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Der Israelit · 1860-11-07 · Heft 24 (7.11.1860) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 24 (7.11.1860)
Date
1860-11-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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289 Feuilleton. Eine HonfirniLlion. Ein freudiges Wogen durchströmte alle Straßen,! die nach dem Hauptmarkte ausliefen. Es war Freij tag Morgens, der Rüsttaq des heiligen Sabbattages, und geschäftig und behend tnmmeuen sich die südi- ' schen Hausfrauen sammt ihren dienstbaren Geistern, um für den heiligen Sabbat, den Ruhetag dcS! Herrn, ihre auf dem Gebiete des Thier- und Pflanzenrciches uöthigen Einkäufe zu effcctuiren. Auch in dem durch Frömmigkeit und Wohlthätigkeit weit und breit bekannten Hause des Herrn W. war freudige Bewegung überall sichtbar; die durch Geist und Gemüth hervorragende Dame des Hauses war heute früher, als es sonst zu geschehen pflegte, in die an diesen Morgen besonders feucht und kalt wehende Frühluft hinausgetreten — jedoch nicht um Einkäufe abznschlicßcn, sondern um ihre mit herzgewinnender Freundlichkeit zu ertheilcnden Spenden in die ihr wohlbekannten Hütten der Armnth und Noth zu bringen, welche Gaben diesmal noch reichlicher verabreicht wurden, weil kommenden Sabbat einer ihrer Söhne, der fromme und geistvolle N. rnv? "2 werden sollte. Gerade, als sie aus einem Hause herausgetreten, in welchem der zweite Wunsch des Sabbat-Ausgangs- Gesanges, auf Kosten des ersten Wunsches sich verwirklicht hatte, rauschte in Sammt und Seide gehüllt, die ihr vis ä vis wohnende Nachbarin, Madame N., an ihr vorüber. „Wenn nur morgen der Himmel seinen Regemantel ablegt und der Consirmationsseier sein freundliches Antlitz zuwcndet!" rief Madame N. obenerwähnter Dame zu. „Der Licht und Wärme spendende Sonnenstrahl eines Tages, so willkommen er auch stets ist, vermag uns nicht einen segenverheißenden Frühling zu senden, eine reiche Ernte zu gewähren, so Kälte und Nachtfrost jede fernere Entfaltung hemmet, oder gar die zarten Knospen tödtet", lautete die Antwort der Madame W. In diesem Zwiegespräche der beiden Damen spiegelte sich ihre religiöse Anschauungsweise, der (Beilage zu Mro. Charakter der Confirmationsfrennde und ihrer Gegner bezeichnend und wahr ab. — Dem Rabbiner jener Gemeinde, zu welcher diese beiden Damen gehörten, hatte die Natur eine außergewöhnliche Reizbarkeit der Gehörnerven verliehen, sobald die Töne eines auch noch so leise gesprochenen, ihm stets mißliebigen;m-> '.n' die Luft durchsäuselten; hingegen hatte er äußerst abgestumpfte Geruchsnerven, wenn er am heiligen Sabbatein Gesellschaft eii.ig-r Freunde einherschritt, welche das ominöse Wort „Reform" auf ihre Fahne geschrieben und mit brennenden Cigarren thatsächlich den noch in den dunklen Thülern der Orthodoxie einherwandelnden Brüdern zeigen wollten, wie hoch man es auf den luftigen und lichten Höhen der Aufklärung zu bringen vermag!.' — Während dieses öffentlich und oft geschah, von Hunderten gesehen und — gemißbilligt! wurde, hatte der Rabbiner weder den Geruch der Cigarren verspürt, noch die blauen Rauchwolken zu erblicken vermocht! Insbesondere war der Schwerpunkt seiner Pastoralen Klugheit und seiner amtlichen Praxis auf die „Nützlichkeit" und Ersprießlichkeit der Consirmation gefallen — und der Herr Rabbiner! hatte die Eigenschaft, dasjenige, welches er für nütz-! lich und „nutzbringend" erkannt, und sollte dieses > auch nur für die Finanzen seines rabbinatlichen Hau-! ses sein, — nicht so nolens volens anfzugeben! Die Consirmation! Die Konfirmation! auf sie wurde von dem Herrn Rabbiner. . . ., wie auf einen Talisman gezeigt als wäre die unsilbischem Boden ' entstammte Feierlichkeit, wo Herren und Damen in j einem Raume in: heiligen GotteShause vereint werden, hinreichend, die mächtigen Wurzeln der Gottes-! furcht und der Erfüllung der Thoragesetze 1 in die Herzen und Seelen der Jünglinge und Jung-! frauen zu pflanzen!! Die Consirmation! Die Consirmation! das war! das große Erlösnngswort und Erlösungswerk, um die! Jugend vor jeglicher Gefahr der Gesetzesuntreue zu behüten; das war die Brücke, an deren schützende Brustwehr gelehnt, man vor jenen empörten Wellen und wilden Fluthen, L'2, geborgen zu sein wähnte, obschon deren Gründer die Pfeiler des Glaubens mit frevelnden Händen uiederriffen, . . . '^x! Wir haben die Blüthen 22 -ss Israelit.)

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