Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 18 (27.9.1860)
- Date
- 1860-09-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Debrezin, Ende August. So wie' der.Jude in allen Gegenden der Erde zu treffen ist, überall sich eine Heimath gründend, überall für seine-Fa-° milie uE seine Religion thätig pnd-wirksam, mit Gut: und Blut gegen innere und äußere Feinde und Gegner kämpfend/ — eben so dringt der „Israelit" in alle Länder, überall auf Freunde und Verwandte stoßend, die ihm für die ewige F am i l i e und für die Gesammtmutter Religion kämpfen helfen, mit Gut und Blut einstehen, um den innern und äußern Feinden und Gegnern mit offener Stirn entgegentreten zu können: „Wir kämpfen für unsere heilige Religion, für unfern Glauben, der sich durch Jahrtausende, durch so viele Widerwärtigkeiten und Stürme, durchso viele Drangsale und mittelalterliche Verdrückungen und Anfeindungen rein und unverfälscht erhalten; für unsere religiöse Ueberzeugung, die uns alle Hindernisse zu überwinden geholfen!"—Und wahrlich, indem der „Israelit" überall „Israeliten" gefunden, die mit ihm Ln den Kampf ziehen, für Wahrheit und Recht mit Gut und Blut einstehen; da hat er keine Gegner und Feinde zu scheuen und er kann getrost ausrufen 'v! Und siehe! seine Schaar, wird tagtäglich größer, seine Freunde mehren sich von Stunde zu Stunde, und vereint mit seinen Freunden und Anhängern wird er aus jedem Kampfe als glorreicher Sieger hervortreten. Als Freund und Anhänger wollen auch wir mit dir ziehen und dir in deinem heiligen Bestreben behilflich sein; aber wir wollen dir nur einzelne Bilder vorführen, einige Nüancen unseres religiösen Lebens ins klare Licht stellen, wollen dir das Leben und Treiben unserer ungarischen Israeliten schildern. In unserem „Nieder-Ungarn" lasten sich, wie beinahe überall, die Israeliten in zwei Abstufungen theilen: Israeliten, die gebildet sind, weil nicht religiös; und Israeliten, die religiös sind, weil, wenigstens zum Theile, nicht gebildet; zu der Majorität der letztern mag sich unsere Religion Glück wünschen, und zu der Minorität der erstern läßt sich nichts wünschen. Wohl gibt es hie und da, wie überall, Mittelstguren, Halbmenschen, die mit ihren Beinen auf zwei Zweigen Hüpfen; aber die sind wie ein schwankendes Rohr auf dem glatten Spiegel des. von' Stürmen gepeitschten Meeres/-^ und diese bedürfen; nur eines „starken Windstoßes^ um in den Hafen der Religion einzulaufen. — Wir sollen uns eine besondere Klaffe zur Zielscheibe wählen? — Wir sollen mit grellen Farben-noch grellere Bilder zeichnen?? — Wir glauben, ein öffentliches Organ darf weder den ersten Fehler, noch den letzten Mißgriff begehen; ein öffentliches Organ, das überhaupt die Religion läutern und reinigen, stärken und befestigendaher die Devise: „Liebe und Eintracht!" auf seine Fahne schreiben muß , muß für Alle schreiben; der „Echtgläubige" sei bestrebt, das hie und da in seinem Felde durch Gewohnheit oder Nachahmungssucht aufkeimende Unkraut auszugäten; der „Nichtgläubige" oder der von schwärmerischer Lektüre oder von dem leeren Phantom „Zeitgeist" in den Strudel des Leichtsinns hingerissene, gebildete Wüstling werde durch überzeugende Beispiele mit Hinweisung auf die ewig wahre Geschichte unseres aus jedem Kampfe so siegreich hervorgegangenen und trotz seiner verdorrten und abgehauenen Zweige in seiner vollen Blüthe dastehenden Volkes belehrt, zurechtgewiesen und auf den Weg zur Religion zurückgeftihrt; und der „Allerwellmensch", der ewig mit sich - uneins, werde nur auf den zur Nothzeit von der Allmacht und ihrer Vorsehung geführten „starken Windstoß" aufmerksam gemacht, und er läuft mit zitterndem Herzen, mit bebenden und wankenden Knieen in den Hafen der Religion von.selbst ein. Und nun wollen wir, dem pädagogischen Grundsatz folgend: vom Einzelnen aufs Ganzes'vom Einfachen zum Zusammengesetzten hinüberzugehen, unsere Rundschau beginnen, wozu wir den Anfang unseres zweiten Briefes wählen. W. Schönfeld. Schweiz. Endrrrgerr, Canton Aargau. Die Creirung des Rabbiners beschäftigt jetztalle Gemüther. Wir werden mit unserer Nachbargemeinde Lengnau nunmehr ein Nabbinat bilden. Beide Gemeinden/ mit 240 jüdischen Familien, gehören der streng orthodoxen Richtung (bis auf verschwindend wenige Ausnahmen) an und da die letzte Entscheidung den Gemeinden zusteht, so werden wir nur solch einen Rabbinen auf-