Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1860-10-24 · Heft 22 (24.10.1860) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 22 (24.10.1860)
Date
1860-10-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2446952-2446974--00284-2455453
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

258 unlauterer Quelle geschöpft hat; auch die Bezeichnung „klein" gibt uns von den durch Vornrthei! ungetrnb- - ten Begriffen des Herrn E. eine sonderbare Börstel- . lung. Wie würde er sonst ein Gotteshaus also nennen, das wehr als tausend Menschen zu sagen vcr- , mag! Wir sehen uns ungern, durch Herrn E. gezwungen mit wenigen Zügen die Geschichte der isr. Neligiousgesetlschaft hier zu geben. Schon seit dein Jahre 31 datiren sich die Kümpfe in hiesiger Gemeinde; damals wurde die Leitung der Gemeindeangeleaenheiten einem Vorstände in die Hände gegeben, der es sich zur Aufgabe machte, die hiesige Gemeinde zu reiormiren. Der Widerstand jedoch, den der Vorstand fand, ließ ihn sein Programm nur theilweise aussühren. Bald ging die Kemeindeleitung in orthodoxe Hände über, die jedoch, durch die öffentliche Meinung gebunden, (wie damals in den von Jost redigirten Annalen sehr richtig berichtet wurde) ihre Tbätigkeit nicht zu einer nachhaltigen gestalten konnten. Sie konnten den Gang der Reform nur aufhalten. nicht unterdrücken. In den vierziger Jahren ging die Gemeindeleitung wieder in die Hände eines Vorstands über, der zum Theil aus den Männern von 31 bestand. Beim Neubau der Synagoge verfehlte derselbe nicht, radicale Reformen, wie Orgel, gemischten Gesang, offene Frauenlogen n. s. w. u. s. w. eiuzusühren und in der Person des Herrn Or. ' Aub von Bayreuth, einen Rabbiner zu berufen, der durch Wirken und Schriften seine reformatorischen Gesinnungen genugsam dokumentirt hatte. Gegen alle diese Maßnahmen hatten die orthodoxen Mitglieder der Gemeinde vergeblich protestirt, die hohe Regierung hatte sich zur Entscheidung dieser Confliete für incompetent erklärt. Nach vollbrachter Thatsache jedoch erlangten die orthodoxen Mitglieder der Gemeinde von unserer erleuchteten Regierung, die das in unserem gesegneten Lande herrschende Princip der Gewissensfreiheit gewahrt wissen will, die Besugniß zur bonstituirung einer eignen Religionsgesellschaft, und berufen den Nedacteur dieser Blätter, dem dann auch von einer hohen Negierung die Befugnis; zur Ausübung aller rabbinischen Funktionen crtheilt wurde. Eine eigentliche Trennung, namentlich in Bezug auf die Verwaltung, findet jedoch nicht Statt. Nur in religiöser Beziehung ist die Rcliaionsgeschast vollkommen unabhängig und hat von Seiner Kal. Hoheit, dem Großherzoge, die Abhaltung des Gottesdienstes und die Ausübung aller religiösen. Acte nach altherkömmlicher Weise gnädigst garantirt erhalten. Nichts deftoweniger muß die Religionsgesellschaft die Lasten der Gemeinde mittragen, muß zur Erhaltung eines reformirten Eultus und dessen Beamten beisteuern; dennoch hat sie aus eigenen Mitteln ein prachtvolles Gotteshaus erbaut, besoldet aus eigenen Mitteln ihre Euliusbeamten, hat mit großen Opfern eine höhere llnterrichtsanstalt für die Jugend (getrennte Anstalten für die Kinder männlichen und weiblichen Geschlechts) ins Leben gerufen und hat unlängst, durch l die Nothwendigkeit dazu getrieben, einen eigenen Schochet aequiriren müssen. Es ist wahrlich keine ' geringe Last, die auf den Schultern der Mitglieder ' der Religionsgesellschaft ruht. Und doch sind die! pecunlären Opfer noch gering an-,»schlagen im Ver-! gleiche mit den andern Anstrengungen, die unsere I Sonderstellung in der Gemeinde hervorrnst. Män-! ner, die nur solcher Hingebung der religiösen'Ueber-! zengnng leben, sollten als Ziel ihres Strebens nichts ' Andres haben, als raneun68 und Wahrlich, wir kennen Niemanden in der Religionsgesellschaft, den irgend ein Privatgroll gegen die Gemeinde oder deren Beamten zu irgend welchen Schritten gegen dieselben getrieben hätte. Stets haben wir versöhnend oft Hund geboten; stets haben wir auf friedlichem Wege durch Bitten unser Recht zu erlangen gesucht, ebe wir bei der hohen Behörde darum ansnchtcn. Als das obenerwähnte Drama der Schechitaangelegenheiten sich zu entwickeln begann, haben sich der Nedaeteur dieser Blätter und der erste Vorsteher der Religionsgesellschaft persönlich zum Rabbiner der Gemeinde verfügt, um eine friedliche und gemeinsame Regelung der Angelegenheit zu be- > werkstelligen. In der That, Groll, Uebertreibung und Aufhetzung befinden sich nicht auf unserer Seite. Die ReligwusgeseUschast, circa 13V beitragende Mitj glieder zählend, erwirbt sich täglich mehr Anerkennung nach Innen und nach Außen. Die Mitglieder derselben kräftigen sich täglich mehr im religiösen Denken und Thun, gar mancher Schwankende und Wankende ist durch die Gemeinsamkeit des Strebens zu einem begeisterten Juden geworden, die Jugend wird in den Wegen Gottes erzogen, und nicht der geringste ihrer Erfolge ist wohl der indirekte Einfluß,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.