Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 23 (31.10.1860)
- Date
- 1860-10-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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275 uns nur zum Gebete um Bescheidenheit veranlassen, damit wir nicht zu stolz darauf seien. Zum Dritten kömmt nun in Nr. 43 die Ironie an die Reihe. Armer Herr PH., sogar Ihr Witz ist versiegt! Oder soll solch' Geschwätz etwa ein Witz sein? Tartüffe, Hanswurst x. -- der Witz liegt nicht im Worte und fällt daher erbärmlich aus. Doch eine Frage möchten wir uns bei dieser Angelegenheit erlauben. Sie rühmen sich, daß Sie in unserer Zeitschrift als xL'i bezeichnet werden; unseres Wissens ist dieses liebevolle Wort von uns nicht gebraucht worden; es war der Univers isr., der Sie also bezeichnet hat; doch wenn auch, so ist es doch männiglich bekannt, daß wir viel mehr Accent auf den Umstand gelegt haben, daß sie auf talmirdischem Gebiete ein Ignorant sind. Warum wagen Sie es nicht, Sich dessen zu rühmen? Ja, freilich haben Sie Recht; wenn man als Rabbiner den Talmud nicht kennt, und als Vertreter des gesummten Jndenthums vom Lebcnsquell des Judenthums sehr wenig weiß, so ist das der Inbegriff alles Bösen, und aus dem Jrrthume muß die Sünde erwachsen. Zum Vierten ssucht uns Herr PH. politisch in Mißcredit zu bringen. Wir, Gegner der Emancipation?! Wer wird Ihnen das glauben? Wir wünschen, hoffen und erstreben die vollkommene Gleichstellung und glauben dieses Ziel erreichen zu können, auch ohne unsre heilige Religion darob zu opfern. Diese Manier uns schaden zu wollen, ist ebenso perfid wie — lächerlich. Zinn Fünften endlich läßt uns Herr PH. an einer andern Stelle der erwähnten Nummer baldigen Untergang verheißen. „Das Blatt (der Israelit) wird fallen und verschwinden, wie Tausende anderer Blätter jetzt von den Bäumen fallen." Diese Prophetcnstimme schreckt uns nicht; unser Blatt ist vielmehr G. s. D. immer im Steigen begriffen. Wir können uns ob dieser Weissagung leicht trösten. „Der Israelit" verlangt kein andres Schicksal als das der Israeliten im Allgemeinen. In Ph.'s Volksblatt Nr. 43 wird nämlich die Zeit gepriesen, in der es keine — Israeliten mehr geben wird. Wenn unser Blatt so lange existiren wird, so ist ihm eine ewige Dauer gewiß. — Nicht wir befinden uns im Herbste, sondern Ph.'s Blatt; es ist welk und schal. -"p Uns lacht vielmehr ein freunde licher, freudiger Frühling. Du aber, lieber Leser, entschuldige, daß wir schon wieder PH. auf's Tapet gebracht haben. Seit 24 Jahren bläst er schon in die Trompete, um die Welt zum Schaden des wahren Judenthums lint seinem Ruhme anzufüllen. Es ist nicht die Person, die wir bekämpfen, sondern die von ihr vertretene Richtung. Wir haben niemals in einem persönrlichen Verhältnisse zu ihm gestanden; hätten wir ihn nicht einmal zufällig am Bahnhofe zu H. gesehen, aber auch nur gesehen, wir würden gar keine Vorstellung von der Körperhülle des großen (!) GeisteS haben. Aber der Sache halber scheint es uns nothwendig, PH. nicht zu ignoriren, so lieb es uns auch wäre, wenn wir es dürften. Das Unheil, das seine Zeitung angestiftet hat, ist unermeßlich. Wäre man doch schon vor Jahrzehnten energisch gegen ihn aufgetreten! Wohl wissen wir, daß er unsre religiösen Mißstände nicht gemacht hat, wie man uns weisheitsvoll neulich geschrieben; aber er hat viel dazu beigctragen, sie zu erweitern und zu consolidiren Wir verkennen unsere schwierige Aufgabe nicht -- es ist weit leichter zu zerstören, als wieder anfzubaueu — wir werden uns aber auch nicht darin beirren lasten und fortfahren, uns ihr mit Liebe und Eifer zu unterziehen. Gott wird die Wahrheit zum Siege führen! Zchcrrhclttfen. Ende Tischri 5621. Alles was der Orthodoxie auch nur mittelbar nützlich sein kann, mag billiger Weise Anspruch auf ein Plätzchen in Ihrem geschützten Blatte machen. In dieser Voraussetzung ersuche ich Sie, nachstehenden Bericht über ein Fest, welches am ersten r»22-Tage hier begangen wurde, zu veröffentlichen. Unser würdiger Herr Rabbiner Jsak Hochheimer, der schon zweiunddreißig Jahre segensreich in hiesiger Gemeinde wirkt, und der sich ebenfalls dem Proteste gegen das Philippson'sche Vibelwerk angcschlossen. erreichte am ersten Tage des verflossenen LanbhüttenfesieS seinen siebenzigsten Geburtstag. Nur wenigen Vertrauten war dies vorher bekaünt, und sie beschlossen, dem würdigen Greise einen schö-t neu Ehrentag zu bereiten. Durch eine Kollekte rvat bald eine namhafte Summe aufgebracht. Die Liste lag in einem Hanse offen, ' und wer sich anschließett