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Der Israelit · 1860-10-24 · Heft 22 (24.10.1860) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 22 (24.10.1860)
Date
1860-10-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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ständig jüdische ivar, sind dennoch die jetzigen Irreligiösen diesen jüdischen Häusern entsprossen, — aber da ist noch wenigstens eine gute Seite zu finden: bei diesen aus jüdischen Häusern entsprossenen irreligiösen Juden lebt noch wenigstens jüdisches Gefühl im Herzen. Man schimpfe nur einen Juden in Gegenwart eines solchen, und er wird in Harnisch gerathcn, mit feurigem Enthusiasmus in die Schranken treten, zur Rettung der Ehre: seiner jüdischen Mit- Lrüder selbst sein Leben aufs Spiel setzen. — Lastet nur einen solchen schwachgewordencn Juden in dem Tempel an und die Predigt eines tüchtigen Rabbiners mitanhörcn, und ihr werdet sehen, wie das Auge naß wird, wie das Herz überströmt und das jüdische Gefühl sich im Busen regt und zu Gott zurück sich wendet; gebet nur Acht, wenn eine schwere Krankheit ihn überfällt, und der Todesengel den Lebensfaden abzuschneiden droht: wie da Vater, Mutter, Gattin, Bruder, Schwester in den Tempel lausen, Geld vertheilen, ss'^ssss sagen und machen lasten, sind, und bei Gott suchen, was sie bei Meirichen verloren glauben; und wenn er gar stirbt, — findet man da nicht, daß im Testamente meistens Legate und Stiftungen zu jüdischen wohlthätigen Zwecken bestimmt sind? Da können wir noch den Trost finden: Wenn auch die Religion den glanbensfestcn Juden verloren, hat ihm dennoch die Erziehung das Herz gerettet und ihn vor gänzlichem Abfall geschützt. — Aber so ein ohne Religion und jüdisches Gefühl, ohne Zeremonie und religiösen Sinn von Jugend ans erzogener Jude ist nur ein in die menschliche Natur hineingesetztcs Fragezeichen, das von keiner religiösen Ausübung angegriffen, nicht in Freuden und nicht in Leiden, weder Erholung noch Trost, weder Hoffnung noch Erbauung in seinem Gotte und in seiner Religion findet; ein schwankendes Gebäude das bei dem leisesten Windstoß zusammen zu stürzen droht; ein gebrechlicher Mensch, der bei freudiger Veranlassung kein „Gottlob" und in Zeiten der Gefahr und der Roth kein auf der Zunge findet. Ein Mensch, der bei Beschimpfung seiner Mirbrüder kalt bleibt, sich selbst derselben schämt, und nur immer bestrebt ist, jeden jüdischen Typus aus Gesicht, Geberde und Sprache zu verwischen, nachdem er den jüdischen Gott schon längst aus dem Herzen verbannt, nachdem (Beilage zu dtro. er denselben nie wirklich im Herzen gehabt. — Und das bewirkt die heutige unjüdische Erziehung, die aus dem Kinde einen mit sich selbst in immerwährender Zcrwürfniß lebenden, gottlosen Menschen heranbildct.! w. Schönseld. j S. a. Iljhelt) in Oberungarn. Erlauben Sie; mir in Ihrem geschätzten Blatte einem in unserer Gegend weitverbreiteten! Vorurtheile entgegenzntrcten. Man mißversteht nämlich das Wort „Orthodoxie" und denkt sich darunter Frömmelei, Abscheu vor jeg- . licher profaner Bildung und wer weiß, was noch Schlim- ' mes sonst. Nun aber bedeutet das Wort „orthodox"! doch nichts Anderes als rechtgläubig und der rechte ' jüdische Glaube steht doch durchaus nicht mit Stre-! ben nach Bildung oder mit richtiger deutscher oder! ungarischer Sprache im Widerspruch. Auch in unserer j großen, streng orthodoxen Gemeinde geht Bildung! mit wahrhaftem Judenthume Hand in Hand. Seit 1 20 Jahren besteht hier eine k. k. Musterhauptschule,! die von circa öOO Schülern und Schülerinnen be- > sucht wird; an ihr wirken 7 vorzügliche Lehrer und! 3 Lehrerinnen; talmudischer Unterricht wird in der ' Talmud-Thora-Anstalt ertheilt, an der 0 tüchtige! Lehrer wirken. Diese steht unter Aussicht unseres ehrwürdigen Herrn Oberrabbiners Jeremias Löw,! der auch 00—80 Jünglingen täglich höhere talmudische Vorträge hält. Kein Laden ist am Samstage ' geöffnet, in keiner Werkstätte wird der Sabbat eut-; heiligt -.-.x '2 das heilige, göttliche Gebot ist uns unsres Lebens Leuchte, die Lehre aber . die hellstrahlende und erwärmende Flamme. Uebertritt ja irgend ein leichtsinniger Jüngling ein Gottesgebot, so geschieht das in Folge der ungebäudigtcu! Leidenschaft, nicht aber aus Irrglauben oder After-! Weisheit. j Nur Eins haben wir zu beklagen; inan verhält sich bei uns zu passiv; die Aufgabe eines wahrhaften Israeliten ist aber nicht allein ein sondern auch ein zu sein, nach Innen und nach Außen Gutes zu wirken; möge es Ihrem geschätzten Blatte gelingen, das lebhafteste Interesse für das Allgemeine wach zu rufen; Gelegenheit, Gutes zu wirken wird sich genugsam bieten. Fricdlitbcr, Gcmeinde-Vorstands-Nath. Szered a. d. Waag. Sicherlich ist das Studium des Gesetzes der größte Antrieb zu Gottge- 22 des Israelit.)

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