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Der Israelit · 1860-11-07 · Heft 24 (7.11.1860) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 24 (7.11.1860)
Date
1860-11-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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L87 Wahrlich, wir müssen es offen gestehen, schon beim Durchlescn dieses ersten Artikels sprachen wir im Interesse deS Herrn Or. Meise! selbst unser Bedauern darüber aus, daß sich dieser der Welt nunmehr als Zcitungsredacteur zeigt. Sein literarisches Renomöe hat, unseres Erachtens, einen nicht unempfindlichen Stoß erlitten. — Doch gehen wir zu dem Gegenstände selbst über. Wir wollen hier nicht erst davon sprechen, wie ein Mann, der „die Vereinigung aller Parteien in Israel, die zwischen orthodoxem und reformatorischcm Iudenthume gähnende Kluft ausznsüllen," zu seinem Programme macht, auf einmal „unserer Zeit" zurufen kann: „Wie lange noch wollt ihr Hüpfen aus die beiden Zweige? Wenn der Ewige Gott ist, so geht ihm nach, und wenn der Baal — geht ihm nach?" Es fiele uns auch in der That schwer, hierüber ein Wort zu sprechen, läßt uns doch Herr Or. Meise! selbst noch im Dunklen darüber, was er unter „Ewiger", was unter „Vaal" verstehe! — Welches von Beiden bedeutet nach den Begriffen des Herrn Ol-. M. das orthodoxe, welches das resormatorische Iudenlhum?.Bei der Stellung, die der Herr Oberrabbiner der mosaischen Religion gegenüber cinnimmt, dürste es nur zu gewagt sein, sich in dieser Beziehung ein Nrtheil bilden zu wollen. Wie gesagt, wir wollen gerne hierüber Schweigen beobachten, wir wollen auch die seltene Bescheidenheit (?) des Herrn Toct., mit der er sich herbeilüßt, sich dem Propheten Elisa hu am Berge Carmel zu vergleichen, um so weniger hervorheben, zumal, wie uns bedünkt, Herr M. hier blos die in Nr. 3 des „Israeliten" in Bezug auf sein Programm von Ihrem N. Correspondeuleu aus Pesch an den Herrn Oberrabbiner sehr passend gerichtete Frage '.->2 -p nachgesprochen hat. — Horen wir, wie der Herr Nedacteur des „Carmel" die in der lleberschrift ausgestellte Frage „Warum Carmel?" beantwortet. Nachdem er sich in Schilderung des Berges Carmel eines Weitern ergangen, fährt er dann fort: „In einem Tempel aus dem Carmel, der „besonders heilig gehalten wurde, hat der griechische „Philosoph Pythagoras in stiller Einsamkeit seinen „Gedanken nachgehangen; auf dem Carmel opferte „Vespasian und wurde ihm von einem Priester seine „künftige Größe verkündigt. Israel aber knüpft an „den Carmel große Epochen seiner nationalen, wie „seiner geistigen Entwickelung. Am Carmel errichtete der König Schaul seine Siegeszeichen nach „dem Kampfe gegen Amalek; auf ihm gewann Da- „viv die edle Abigail; auf ihm kniete die edle Schu- „uamiterin vor dem Propheten Elischa; auf ihm „ragten in allen Jahrhunderten Tempel, Klöster „und Kirchen." Wahrlich, hätten wir nicht den Original-Artikel des „Carmel" vor Augen, nimmermehr glaubten wir, der Oberrabbiner der größten isr. KnltuSgemeiyde in Ungarn habe dieses niedergeschrieben. Hr. Or. M. mag sich vielleicht auf die nagelneue Entdeckung, „Israel knüpfe eine große Epoche seiner nationalen, wie seiner geistigen Entwickelung daran, das; auf dem Carmel in allen Jahrhunderten Tempel, Klöster und Kirchen ragten, nicht wenig zu Gute gethan haben, wir unsrerseits müssen gegen eine solche Behauptung mit aller Entschiedenheit protestiren, und können dem Herrn Nedacteur des „Carmel" blos die Ehre erweisen, hinsichtlich seiner Person eine Ausnahme zu machen. — Wir vermuthen zwar, Herr I)r. M. glaube hierdurch bei unseren christlichen Brüdern als toleranter Rabbiner zu gelten. Nun denn, wenn dem so ist, da hat er sich gewaltig getäuscht; durch den Ausspruch: „Israel knüpfe n. s. w. Tempel, Klöster und Kirchen" macht er sich — er verzeihe uns den Ausdruck — sowohl in den Augen von Juden als Richlinden mehr als lächerlich. — In Nr. 2 des „Carmel" begegnen wir einer „nothgedrungenen Erklärung" des Herrn Oberrabb. H. B. Fasst, in welcher dieser in feierlichster Weise bethenert, bei einer in Warzen stattgehabten Verehelichung einer Frau mit dem Schwefiersohne!!! ihres verstorbenen Galten zwar leider mitgewirkt zu haben, doch sei er hierbei völlig unschuldig, indem er blos nach eingeholter Erlaubnis; des Herrn Oberrabbincrs in Pesth der» Rabbiner zu Waizen geschrieben habe, das; er die Trauung vollziehen könne, von dem Ehe-! Hindernisse selbst aber habe er keine Ahnung gehabt, sondern der in Gr. Kanisza wohnhafte Vater der Frau, der übrigens ein achtbares Mitglied der Gemeinde ist, habe ihm vorgespicgelt u. s. w. Herr vr. Meise! nimmt hieran Anstoß, man könne näinlich, meint er, den Passus „ich habe diese Ehe, nach-! dem ich die Erlaubniß vom Herrn Oberrabbiner zu.

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