Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 23 (31.10.1860)
- Date
- 1860-10-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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273 terricht in diesen Fachern in mehreren wöchentlichen Stunden durch Erklärung des Bibeltextes und der rituellen Gebete zu ertheilen. Wie aber, wenn ein Schuliuspetor dieses Auskunstsmittel nicht gelten läßt? Wie aber, wenn ein Lehrer, sich auf Intentionen der Negierung stutzend, seiner Gemeinde den geforderten Unterricht im Hebräischen verweigert? Die Ausnahme dieser Beschwerde in die Petition wurde mit entschiedener Majorität beschlossen, und ein großer Theil der Minorität begründete sein abweichendes Votum durch die Ansicht, daß cs besser wäre, auch in Zukunft das Gesetz zu umgehen, als die Aufmerksamkeit der Behörden möglicher Weise auf diese Umgehung zu lenken; eine Ansicht, der ich nicht beipflichte. Den Verhandlungen über den zweiten Punkt der Tagesordnung, die Mittel zur Hebung des Lehrstandes in sittlicher, religiöser und Lntellectueller Beziehung konnte Referent nur theilweise beiwohnen. Es wurde aber in der Versammlung wiederholentlich darauf hingewiesen, daß die jüdischen Lehrer, um in ihren Gemeinden den Einfluß zu bewahren, der ihnen gebührte, nicht nur in sittlicher Hinsicht, sondern auch durch gewissenhafte Beobachtung der speciell jüdischen Neligionsgesetze tadellos dastehcn müßten. Auch wurde hervorgehoben, daß dieselben mit größerem Flciße, als im Allgemeinen bisher, sich in der Kenntniß der heiligen Schrift und der Vielen ganz abhanden gekommenen hebräischen Vibelcommentare vervollkommnen sollten. Ob das ebenfalls empfohlene Studium der „vom Vereine zur Förderung israelitischer Literatur" herauSgegebenen Schriften durchwegs ganz die gehoffte Wirkung haben werde, den jüdisch religiösen Sinn der Lehrer gleichzeitig zu kräftigen und zu bilden, dürfte mindestens zweifelhaft sein. — Der hieran sich reihende Vorschlag, durch den Verein eine zugleich die Interessen des Lehrerstandes vertretende pädagogische Zeitung herausgeben zu lassen, ward dahin modisicirt, daß man für die Verbreitung und äußere wie schriftstellerische Unterstützung einer solcher, bisher von den Lehrern Treu und Hecht herausgegebenen Monatsschrift Sorge tragen wolle: doch sollte diese Zeitschrift, an welcher übrigens mehrfach nicht unwesentliche Ausstellungen gemacht wurden, fortan, wenn möglich allwöchentlich erscheinen. Eine Garantie für die Kosten der Herausgabe des Blattes zu übernehmen, wollte der Verein sich nicht bereit finden lassen, und er hat wohl daran gethan. Vesser wäre es nach des Referenten Meinung gewesen, wenn die Versammlung auch jede moralische Garantie für diese Zeitschrift, deren bisheriger Inhalt übrigens den meisten Anwesenden nicht bekannt zu sein schien, gleichfalls abgelehnt hätte. Denn der Name des zweitgenannten Nedacteurs, dessen vielschreibcndcs Talent bisher schon oftmals ein Gemisch von Flüchtigkeit und oberflächlichem, antireligiösem Rationalismus geliefert hat, läßt weder etwas Gutes noch etwas Gediegenes erwarten, und die in der Versammlung circulirende Nro. 9 des Journals schien diese vorgefaßte Meinung vollkommen zu bestätigen. — Da es inzwischen Abend geworden war und mehrere. Anwesende sich verabschiedeten, mußte aus die Erledigung der drei übrigen sehr interessanten Gegenstände der Tagesordnung, welche die Beschaffung billiger Lehrmittel, die Methodik des hebräischen Unterrichts und die des Unterrichts in biblischer Geschichte betrafen, verzichtet werden. Doch ward beschlossen, die Beratung über die Methodik des hebräischen Unterrichts an die Spitze der nächsten Tagesordnung zu stellen, und ein sehr gediegener Aussatz über diesen Gegenstand vom Lehrer Lceser in Lübecks in Klein's Schulbibliothek, welcher vorgelesen wurde, fand so weit die Billigung der Versammlung, daß man ihn der künftigen Verathung zu Grunde zu legen beschloß. — Endlich hielt man es für geeignet, häufiger als bisher und zwar, wenn möglich, jährliche Conferenzen abzuhaltcn, die am Vesten bald nach dem Wochenfeste anznfetzen wären und gewöhnlich zwei Tage dauern sollten. Die nächste Versammlung soll irr Hamm stattfinden, und hoffte man vorher die dem Ministerium seit langer Zeit zur Genehmigung vorliegendenStatuten des Vereins genehmigt zurückzuerhalten. Mit der Wiederwahl des zeitigen Vorstandes, dessen reger Thätigkeit im Interesse des Vereins allseitig Anerkennung zu Theil wurde, ward diese Lehrerconserenz geschlossen. Sie war von Seiten der Vorsitzenden mit vielem Tacte geleitet worden, und während der Verathung hatte sich häufig eine rühmliche Begeisterung für den Lehrerberuf und eine anerkennens-