Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1860-11-14 · Heft 25 (14.11.1860) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 25 (14.11.1860)
Date
1860-11-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2446952-2446977--00330-2455502
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

301 tung ihrer Väter, angebornes, jüdisches Gemüth genug, Intelligenz genug besitzen, um das Andenken solcher Männer, solcher Väter zu ehren. Es leben in der Mitte der Gemeinde besonders zwei unbestechlich wahre Zeugen alter, jüdischer, still erhabener Größe, welche diese so billige Ehrerbietung vor dem Nitehrwürdigen dein Humanitätsgefühle ibrcr Mitglieder abnöthigen. Diese Zeugen sind: die über 100 Jahre alte, jetzt zum Umbau in Angriff genom- > mene Synagoge mit ihrer echt jüdischen, von der schönen Zeit überkommenen Siiuagogalordnnng; und der Rabbiner, der dieselbe nb^ wacht; der Geschlechter geben und Geschlechter kommen und das Wort Gottes hat bestehen sehen, in — dieser Synagoge; der Rabbiner, aus dessen noch immer frisch sprudelndem Thoraborne so viele jünger geschöpft, um, zum Ruhme ihres väterlichen L<brerS den Boden, den ihnen Gott in der Eigenschaft von Nabbinen, Tajanim oder Privaten zugewieien, aus dieser nie versiegenden Quelle zu befruchten, von denen ich beispielsweise den ehrwürdigen Rabbiner von Fered und die eignen Cöbne des Rabbiners, alle talmudbeslissene, orthodoxe Rabbinen, nenne. — Tiefe beiden Zeugen sind es, welche den von allen Seiten, von Pesth, Weißenburg und seit neulich auch von Komorn her, einslürmenden Reformbeslrebungen gegenüber, ihr noch immer moralisch starkes Veto entlegen, um die Integritat des öffentlichen Kultus vor jenen Rittern, die sich, an etwa bloßliegenden Weichen desselben, ihre Sporen so leicht verdienen wollen, zu bewahren. Diese beiden von Gott bestellten Zeugen möge der Gott Israels, der einst — vor nicht lange — in dieser Gemeinde heimischer und nicht durch rnn "Gi". -r"? 'in u'G entweiht war, derselben, zu ihrem eignen Wohle, noch lange, lange erhalten; denn mit Recht kann man hier sagen '-.p '2 i Lind diese beiden ehrwürdigen, lebenden Monumente einer schönen, jüdischen Vergangenheit, vor groben An- und Eingriffen, vor Beleidigungen und Beschimpfungen gewahrt; so ist der Gegenwart ein Anknüpsen an dieselbe, ist abermaliges, kräftiges Erstehen der Gemeinde möglich. Sv lange eine Gemeinde nicht selbst, muthwillig Hand an sich legend, geblendet von dem Irrlichte: Reform, die ehrwürdigsten Institutionen, besonders das 2",-2, dieses SammelhanS der reinsten und edelsten Empfindungen und Gefühle der from- (Werläge zu r0. , men, dahingegangenen Väter, durch die gedankenlee- - ren Eintagsschöpfungen der Mode verunziert, — so! lange sie nicht den heiligen Boden ihrer Existenz, auf dem ihre Väter vor Gott gewandelt und sich das! ehrenvolle Grab gegraben, mit schrecklicher Willkür! ganz umwühlt; so lange kann sie in diesem ewig! kräftigen, jüdischen Boden wurzeln und immer tiefer 'Wurzel fassen, so oft äußere Stürme, — die doch dem Zudenthume nicht so selten — an dem Stamme rütteln, so gewaltig rütteln, daß all die anfgepfropften Reiser, die alt dem Marke zehren, und der ganze modisch farbige Blüthensiaub in die Winde stäuben. Tiefer jüdisch geweihte Boden ist ein heiliger! Er ist für jede echte Kultur urbar gemacht, oder kann es gemacht werden, wenn nur die Säemänner ehrlich sind; jeder warme Strahl der Erleuchtung, von welcher Zone er auch komme, reifet seine Saaten, bringt ihnen glückliches Gedeihen. Aber Zeiten hat es gegeben — und das möge kein ehrlicher Jude, das möge der bessere Theil der Totiser Gemeinde nicht vergessen — es hat Zeiten gegeben, in welchen dieser jüdische Boden mit dem Blute jüdischer Edlen gedüngt. in welchen dieser jüdische Baum des Lebens mit aufgehänsten Leichen jüdischer Frommen nmzäunt werden mußte, vor fremder, entweihender Berührung. Zch verweile bei diesem Punkte, der die Synagoge betrifft etwas länger, weil ich mir dessen bewußt bin, daß ich in dieser kleinen Betrachtung über die Wichtigkeit von Synagoge und Rabbiner und ihrer Wechselwirkung in der Gemeinde, grade jetzt einem bedeutenden T heile der Totiser Gemeindemitglieder aus dem Herzen spreche, der es mir Dank wißen wird, wenn ich gegen die etwaige Annahme: die Totiier Gemeinde werde, ihrer selbst höchst unwürdig und alle Pietätsgesetze verleugnend, gewissen Rachbargemeinden, von denen die Eine sich bis zum Ueberdruß in der Tesfentlichkeit bekannt gemacht hat, nachahmen; welche Annahme sich auf den gegenwärtigen durch das Raninverhältniß gebotenen Umbau! der Totiser Synagoge Pützen mag, gewiß aber die Humanität und Intelligenz der Totiser Gemeinde verkennt, hier öffentlich proteftire. Rein! nein! und abermals nein! Triumphiret nicht zu früh; U mbau ist noch nicht Umfloß; Formveränderung — noch nicht Reform — nicht solche, wie Ihr sie meint; und wie sie gewisse Leute Eures Trostes 22 des Israelit.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.