Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 27 (28.11.1860)
- Date
- 1860-11-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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320 stufen anzunehmen scheint;- was dort das Verhältniß des Menschen zur Natur ist, erscheint hierals das Verhältniß des Menschen zu Gott. I. Es findet ein sicheres Gleichgewicht statt zwischen den natürlichen Dingen und den Menschen/ die nicht Individuen sind, sondern geschlechtliche Mafien, fast ganz verwachsen mit der Natur, eben erst zu selbstständigem Sein sich ablösend. Das göttliche Wesen ist außerweltlich; die »Natur ist ihm unterworfen und als Lohn dem Menschen gegeben. Daher Wallfahrten, um sich dem Lehnsherrn 3 Mal jährlich vorzustellen, Unterstützung der Armen, der Schützlinge Gottes, rc. Wer Gott treu dient, dem hatte Gott seinen Segen versprochen. Die geschichtliche Tradition bestärkte diesen Glauben, der auch, in der Wirklichkeit seine Bestätigung fand; so lange nämlich die Israeliten, dem Charakter der mosaischen Religion gemäß, ein ackerbautreibendes Volk war, d. h. unter David (!), so daß ihr Glück in der ungestörten Folge der Naturereignisse bestand, konnten sie in ihrer eigenen sittlichen Führung die ausreichende Erklärung für die Vorgänge des göttlichen Haushalts, finden. sNichts als leere Phrase: oder stimmt etwa wirklich auch heute/ wenn wir auch von Allem/ was dem reich entwickelten Gemüths- und Geistesleben angehört, absehen, die Folge der Naturereignisse mit der sittlichen Führung des Menschen so deutlich, daß es jeder leicht begreifen könnteDas religiöse Bewußtsein veredelte sich, als die Verhältnisse unter Salomo sich änderten; das Volk hörte auf ein ackerbautreibendes zu sein, und fing an dem Handel sich zuzuwenden; der- bis dahin nothwendige Krieg wurde Mm freiwilligen Geschäft. Ein Militär- und Geld- Adel drängte sich l an den verweichlichten Hof und Ungerechtigkeit nahm überhand. Das Volk, durch die verschiedenen Leiden an den Versicherungen Gottes irre gewordenwandte sich dem Götzendienst zu. Da beleben und kräftigen die Propheten den Glauben :an Gott und an seine Versicherungen, indem sie die alte Anschauung leise umformen. Die Versicherungen Gottes-werden auf die gesammte Nation bezogen, und'nicht in der Gegenwart, sondern 'in Zukunft soll die Herstellung des gestörten Gleichgewichts stattfinden. Am Tage des Herrn wird 5 der Sieg der Nation über die' Heiden, und hierdurch die ' Verherrlichung Gottes sich klar zeigen: - - ' II. Als die. Exile diese Hoffnung' M zerstören drohten, da trat das Schuldbewußtsein der Einzelnen rettend auf, das Bewußtsein persönlicher Verantwortlichkeit erwachte in < dÄn : Einzelnen /^'wodurch er seinem Individualität begründete. An die Stelle der Propheten, welche die Nation betonten, traten die Sopherim, die auf den- Einzelnen die ganze Last legten. Die Ausgleichung zwischen der Gerechtigkeit Gottes und dem menschlichen Leiden ward im Buch Kohelet gesucht, im Buche Hiob als unergründlich bezeichnet. Nun wird die Idee des Tages des Herrn auch auf den Einzelnen bezogen/ und eine Ausgleichung wird im Jenseits gehofft. i III. Das Interesse des staatlichen Lebens ging verloren; unter Esrah ünd Nehemiah war das Ziel der Bestrebungen nur die Erhaltung des Kultus. Jeu mehr man die Religion in den Vordergrund stellte, um so mehr wurde der-Glaube ,an den unmittelbaren Schutz Gottes geweckt und gestärkt.. Man entfernte sich immer-mehr von der Wirklichkeit und der Natur; daher starrer/ .naturloser Geists während bei den Griechen-die entsprechende Periode-als starre, geistlose, Natur bezeichnet wird. —Die trotz dieses schroffen-Gegensatzes versuchte Ausgleichung durch die Therapeuten konnte, . wie der Versuch der alexandrinischen Rationalisten keinen Erfolg haben. — Die Entfernung von der Wirklichkeit, jene ekstatische Stimmung, konnte auch nach dem schließlichen Siege der Maccabäer dem Staate keine sichere Grundlage verleihen, -er mußte untergehen, und das entstandene Christenthum war es, das das Gute (?) beider Kultursysteme vereinigt; in der. Person des neuen Religionsstifters war die vollständige Ausbildung der Individualität gestützt durch ein Allgemeines. Natürlich muß der Schluß der ganzen Darstellung sein, daß das versprengte Volk, das den Anschauungen der Maecabäerzeit treu geblieben war, nicht mehr im tiefsten Innern den Glauben finden könne an seinen welthistorischen Beruf, an seinen Sieg und an die Wunder Gottes: , .- -- ... . - , Der maccabäische Kampf soll nun ein Principienkampf sein, in welchen es,-sich, nicht um. gemeine 'Interessen handelt; ein Kampf - des -Judenthums, gegen das Heidenthum; beide Kultursysteme hatten in ihrer Verschiedenheit die höchste ^Spitze erreicht, und der Zusammenstoß war unvermeidlich. Hat denn