Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 25 (14.11.1860)
- Date
- 1860-11-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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M ^usnzbcamten beabsichtigte, sich mit einem sehr reichen jüdischen Kaufmann zu verbeirathen, und wollte, um dieses zu ermöglichen, vom Ebristenthum zum Judenthum übertreten. Wahrscheinlich, um Aussehen zu vermeiden, hat man der jungen Dame den Rath gegeben, den Abfall vom Christenthum in einer kleinen - und unbekannten Stadt vorzunehmen. So ist denn j ihre Wahl auf Schönlanke gefallen und anch in der ' Tbat vorgestern in der hiesigen Sunagoge (?) ihr klebe ctritt zum Judenthum erfolgt. Pose» (Schluß.) Für die Erziehung und Ausbildung hiesiger jüdischer Waisenknaben ist in unserer Gemeinde bestens Sorge getragen. — Das Domizil derselben, ein vor mehreren Jahren neu erbautes, schönes, geräumiges, mit einem Garten versehenes Gebäude, ist anch seiner inneren Beschaffenheit nach 'ehr zweckmäßig eingerichtet, und kann nur geeignet 'ein, den armen Kindern den Aufenthalt in demselben so angenehm wie möglich zu machen. — Die finanzielle Verwaltung sowohl als anch die geistige ist in den besten Händen und läßt wohl Nichts zu wünschen übrig. Die Zöglinge der Waisen-Anstalt besuchen, bis zur Erlangung einer gewissen Reife, hiesige öffentliche Schulen, werden dann, je nach den an ihnen wahrgcnommenen Befähigungen und Anlagen zu ihrem einstmaligen Berufe herangebildet, und bis nach zurückgelegtem 24. Lebensjahre, in der Erreichung desselben, von Seiten der Anstalt, mit Rath und Thal genügend unterstützt. Wenn nun noch bemerkt wird, daß dieses Institut von den Gliedern der Gemeinde mit häufigen und belangreichen Spenden bei jeder sich bietenden Gelegenheit reichlich bedacht wird, auf daß es sich hebe und recht segensreich gedeihe, so gibt dies von dem regen Wohlthätigkeitsfinn unserer Gemeinde Zeugniß, die überhaupt auf diesem Gebiete sehr Vieles leistet. Es bethütigt sich dieser Wohlthätigkeitssinn nicht bloß in den hier in großer Anzahl bestehenden und sich fortwährend bildenden neuen Unterstützungs-Vereinen, sondern auch in fast täglichen Sammlungen für hiesige, fremde und durchreisende Arme, die zumeist recht ergiebig ausfallen und es ermöglichen, daß vieler Roth abgeholsen wird. Bon den bcregteu Vereinen sind es namentlich einige, die durch die große Löblichkeit ihrer Zwecke, sich besonders Hervorthun und überall nachgeabmt zu werden verdienen. So ist z. B. die deren Tendenz'es ist, fremde, durchreisende Arme an Sabbat- und Feiertagen mit Freitischen zu versorgen, ein sehr zweckentsprechendes Institut. indem der Bedürftige, auf jene Wohlthat Anspruchmackiende, behufs seiner Verköstigung sich bei dem Vereins-Vorsteher nur zu melden hat, der an allen Nüsttagen zu Sabbat und Feiertagen zur Entgegennahme von Anmeldungen, resp. Vertheiluug von Speisekarten, in einem bestimmten Locale anzulreffen sein muß. Es braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden, das; unser Posen ein steter Sammelplatz für arme 'Wanderer ist. und jener Verein Vieles aufzubriugen hat, daher sich auch in neuester Zeit zur weiteren Hebung desselben ein Eomitö gebildet, das beabsichtigt, neue Mitglieder anzuwerben und die Beiträge möglichenfalls zu erhöhen, damit die löbliche Aufgabe immer reichlicher gelöst werde. Eine nicht minder höchst löbliche Tendenz zeichnet eine andere Gesellschaft aus. Es hat diese die Aufgabe, hiesige, in Roth gerathene Handwerker und Händler, durch Gewährung größerer oder kleinerer Darlehen in den Stand zu setzen, ihre Professionen, rew Geschäfte, ununterbrochen forttreiben zu können. Die Rückzahlung solcher Vorschüsse an die Vereins- Easse geschieht wöchentlich in so sehr geringen Betrügen, daß die Interessenten dabei sich gar nicht anzustrengen brauchen, der Verein aber jeder Zeit disponible Gelder Hut, um, wo möglich, jedem Verlangen gerecht zu werden. So gibt cs hier noch viele Unterstützungsinstitute, derer; ich speziell nicht gedenken mag, die im Allgemeinen aber von dem ausgedehnten Humanitätssinn unserer Gemeinde Zeugniß geben; und zieht man noch in Betracht, daß solche eben nicht zu den wohlhabendsten jüdischen Eorporationen gehört, so wird mau es nicht für Uebertreibung halten, wem; man Poren eine Muster- Gemeinde für Wohlthätigkeit und Edelsinn nennt. In; kleineren Maßstabe finden sich aber auch in der Provinz viele Städte, die auf diesem Gebiete ebenfalls sehr vorschreiten und mit ihrer Hauptstadt fast wetteifern in Humanität und Freigebigkeit, sei es durch Vereins - Eaffen oder private Mittel und so anspruchslos viel Gutes und Löbliches stiften. Ich breche meinen Bericht, der vielleicht schon zu ausführlich geworden, — hiermit ab und schließe ich mit dem innigen Wunsche, daß der Allgütige