Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 25 (14.11.1860)
- Date
- 1860-11-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Geldaristokratie, doch auch eine respectable Anzahl von Männern auszuwcisen hat, die tbeils einsichtsvoll genug sind, um das Nosenfarbne am neuen, „geklärten" jüdischen Horizonte als eitel Schminke zu erkennen, und theils, rücksichtsvoll genug, nur ihre wirklich unjüdische, vor dem jüdischen Gesetze und vor keinem — zu verantwortende Praxis, doch nicht als höhnende Sicgestrophäe über die in dieser Gemeinde einst von hochgehaltene, jetzt nur von Wenigen vertretene, jüdische Lehre, zur Schau zu tragen. Tie Schilderung einer solchen Gemeinde verlangt, im Interesse der heiligen Sache die von der Orthodoxie und ihrem Organe vertreten wird, Rücksicht; und mehr als sie Rücksicht verlangt, verlangt sie Vorsicht. Man kann nämlich, bei der öffentlichen Besprechung einer solchen Gemeinde und ihrer jüdischen Verhältnisse, durch ein allzurasches und allzugewiffenlmstes Festhalten der Erscheinungen in ihr, die freilich nur betrübend sind, ohne Rücksicht ans das bewegende Prinzip derselben, welches, im eigentlichen Sinne, oft gar nicht vorhanden, vielmehr durch eine grenzenlose Verschwommenheit, durch eine traurige Verwechslung der eignen Schwäche, mit der Schwäche der „Zeit" - durch > Prinziplosi'.keit also, ersetzt wird, sehr leicht, äußere Erscheinung, mit innerem Prineip verwechselnd, eine gefährliche Stimmung provociren und zun-. Bewußtseine jener edlern Gemeindemitglieder bringen, welche diese, aus Klugheit-:-- oder Pietätsrücksichten, bis jetzt von sich fern gehalten, ja, vor der Oeffcntlichkeit verleugnet oder bestritten haben. Diese Bemerkung drängt sich mir auf, indem ich hier, Angesichts eines großen Theiles unserer wahrhaft ehren- und charakterfesten Glaubensbrüder, welche, Meister der Leidenschaft, srei von Fanatismus, die edlen Gefühle der Pietät und der Hochachtung vor allem Ehrwürdigen, überall zu würdigen wissen, den Namen der Gemeinde „Totis" nenne. Die Gemeinde Totis ist eine solche, wie ich sie eben, ganz im Allgemeinen, skizzirt habe. Ein genauer Bericht über jüdische Gemeinde- und Soeialverhältnisse in Totis also würde mir schwer fallen, da ich diese Gemeinde ihren äußern Erscheinungen sowohl, als ihren innern, treibenden Elementen nach, so wohl kenne, daß ich dieselbe in jene Kategorie von Gemeinden setze, bei deren öffentlichen Beurtheilung ich, wie bereits erwähnt, dem Berichterstatter Vorsicht ancmpsehlen und in vielen Dingen das bekannte zurufen möchte. Sollte ich, nach Maßgabe vieler, den jüdisch-frommen Sinn gewiß sehr schmerzender Erscheinungen in Totis, der Gemeinde und dem Vorstände jedes Interesse, ja sogar warmes Interesse an der Erhaltung unseres angestammten jüdischen Glaubens, seiner Observanzen und des jüdischen Typus, den die Gemeinde trägt, absprechen und ihre schöne, lobenswerthe Pietät vor demselben in Frage stellen, so müßte ich, das schreckliche Gefühl jenes Priesters, der in der Frau, welcher er den Brtterkelch des Fluches und der Schmach! reichen mußte, seine eigne Mutter erkannte, (Mid. N. Ecbah) theilend, gegen meine Ueberzengung spre-! chen, da ich selbst dieser meiner „Muttergemeinde" und besonders ihrem löbl. Vorstände manche mühevolle Verwendung von ganzem Herzen danke, die mir sehr schwere Hindernisse aus dem Wege meiner Bestrebungen räumte, die aber G. s. D. stets diesem heiligen, angestammten Glauben galten und gelten werden. Also, kurz und ganz im Allgemeinen. T. ist eine alte, jüdische Gemeinde, die cca. 20l> Mitglieder zählt, hat einen schon lange in weiten Kreisen als wahrhaft fromm, im Talmud zu den Autoritäten zählenden, bekannten Rabbiner, besten Enkel zu sein ich das Glück habe, eine öffentliche Musierhauptschule mit einem kath. Geistlichen und einem jüdischen, strebsamen Vorstande an der Spitze. T. hat vor Allem eine schöne, jüdische Vergangenheit , die noch gar nicht lange einer andern Gegenwart gewichen ist. T. hatte eine zahlreich fregnentirte die der gegenwärtige Rabbiner noch bei Lebzeiten seines Vaters und Vorgängers übernommen und bedeutend gehoben. — Sie besteht nicht mehr. — Totis hatte Männer? Männer, die durch ihren ehrenfesten Lebenswandel, durch Gottesfurcht und opferwillige Liebe für alles Gute und wahrhaft Edle, also für jedes wahrhaft jüdische Intereste, ihre i Gemeinde nach Innen und Allsten stärkten und verherrlichten, zur Mustergemeinde für viele Nachbargemeinden machten, die sich nicht selten von solchen Biedermännern in den wichtigsten Interessen, vor j Kaiser und Reich, vertreten ließen. — Diese Män-! ner sind nicht mehr. — Aber es leben ihre Söhne l und Enkel, die, treu, oder — untren der Lebensrich- (Hierbei eins Beilage.)