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Der Israelit · 1860-10-11 · Heft 19-20 (11.10.1860) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 19-20 (11.10.1860)
Date
1860-10-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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229 sehr schwer von der Wahrheit derselben überzengt werden kann, daß, wenn nicht in der Jugend ein Interesse an der Lehre angeregt wird, es in den später,, Jahren sich selten zeigt; daher hat der Verein die Verpflichtung übernommen, auch auf die Ju- , gend einzuwirken und zu diesen, Zwecke eine Talmud-! schule zu gründen. Diese Schule war Anfangs von geringen, Umfange; da aber diejenigen, denen es darum zu thun ist, daß ihre Kinder ein dem jüdischen Leben genügendes jüdisches Wißen sich erwerben, mit dem, was in andern jüdischen Schulen Berlins geleistet wird, nicht zufrieden sein können, so fanden sich bald mehr, die ihre Söhne der Anstalt zuführten. Es war, während Anfangs nur ein Lehrer > sungirte, die Anstellung eines zweiten nöthig. Man -kommt in Berlin immer mebr und mehr zur Einsicht, daß eine solche Schule nöthig sei, und so kam es, daß wegen der größer,, Schülcrzahl die Schule eine wesentliche Veränderung und Erweiterung erleiden mußte. Es ist gewiß eine erfreuliche Erfahrung, daß sowohl die innern als auch die äußern Feinde dieser Schule nach und nach besiegt werden. Zu den äußern Feinden zähle ich die Anfeindung und Verspottung, die diese Schule von einzelnen Personen zu erfahren hat; dergleichen wäre gar nicht erwähnenswert!), geschähe es nicht auch von jüdischen Lehrern, in jüdischen Anstalten in Gegenwart der Zöglinge der Talmudschnle! Ja, manche gehen in ihrer Unart so weit, daß sie in Gegenwart der Schüler während des Unterrichts sich unästhetischer Ausdrücke gegen die Talmudschnle bedienen. Es kann solches natürlich nicht spurlos bei den Kindern vorübergehen; am meisten aber schaden dergleichen Leute sich selber. Zu den innern Feinden können wir die Unordnungen zählen, die in derselben noch stattsinden; der Grund derselben liegt in dem noch nicht genug regem Interesse der bei derselben Vetheiligten. Es müssen viele der Meinung gewesen sein, daß es schon genüge, wenn ihre Kinder in einer solchen Anstalt angemeldet find, oder wenn sie hin und wieder ein Mal die Kinder hinschicken; denn jede Kleinigkeit, eine Spazierfahrt, ein Geburtstag :c. ist hinreichend, um den Schulbesuch Zu unterbrechen. Wie soll das Interesse im Zögling rege erhalten werden, wenn es zu Hause so vernachlässigt wird! Außerdem zeigt sich ein großer Nachtheil in dem Mangel an wahrem Interesse und an Achtung vor der Anstalt von Seite der Eltern, sie wird den andern Anstalten, welche die Kinder besuchen, hintenangcsetzt; erst „lüsten die Aufgaben anderer Schulen «„gefertigt werden, dann die der jüdischen. Urtheile der Lehrer anderer Anstalten werden respectirt, der jüdischen Schule kaum berücksichtigt. Welchen Einfluß diese Verhältnisse auf die Zöglinge der Anstalt haben muß, wie sie den Lehrern ihre Arbeit erschweren, ist leicht ei,rz,sieben. Wenn jedoch auch in dieser Beziehung die Talmudschule fortfährt, wie bisher, Fortschritte zu machen, so können wir hoffen, daß diese Anstalt sich bald die wohlverdiente allgemeine Achtung und Würdigung erringen wird. Dafür zu sorgen hat sich besonders die Unterrichts-Commission zur Pflicht gemacht. Sie hat zunächst ein allge,„eines Schulgeld eingeführt, damit die Anstalt anfhöre, das Ansehen einer Armenanftalt zu haben; sie hat ferner dafür Sorge getragen, daß, um das Interesse der Kinder zu wecken, . den fleißigen und sittsamen Kindern eine angemessene Belohnung zu Theil werde. Tie Mitglieder der Commission besuchen öfters diese Anstalt, um sich i selbst zu überzeugen, was zur Hebung der Schule zu thun nöthig und was zu thun möglich sei. Gegenwärtig besteht die Schule aus 5 Klaffen; in der fünften wird angefangen (ohne Voraussetzung des deutschen A.-V.-C.) und in den folgenden Klaffen stufenweise bis zur fortgeschritten. Die fünfte Classe bringt es zum geläufigen Lesen, in der vierten wird darauf hingcarbeitet, daß die Zöglinge im -vvo sich orientiren können und die gewöhnlichen Gebete verstehen lernen. Pentateuch wird in der vierten angcfangen und bis zur zweiten fortgesetzt in welcher noch Naschi-Commentar hinznkommt. Die übrigen Bücher der heiligen Schrift werden so vertheilt, daß in der vierten und dritten die ersten Propheten, in der zweiten die Hagiographcn, in der ersten die später,, Propheten durchgenommen werden. Was die Mischnah betrifft, so wird in der dritten mit den Sprüchen der Väter angefangen, in der i zweiten und ersten mit andern Traktaten fortgefahren. wird in den beiden obersten Klaffen ge-! lehrt, in den ersten verbunden mit und rvsvn.; Außerdem wird in den untersten Klaffen Jüdisch- Schreiben geübt, in den ober,, werden grammatische Hebungen vorgenommen.

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