Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 19-20 (11.10.1860)
- Date
- 1860-10-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Jemandem ein — auch botanische Gärten oder Akademien der Kunst — um bei dem Gleichnisi zu bleiben — in der „gotterfüllten Wüste" zu suchen. Israel mar mehr für den geläuterten Glauben berufen, desihalb mußte all sein Wissen ausschließlich zum Postulat dieses seines Glaubens dienen, und so erklärt es sich, warum mir Israel niemals als ein Kulturvolk in dem Sinne erkennen werden, wie wir es von den Griechen der Vorzeit thun. Die Bibel ist das große Erbgut, welches von den alten Hebräern aus uns überkommen ist. Aber ans dem Buch der Bücher wird die gründlichste Forschung kaum je heraus zu finden vermögen den Höhegrad der Erkenntnis,, welchen die vorexilischen Juden eingenommen hatten. Was sich hierüber mit Gewißheit sagen läßt, beschränkt sich auf die gewonnene Ueberzeugung, daß die Bildungsstufe der alten Hebräer unter ihren eigenen Königen kein niederer gewesen sein kann, nachdem sich in den populär gehaltenen Anreden der Propheten satsiam viele Andeutungen von einer gehobenen Volksbildung Nachweisen lasten. Und fürwahr, auch bei dem enggesteckteil Nahmen, der die 24 Bücher sowohl in Inhalt als Umfang umschließt, scheint es zum Verwundern, welch' eine reiche Nomenclatur der prachtvollen palästinäischen Flora sie enthalten. Die Zoo- und Ornithologie hat sich auch nicht über gewisse Partien deS Pentateuchs zu beklagen. Selbst die Physik, diese edle Wissenschaft, die, auf sich selbst bewußt gewordener und st. ter Beobachtung beruht, selbst sie läuft wie ein rother Faden wundersam durch die herrlichsten Partien der Thora und der Propheten. Wir wollen das Letztgesagte durch einige ohne Auswahl getroffene Beweisstellen erklärten. So weist Hartwig Westeli in Note 9 zum eilften Gesang seines unvergleichlichen Schire Tiphereth, bezüglich der Stelle zu l^x-xl. 9. 00. jene tiefe Kennt niß nach, die Mose von dem meteorologischem Prozesse besaß, der die aufsteigende Dünste in befruchtenden Negen umbildet und in Tropfen nicderströmcn läßt, damit sich die lechzende Erde gleichsam verjünge. Noch schärfer findet sich dieser naturgeschichtliche Prozeß in Jesaias schönen Worten 55, 10. ausgesprochen (wi' dies schon Nabbi Jonathan Eibeschütz in seinem trefflichen Jaaroth Debasch hervorgehoben hat). Von dem Buche Hiob aber hat bereits A. v. Humboldt gesagt, daß in demselben Fragen vorgelegt sind, die unsere heutige Physik in wissenschaftlichen Ausdrücken zu formuliren, aber nicht befriedigend zu lösen vermag. Nur von der Nutzanwendung der Physik aus merkliches Leben und Häuslichkeit hat inan meines Wissens bisher nicht die leiseste Andeutung in den heiligen Büchern gefunden. Sollte sich, trotz all dem Gesagten, die Naturkenntniß der alten Hebräer nicht weiter verstiegen haben, als bis zu einem träumerischen Einblicken in die unermeßliche Aetherrolle, deren goldene Schristznge in einzelnen unzusammenhängenden Silben, bald flimmernd, bald strahlend zu dem Auge sprachen, ohne bis zum Geist zu dringen , und ohne von dem forschenden Leser — wenn man dies „forschen" nennen kann — nur in so weit begriffen zu werden, um doch als ein abgerissenes! Stück von der erhabenen Himmelsschrift in das! wache Leben zu gelangen? Wäre dem alten He-! bräer die Stimme de§ Windes in gebrochenen und unter sich ohne jeden Zusammenhang stehende Accorde i erklungen: Leeres Säuseln der Lüfte, hohles Brausen der Stürme „und es ist kein Geist in ihnen?" Nicht doch, der alte Hebräer hob seine Angen auf zur! Höhe und sinnig betrachtete er das weite All. „Wer? hat solches geschaffen? Der die Himmelsheere hinaus! nach Zahlen führt, er ruft sie alle mit Namen. In! seiner Fülle der Kran und unendlichen Macht darf! keines ihm fehlen." (Fesaia 40, 26.) Nicht weniger hörte der alte Hebräer die Stimme Gottes ziehen! über die Wasser. Er vernahm den Gott der Ehre > donnern. Die Stimme Gottes erklang ihm in der! Kraft des Gewitters, sie erscholl ihm in der Pracht des Eedern zerschmetternden Sturmes. (Pf. 29, 9—5). i Immer Gatt. — Am Himmel Ordnung und Gesetz; i in dem Zucken des bläulichen Blitzes; im Brausen! des rollenden Donners: überall die groß und weise! wallende Vorsehung! j Wenn nirgends sonst, ist man hier zu der küh-! nen Voraussetzung berechtigt, daß ein Volk, welches! eine Verkettung der Dinge in dem scheinbar Unzu- § sammenhängendem erkennt, auch dort folgerichtige Schlüffe zu ziehen versteht, wo der reinidealistische Mensch Folge ohne Ursache erblickt. Und so mußte der alte Hebräer tiefe Einblicke in die geheim waltenden Gesetze der Natur gethan und die Physik auf das practische Leben übertragen, d. h. zuweilen sie zum Nutzen seiner häuslichen Beschäftigung ange-