Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 27 (28.11.1860)
- Date
- 1860-11-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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3IW Literarischer Bericht Die maccabäische Erhebung. Vortrag auf' der Rose zu Jena? von vr. Wilhelm Roßmann. Leipzig. 1860.! In einem Vorworte spricht der Verfasser über die Art und Weise, wie die jüdische Geschichte zu behandeln jsei. Die supernaturalistische Anschauungsweise zu verewigen sei nicht wünschenswerth; die rationalistische ErklärNngsweise gefällt ihm auch nicht. Er will ein'Drittes: die Wunder der jüdischen Geschichte und die Form, in welcher sie auftreten, sollen als etwas Thatsächliches angesehen werden, aber als die Thatsüche des sich entwickelnden Geistes. Was sich jedoch der Verfasser hierbei denkt, oder wie er dies Princip durchzuführen glaubt, ist schwer zu errathen. Wenn er auch im Großen und Ganzen die einzelnen Perioden der jüdischen Geschichte als Entwickelungsstufen des menschlichen Geistes gezeichnet hat (in wie weit richtig werdenwir bald sehen), so ist es beiden einzelnen Wundern, bei welchen doch am meisten der Unterschied der verschiedenen Anschauungsweisen hervortritt, ganz unmöglich, ein solches Princip anzuwenden. In der genannten Schrift soll jedoch nicht eine vollständige Ausführung dieses Entwurfs, sondern nur eine leichte, flüchtige, vorläufige Skizze gegeben werden. Der Inhalt wird kurz angegeben als „die Hauptmomente, in welchen sich die Geschichte der Begründung menschlicher Individualität vollzieht." Der Ausgangspunkt soll der maccabäische Kampf sein, da von diesem aus die beiden Kultursysteme, das jüdische und heidnische, deutlich zu übersehen seien. Nachdem daher der Verfasser zu zeigen versucht, daß der maccabäische Kampf ein Principienkampf, ein Kampf des Judenthums gegen das Heidenthum, und nicht blos ein gelegentlicher Widerstreit verschiedener Interessen sei, gibt er in kurzen Zügen die Entwickelung beider Kultursysteme bis auf die Zeit dieses Kampfes. In der heidnischen oder speciellen griechischen Entwickelung scheint der Verfasser drei Perioden, zu unterscheiden: I. Der Mensch ist eins mit der Natur; anfangs find die religiösen Anschauungen bei den verschiedenen Stämmen noch verschieden, bedingt durch die Art ihres Stromes, ihres Landes/ ihrer Wälder, später aber, als die griechischen Stämme zungemeinsamen Festen und Spielstv sich vereinigten /- veredelte sichdas religiöse BewußWn, indem an die- Stelle der beschränkten localen, Anschauung' das Allgemeine der verschiedenen Göttersagen trat. Die friedliche Verschlingung mit der Natur hat noch nicht aufgehört. — Den Uebergang zur folgenden Periode bilden die Mysterien, indem sie den Antrieb zum philosophischen Denken gaben. H. Durch das philosophische Denken trat eine Trennung vom Traditionellen , von: Götterglauben ein. Der Urgrund der Natur wurde in der Natur selber gesucht. Nun bildet die Natur als undenkendes Wesen. einen Gegensatz zum denkenden. Menschen. Nach und nach wird auch die Fessel des Sittlichen zerbrochen; denn man fing an das. Sittengesetz vom Traditionellen loszulösen und im Menschen selber zu finden. So wird die Subjektivitätbegründet. Plato machte einen vergeblichen Versuch,-die entfesselte Person wieder durch ein Allgemeines zu fesseln. ' III. Aus diesem Doktranilismus ging jedoch die Zweckvorstellung hervor, und fürden Staat der Zweck der Macht. Das Bedürfniß der Macht findet! Befriedigung in der Erweiterung des Staates. Alles! soll zu einem Staate vereinigt werden. Die kosmopolitische Anschauungsweise wird herrschend , die j Alexander zur praktischen Anwendung bringt; bei . seinem Tode wird die Negierung zwar getheilt, es! ist aber keine nationale Trennung, sondern die ein-! zelnen Staaten bilden einen gleichartigen Complex.! Durch dies Streben entstand eine-Verschmelzung, der Nationalitäten, die in Alexandrien den Gipfelpunkt erreichte. Das allen nationalen Anschauungen Gemeinsame soll hervorgehoben werden, daher mußte auch die Geschichte der verschiedenen Nationen in Einklang gebracht werden. Die Geschichte und die Wirklichkeit ging ganz verloren, und hiermit zugleich jeder Einfluß auf das praktische Leben., Die Masse des Volkes, jeder sittlichen Grundlage beraubt, konnte in jener alexandrinischen Gelehrsamkeit keinen Ersatz In diesem Stadium trat der Conflikt mit dem Judenthum ein, - bei welchem der- Verfasser ebenfalls drei der griech. parallel laufenden Entwickelungs'