Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 19-20 (11.10.1860)
- Date
- 1860-10-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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228 löblichen Oberrathes die Verdienste abzusprechen, die er sich um das Schulwesen erworben, so ist dennoch- , nicht zu leugnen, daß noch vieles Feld brach liegt. Durch Lobspenden wird Nichts verbessert; eine aufrichtige, ungeschminkte Darlegung unserer Verhältnisse hat einen weit größern Vortheil, ist unendlich zweckdienlicher, als alle die schönen Phrasen über Schulverbesserung und verdienstvolles Wirken. Allgemein hört man über den geringen Erfolg der Volksschulen, hinsichtlich der Moral und Religion, Klage führen. Jeder Denkende wird, ohne großer Pädagog zu sein, leicht erkennen, das; die frühe Schulentlassung gewiß ein bedeutender Faktor in diesen; betrübenden Resultate de§ Schulunterrichts ausmacht. Verlassen ja die Kinder gerade in dem Alter die Schule, wo dieselben der Ermahnung am meisten bedürfen; stehen sic gerade da ohne Führer, wo die erwachende Vernunft und die Leidenschaften dieselben am meisten bestürmen, so sind dieselben der Gefahr auSgesetzt, ohne Wegweiser irre zu gehen. Fortbildungsschulen zur Erhaltung des Erlernten, zur Vermehrung des geistigen Vorraths sind daher Grundbedingungen des Iudenthums. Früher bedurfte man deren weniger, weil beinahe ein jedes Haus eine solche war. Diesem Bedürfnisse aus irgend eine Weise abzuhelfen, wäre eine Hauptaufgabe unserer jüdischen Oberbehörde. Einsender dieses erlaubt sich schließlich, Ihren geehrten Eorrespondenten zu fragen, ob denn der Wohllöbliche Obcrratb die Leistungen der größern Zahl der Lehrer kennt, da unseres Wissens nur von wenigen Bezirksrabbinen Berichte über den -tand der Schulen eingeschickt werden, und wie es dann möglich sei, die würdigen herauszufinden?! Ein israelitischer Lehrer. Sondershausen, 30. Sept. Es ist nunmehr auch eine Ausführungsverordnung zu dem Gesetze über die Constituirung der jüdischen Gemeinden erschienen. Letzteres selbst stellt die Autonomie der Religionsaescllschaft, rcsp. die der Juden, als Regel bin, das staatliche Eingreifen dagegen als Ausnahme, wo dessen Zweck es absolut gebietet. Preußen. Berlin. Sie haben bereits vor längerer Zeit j über den hiesigen Talmudverein referirt; erlauben Sie mir heute wiederum Einiges über denselben zu berichten. Auf dem Titelblatte seiner Statuten lesen wir die Worte: -orr? ^12 rvri „Sie ist ein Baum des Lebens Allen, die sie ergreifen, die sie pflegen sind selig." Spr. 3, 8. Dieß, so wie die der Vorbemerkung Vorgesetzten Worte: i"n 1'2' (5 B. M. 30, 20) „denn das ist dein Leben und die Erhaltung deiner Tage" sollen keine leere Zierde des Papiers sein; sie sind die Seele und das wahre Leben des Vereins. Diese Worte sind der Ausgangspunkt bei der Gründung des Vereins gewesen; sie sind die Triebfeder bei der Erweiterung seiner Thätigkeit. Ja, wir können sagen, daß der ganze Zweck des Vereins ist: die Wahrheit dieses Ansspruches sich selber immer mehr einzuprägen, ihn bei allen Handlungen zur Richtschnur zu nehmen, und auf diese Weise diese Wahrheit zu verbreiten und zu befestigen. Man gehe die Statuten einzeln durch, man wird überall diesen Gedanken und diesen Geist als den Trieb des Ganzen herausfinden. 'Natürlich hat der Verein bei solcher Tendenz die Zustimmung und die freudige Anerkennung des gesammten Rabbinats erhalten*). Tie erste Sorge des Vereins mußte es sein, eine öffentliche, allen zugängliche, gemeinsame Beschäftigung mit der Thora einführen. Es kann nicht einem Jeden ein tieferes Eindringen in den Talmud zugemuthet werden. Daher wird außer dem Studium des Talmuds nach Ordnung der Mischnah (mp-n 2222 rr-22), das an den Wochentagen stattsindet, und zwar in der Weise, daß ein von dem Vorstande hiermit beauftragter Talmudist vorträgt, die Anderen sich bis auf den schweigend beiheiligen, au jedem Sabbat ^-2-^.) ein Abschnitt ans dem Pentateuch mit Rcvchi, resp. biblische oder talmudische Stücke wie 2.^22.-. oder 2,^" :e. in einer allen leicht verständlichen Sprache vorgetragen nnd erläutert. Die Erfahrung hat es aber gelehrt, daß, wo in der Jugend diese Lehre nicht cingeprägt wird, man später Fortgang. Berlin, im Mai 16l>0. (5620). Das Rabblnat: gez.: I. I. Okttinger. E. Rosenstkin. vr. M. Sachs.