Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 19-20 (11.10.1860)
- Date
- 1860-10-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Vonyhad, im September. Die Nabbinersrage wird hierorts seit einigen Wochen sehr lebhaft venl tilirt. Ein Konkurs wird behufs der Neubesetzung > unires Rabbinerstuhles nicht verlautbart. Die Ge- > mcinde schlägt zu diesem Zwecke den alten bewähr- > ten Weg ein: sie sucht einen Mann, dessen Name für seine religiöse Richtung und rabbinische Thätigj keit genügende Bürgschaft leiste. Zum besonderen! Vergnügen gereicht es uns, die Mittheilung machen ' zu können, das; man hier ganz ernstlich entschlossen , ist, bei der bevorstehenden Nabbinerwahl auf die Fähigkeit, die Leitung der Schule zu übernehmen, großes Gewicht zu legen. Leider ist eben in Bezug aus diesen Punkt die Auswahl Hierlands keine sonderlich reichliche. Die Rabbiueu Ungarns besitzen zum großen Theile nebst den gründlichsten jüdüchckheologischen Studien wohl auch anderweitige Bildung — doch in seltenen Fällen nur pädagogische Kenntnisse. Die dicsfallige Schuld ist iudeß keinesfalls diesen strebsamen Männern, sondern vielmehr dem bekannten Umstande zuzuschreibeu, daß die jüdische Schule auf magyar'schem Boden noch immer ein rr-r: "^2 ist, besten Acelimatisirung eine geraume Zeit noch in Anspruch nehmen dürfte. Dies der Grund, daß denselben nur selten die Gelegenheit wird, ihr Wissen aus diesem Gebiete praktisch zu bereichern. — Vorläufig erhielt der in dieier Gegend bestrenommirte Rabbiner zu Gyönk, Herr Abraham Glä'er, die Einladung zu einem Probevortrage und zwar für ^">2.-. .--2? 2".-^ 222- — Wir werden aus das Resultat seiner Zeit zurückkommen. Ein strebsamer Jüngling, ehemals Zögling der hiesigen isr- Schule, besuchte mit gutem Erfolge die Realschule zu Fünfkirchen. Sein achtzigjähriger Vater, ein sehr armer Manu, unterstützte ihn nach .Kräften bis zu seinem letzten Lebeushauche. Unter der Wucht des Alters und der drückendsten Armuth verschied der Greis im Lause dieses Jahres. Dem vaterlosen Jünglinge blieb also keine Aussicht, seine Studien sortsetzen zu können. Zur innigsten Befriedigung erfahren wir aber soeben, daß einige wackere junge Leute auf Anregung des Herrn S. Engel zusammentratcn und dem verwaisten Jünglinge einen namhaften monatlichen Untcrstützungsbeitrag zusichertcu, wodurch derselbe in den Stand gesetzt ist, dem vorgesteckten Ziele sorgenlos entgegen zu eilen. Möge dieser schöne Äser für Nächstenliebe und Mildihätigkeit in unsrer Gemeinde nie erkalten. Nngdvar, 20. Ab 5020. Herr Redakteur! Wie ich Ihnen im vorigen Monate geschrieben, hielt ich es der Mühe nicht wertst, auf alle von den altern Forschern längst angeregten, durch Herrn Zipfer gesammelten und auf's Tapet gebrachten Fragen über schwere Stellen in Onkelos zu antworten, und begnügte mich drei von diesen Fragen hervorzuheben, welche einen sehr dunkeln Schatten über das' Wissen des Antipamphletisten in der DnkelosLiteratur werfen. Der sehr geachtete Herr Sberrabbiner zu Eiscnstadt aber war anderer Meinung, er fand hier Gelegenheit zu eifern, und nahm den vom Agitator hingeworfenen Fehdehandschuh auf, um einen Kampf auf Tod und Leben mit ihm so lange zu führen, bis seine sämmtlichen Streitkrüste desilirend aüs's Haupt geschlagen und der heiligen Sache der Tradition Recht verschafft werden wird. Es scheint aber, daß der tapfere Unternehmer selbst des Kampfes überdrüssig wurde, und im Verlause des Kampfes bemerkt mau solche Schonung von seiner Seite gegen den Herausforderer, daß er ihm oft zugibt, daß Onkelos von seinem hohen Standpunkte aus die Autorität besitze, Dogmen in Talmud, überhaupt solche, die einen der Amoraim zum Autor haben, nicht zu beachten. *) Wir aber als ruhige Zuschauer des Kampfes und durch das Getümmel desselben nicht verwirrt, können dieses Zugeständnis; keineswegs acceptiren. Ein von einer Stelle in der heiligen Schrift nicht in einer K2222X Form dedueirtes Dogma, wenn auch durch die letzten Amoraim gelehrt, wenn sie nur von keinem Frühern oder Zeitgenosten augefochten und bestritten wurde, bildet bei uns einen .heiligen und unantastbaren Theit der mündlichen Ueberlicferung. Die Amoraim werden nur als Veröffentliche;- und Verbreiter dieser Lehre, nicht als Schöpfer und Erfinder derselben betrachtet.**) , der Lerbindliäikcit der steht, gerechtfertigt. Die Red.