrmärkte erscheinen, um sich von einem pfiffigen Juden um ihr Bischen Geld prellen zu lassen. Die Bauern, mit dem Papiergelde nicht recht vertraut, erhallen nämlich vom Juden, dem sie mehrere Stück Vieh verkauft, anstatt eines Theiles des Kausbetrages — ein werthloses Stück Papier. Die Bauern betrachten das verdächtige Papier etwas nähere der versuchte Betrug kommt an's Tageslicht und der Jude wandert dorthin, wo der Eintritt wohl leicht, der Austritt hingegen desto schwieriger. — Und die Bauern? Diese erfuhren in Folge erwähnten traurigen Ereignisses eine heilsame geistige Metamorphose. Ehedem eben keine sonderliche Schuld freunde, fassen sie auf offenem Markte den löbl. Entschluß: in ihrem Dorfe nunmehr nach Kräften dahin zu wirken, daß baldmöglichst eine Kinderschule in's Leben trete. Die armen Kleinen sollen ja nicht der Gefahr ausgesetzt sein, von einem Juden dereinst — geprellt zu werden. — Die Stümper aller Zeiten! Die religiös-moralische Erziehung, Vaterlandsliebe, Unterthanentreue und wie die Sächelchen noch heißen, um die sie die Dringlichkeit der Volksschule hervorheben wollten, sind sammt und sonders nicht weit her. Den „Tanodai Lapok" war es Vorbehalten, das wirksamste Motiv zur Errichtung von Schulen ausfindig zu machen- Höre Europa! Du sollst, du mußt Schulen haben, sonst bist du vom Juden um dein ganzes Geld geprellt!! — Eines möchten wir der verehrl. Redallion der „T. L." in ihrem eigenen Interesse in Erinnerung bringen. Die pädagogische Wochenschrift „T. L." kostet jährlich sechs Gulden österr. Währung. Liefert sie ihren Abonnenten nun viele ähnliche Artikelchen, so hat sie denselben doch — gelinde beurtheilt — ebenfalls nicht mehr gegeben, als ein — werthloses Stück Papier. — Wie wäre es nun, so die Herrn Pränumeranten den schlichten Bauern das — N LH erbesehen ablernten?! —heil. Borryhad, 10. November. In Familien-Angelegenheiten brachte ich zu Batterhsek vor Kurzem in der dortigen kleinen ungefähr 20 Familien zählenden israelitischen Gemeinde einen Samstag zu, und wurde nicht wenig von ihrer geselligen Eintracht, ihrem frohen, herzlichen Zusammenhalten überrascht. — Könnte nicht überall der segenbringende Geist der Eintracht herrschen? Der illustrirten Zeitung des 2? des Israelit.)