Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 24 (7.11.1860)
- Date
- 1860-11-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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283 die durch den modernen Geist hervorgerusene Reso rin verschwinden wie sie gekommen, während das wahre, alte, echte Judenthum einer ewigen Dauer gewiß ist. In allen diesen erhebenden Erscheinungen, denen gegenüber die blutigen Verfolgungen, die wir erlitten haben, in den Hintergrund treten, muß nun die echte Geschichtsschreibung, die sichtbar lenkende Gottes- Hand Nachweisen; cs muß aus jeder Zeile bervorgehcn, daß Israel den Gesetzen naturgemäßer Entwickelung, wie sie sich in der Geschichte der übrigen Völker geltend machen, nicht unterworfen ist, daß vielmehr seine ganze Existenz und sein ganzes, Jahrtausende währendes Leben immerdar ein wunderbares war, ist und sein wird. Eine Geschichte der Juden in diesem Geiste mit Hinsicht, Vorsicht und Forfchertalcnt, zugleich aber auch mit wahrer Begeisterung geschrieben, durch angemessenen Styl und lebendige Darstellung anziehend, würde mehr sein als ein Ruhm verheißendes, schriftstellerisches Werk, es würde eine Heil und ^egen bringende religiöse That sein, gleich nutzbringend sür Religion und Wissenschaft. — Tiiei'tiriMer' Hericlit. die Ethik des Rabbi Serachja Hajewan i, itrthümlich dem Rabbenn Tam zugeschrieben. Frankfurt a. M. 5EO bei Kaufsman. 2. Auflage. Klein 8. X. und 74. Tieies vortreffliche Wcrkchen, in leicht faßlichem Hebräisch geschrieben , sollte in Jedermanns Händen sein, der nur irgend der hebräischen Sprach mächtig ist. Der Herausgeber verspricht zwar, eine deutsche Ilebersetznng bald folgen zu lasten; wir möchtet! jedoch davon abralhcn, weil das herrliche Buch in der Ueberlragnng nur verlieren muß, da es manche unübersetzbare Partien enthält. Das Buch zerfällt in t8 Pforten, denen eine logische Einteilung nicht Anerkannt werden kann. Aber in einfacher Weise wird der Leser zum Nachdenken über die höchsten, das Menschengeschlecht bewegenden Fragen angeregt, ohne daß jedoch der Geist des Zweifels, wie in andern ähnlichen Werken, heransgefordert wird, so das; es dem philosophisch nicht Vorgebildeten als heilbringende Lcctüre empfohlen werden kann. Einfach und überzeugend wird in der ersten Pforte das Geheimniß der Weltschöpsung verhandelt und in der zweiten am Beispiele Abrahams, der vorzugsweise rm'.-. heißt der Begriff der Gottesliebe dargelegt, und so bietet jede Pforte Belehrendes, Anregendes und Erhebendes in großer Fülle. — eine Sammlung religiöser Vorschriften aus schriftlicher und mündlicher Lehre, gesammelt von Rabbiner Emauucl Dreifuß zu Salzburg in Baden. Müblhauien -',618. 8. 184 S. Zu beziehen vom Verfasser, von Zrautsmann in Frankfurt a. M. und von A. Asher und Eomp. in Berlin. Preis I Thlr. oder 2 fl. rh. Das vorliegende, vortreffliche Werk möchte sickvorzüglich zu allsabbatlichen Vorträgen für Lehrer, wie diese in vielen Gemeinden üblich sind, eignen. Tie religiösen Vorschriften sind oben im Texte angegeben, dem ein Quellcuverzeichniß beigedruckt ist. Im Eommentar wird namentlich über die Begriffe ausführlich verhandelt. Ter nach diesem Werke Vortragende müßte sich vorder mit dem Eommentare genau bekannt gemacht haben und ihn dann, an den Text anlcbnend, in freier Rede Wiedergaben. Wir Hütten jedoch eine strenge Unterordnung unter einzelne! Hanptbegriffe und eine geregeltere Anordnung gewünscht. Die einzelnen Eapitel reihen sich lose aneinander und bieten nirgendwo ein prineipnnn ckivüloiidi (Eintheilungsgruttdsatz). Die Sittenlehren sind in schöner, hebräischer Sprache und in gediegener Kürze, zugleich in richtigem und ansprechendem Lehrtone gegeben. Im Eommentar sind häufig Beispiele aus dem Talmud angeführt, die das oben Gesagte erläutern und in das gehörige Licht stellen; auch werden hier die abweichenden Ansichten der verschiedenen Gesetzeslehrer einander gcgenübergestellt, damit der Leser zu wählen und zu entscheiden vermag. — Das vorliegende Werk ist unsres Wissens! das erste, welches die Herzenspflichten in dieser Weise in Form der Vorschrift und in auf das Einzelne eingehendcr,Begründung behandelt, gerade so, wie in vielen balachischen Schriften die Halachah demonstrirt wird. Wir wünschen demselben eine recht allseilige Verbreitung; auch als Privatlectüre ist cs sehr zu. empfehlen, und wird Jeder, der dasselbe mit Aufmerksamkeit gelesen, nicht geringen Nutzen davon tragen.