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Der Israelit · 1860-11-21 · Heft 26 (21.11.1860) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 26 (21.11.1860)
Date
1860-11-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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L 306 Wmahnung ist auAnöthig, denn wie in sinnlichen Dingen der Spruch gestohlen'e'Was-' ser sind süß, sich bestätigt/ so sinden^wir^äuch Aehnliches in der Thätigkeit des Geistes. Gerade diejenigen Dinge sind sür den denkenden Geist am an-; lockendsten,. die zu erforschen d er Mensch^nicht im Stande, ist. Der Menschliche' Geist 'sieht nür^Sinnlichds''und' kann nur Sinnliches erkennen; hiermit aber unzufrieden strebt er weiter hinaus, glaubt Unendliches,, Uebersinnliches zu ahnen, ja sicher zu finden, und sucht alsdann zur Brücke vom Uebersinnlichen zum Sinnlichen, vom Unsichtbaren zum Sichtbaren zu gelangen. Wie sehr unsere Lehrer in ihrer Abmahnung vor solchen zwecklosen Arbeiten Recht haben, zeigt der Erfolg. Wie. sehr die größten Denker sich auch abgemüht haben, jene Brücke ausfindig und anschaulich zu machen, das Erg ebniß ihrer Arbeit ist im Allgemeinen dasselbe geblieben: Etwas Uebersinn-- liches,: Geistiges (Gott) muß es geben; eine Beziehung zwischen ihm und der sinnlichen Welt musi auch. vorhanden sein; mehr wißen wir hierüber nicht. — So deutlich und klar werden wir selten diesen Gedanken von einem Philosophen ausgesprochen finden; gewöhnlich: verhüllen ihn eine Menge schöner Phrasen, die wir erst entfernen müssen, um diesen Gedanken in seiner Nacktheit lesen zu können. — Die Denkfreiheit ist.uns also gelassen; über den Gebrauch derselben ist uns von unsern Lehrern ein wohlwollender Rath ertheilt worden. In wie weit ein solcher Rath unserer Lehrer sür uns bindende Kraft besitze, wird später noch besonders zur Sprache kommen. — Wie steht es nun aber mit den ausgestellten 13 Glaubensartikeln? *) Beschränken nicht diese, wie alle Glaubensdogmen einer Religion, die Denkfreiheit ihrer Anhänger? Kann ich von meiner Denkfreiheit noch Gebrauch machen, wenn ich durch verschiedene Dogmen innerhalb gewisser Grenzen gehalten werde? Es ist für die Beantwortung dieser Fragenganz gleichgiltig, ob die 13 Glaubensartikel, sämmtlich oder zum Theil, für uns bindend sind oder nicht, ob Diejenigen, die sie' ganz oder zum Theil mit ihrer Ueberzeugung nicht in Einklang *)'Änck.-1>e'r Akeö^'Äas Judenthum 'hat'eigentlich so viele GlaubenZärttkil-Äs Gesetze-,-^Lehren- und-' KorsöhAsten/ ja>^äls Buchstaben der ThovarunL bindende Arklärungsuj eisen des Talmuds. bringen können, noch inrmer-als. Anhänger unserer Religion zu betrachten seien oder nicht, es beschäftigt - uns hier nur dieWrageD ob wir-^um der vorgeschriebenen'Dogmen willen unser Denken zu beschränken haben. Wir können auch diese Frage mit „Nein" beantworten^,-Der Gläubige kann über jeden der 13 Glaubensartikel frei^üüchddnken^-'känÄ^ W Gegenteil'aufstellen und untersuchen, welche Consequenzen , sich aus.demselben ziehen lassen. Für die gewonnenen Resultate sind die 13 Glaubensartikel ein Probirstein: findet Uebereinstimmung statt, so ist die Möglichkeit vorhanden, daß er richtig gedacht und gefolfeste Ueberzeugung, daß sein Denken äüsi Irrwege gerathen ist. Man wird wohl einwenden wollen, dieses Denken sei kein freies;*) der Gläubige gehe auf diese Weise an jede Untersuchung mit gewissen Borurtheilen, nämlich daß die .13 .Glaubeusartikel.wahr und richtig sein müssen. . Das will und kann ich keinesweges .bestreiten; ich kann. es mir. auch, unmöglich deilten, wie ein Gläubiger sich von diesem Vorurteil befreien kann; jeder Schein., eines solchen Freiseins von Borurtheilen ist bei einem Gläubigen entweder Selbsttäuschung oder' Lüge:: Unsere Denksreiheit erleidet jedoch hierdurch nicht den geringsten Nachtheil. Wir können jene Glanbensgrundsätze vom wissenschaftlichen Standpunkte aus doch sicherlich ebenso hoch anschlägen als Hypothesen, von welchen eine jede Wissenschaft ansgehen muß, ohne daß ihr der Charakter des vorurteilsfreien Forschens abgeht. Bei der Kritik der Literatur soll gezeigt werden, wie gerade Diejenigen, die dem Gläubigen den Vorwurf machen, daß er nnt Borurtheilen an die Forschung herangehe, nichts weniger, als vorurteilsfrei sind. Haben wir nun die Frage über.die Denkfreiheit bejahend beantwortetso. liegt uns, zunächst die zweite Frage vor-: wie holl die Aeußerung unseres Denkens zu ^unserer Denkfteiheit sich verhalten? r.^ - . sei-." ' . 7

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