Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 22 (24.10.1860)
- Date
- 1860-10-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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259 den sie auf die entgegenstehende Gemeinde übt. Auch hier ist der fortschreitende Gang der Reform gehemmt, der religiöse Sinn ist wieder erwacht und man rnbmt sich wenigstens nickt mehr der Uebertrctnng jüdischer Neligionsgesetze. Noch unlängst erst wurde ein. Pamphlet, „Worte des Glaubens von einem Ungläubigen" gegen das Indenthnm und namentlich gegen unsere - Person gerichtet, mit gerechter Entrüstung selbst von den nicht zu uns Gehörigen zurückgewiesen. Das; ' es unter diesen Einzelne gibt, die von persönlichem , Hasse gegen die Mitglieder der Neligionsgesellschast erfüllt sind, das beweisen die Berichterstatter des Herrn Redaeteurs der Arch. Isr.; dieser aber hätte aus bessern Quellen scköpsen sollen, was jedoch seine Voreingenommenheit aeaen orthodoxes Iudenthnm , nicht zugelassen zu haben scheint. An» Lon Vr. A. Hirsän rld. (Fortsetzung.) Aber anstatt den: Volke die Augen zu öffnen, seiner Religionswidrigkcit, die eS, abgerechnet von dem religiösen Verfall, auch moralisch immer tiefer sinken läßt, zu steuern, cs vielm.hr hierin nicht nur noch zu bestärken, soliden, sogar alle ihm noch verborgenen Thüren zu öffnen, durch welche die Irreligiosität desto leichtern Eingang finden kann, hieße seine Aufgabe als Neligionslehrer gänzlich verkennen. Zwar geben die Resormhrlden vor, gerade durch Abschaffung von Mißbrauchen, worunter aber von ihnen nicht nur wiiklich solche, sondern, sogar gewichtige, durch tausendjährige Nelun.g geheiligte, ja sogar gesetzlich beguindcle Gebote oft ve,stand.n werden, und durch die von ihnen fflbstgeschaffet"'.' Neuerungen, die nicht im Scheos.c des Jude, thums wurzeln, sondern einem fremden Boden entsprossen sind, im Dienste der Religion zu wirken, das Gold von Schlacken zu säubern, oder, wie sie sich noch lieber anszndrücken pflegen, die Schmale von: Kerne zu trennen, um ans den: allaemeindrohendcii Ncligions- Untergänge, gleich einem Schiffbrüchigen, io viele Trümmer als nur möglich, noch zu retten, damit der Geist des Indentbums nicht gänzlich nntergehc. Indes; ist aber ihre Hanptabsicht dabei daraus gerichtet, das Iudenthnm seines edelsten Sästiiuckes zu entkleiden, es in den Augen der Welt geschmeidiger, gefügiger zu machen, um eine desto größer Annäherung an die Söhne anderer Konfessionen anznbahncn, und hierdurch die politische Gleichstellung und die vollkommene Emancipation zu bewirken. Wohl wäre zwar eine derartige Gleichberechtigung des Iudentbums mit der herrschenden Religion sehnlichst zu wünschen und unsere Anerkennung als ebenbürtige Landeskinder zu erstreben! Aber dieses must mehr, durch tugendhasten Wandel, durch durchgreifende Bildung und Tüchtigkeit in allen Verhältnissen des Lebens, durch Industrie und Gewc Astest, als durch Verleugnung dessen erzielt werden, r-as theurer als alle Emancipation ist und dessen der 'sraelit, ohne vor seinem Gewissen und vor den A.gen Gottes zu crrötben, sich nicht euiäunern darf. Denn so tbeuer dürfen wir unsere politische Gleichstellung nicht erkaufen. Die Ausgabe des Israeliten ist: die Wahrbeit zu verkünden, die echte Anerkennung Gottes aller Drt.u zu verbreiten, durch Standhaftigkeit im Glauben, unerschütterlichen Mnth im Vertrauen auf Gott seinen Feinden Bewunderung abznnothigen, durch die höchste Moralität und Sittlichkeit in Gesinnung und Thar und durch die höchstmöglichste Tugeudbessiffenheit zur Nachahmung und Nacheiferung anzusporuen. Dieses Bestreben müssen wir befolgen, uuh wir werden durch dieses leichter zum Ziele kommen, als durch unwürdige Kriecherei, durch kleinliche Nachäffung und durch gewissenlose, nicht zn rechtfertigende Ausgebnug unserer heiligsten Interessen. Und wenn wir auch wirklich uns nur alles Möglichen, den Juden besondere- Ehnrakterissrenden und Aue-zeichnenden, um uns hierdurch desto inniger an unsere Landesbrnder anzuichmiegev, begeben sollten: wer kann uns wohl verbürgen, daß wir dann von ihnen mehr geliebt und geacktet werden? So lange wir Inden bleiben und der Name Jude auf uns hastet: so bleibt dieser allein immer Gegenstand einer gewissen Scheu und Zurückhaltung, Grund genug, uns von dem allgemeine,r Vetter,echte auüschliesten zn wollen. Wahrlich, derjenige Jude, der treu nach den Gesetzen deo orthodoxen Iudenlhums lebt und sich dabei einer sittlichen, moralisch-guten Aufführung befleißigt, muß uiehr Achtung und Anerkennung in den Augen seiner christlichen Mitbürger finden, als der sogenannte auf