Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 18 (27.9.1860)
- Date
- 1860-09-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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221 thaten und Tugenden , zumal in stillster Unbemerktheit geübt, - gewesen ist? Die Dahingeschiedene war schon ihrer Abstammung nach besonders ausgezeichnet; sie gehörte jener Hochgeachteten-Familie an, die unter ihren Ahnen einen Mann aufzuweisen hat, der die Krone des Märtyrerthums trug; sie war nämlich eine Urenkelin des in unserer Stadt vor ohngefähr 120 Jahren für seinen Glauben gestorbenen, ^11 v"i*), der aus dem Wege nach seinem schimpflichen Kerker, in welchem ihn die schrecklichsten und qualvollsten Martern erwarteten, die auch seinen Tod herbeiführten, vor großer, ihn begleitender Menschenmenge, mit gehobener Stimme auf öffentlicher Straße den, ergreifenden Segensspruch litt '2 .nntt 1^2 aussprach. — "Mit der angestammten, echten und ungeheuchelten Frömnngkeit, die sich in jeder ihrer Handlungen dokumentirte, verband die Verstorbene einen unbegrenzten Wohlthätigkeitssinn, der sich nicht nur jedem Bedürftigenhiesigen und auswärtigen, ohne besondere Rücksicht auf confessionellen Unterschied, reichlich betätigte/ sondern der auch in sehr belangreichen Spenden viele unbemittelte Eltern in Stand setzte, ihren Kindern zu dem wichtigsten Lebenszwecke zu verhelfen. — Sie war es auch, die viele Jahre hindurch mit unerschütterlicher Ausdauer die große Körperschaft der .-iwL" unsres unvergeßlichen fast ausschließlich unterhielt, welch schönes Zeugniß ihr dieser selber eriheilte. — Nicht minder aber wußte sich die.'.Dahingeschiedene den bestenMuf in der kauftnännischen Melt zu erwerben, denn auch in hrem geschäftlichen Berufe bewährte sich ihr Biedersinn durch Beobachtung der allerstrengsten Reellität im ausgedehntesten Maaße, und konnte es daher nicht fehlen, daß ihr die allgemeinste Achtung und Liebe, so wie das unbegrenzte Vertrauen des gesummten polnischen Adels und der höheren Geistlichkeit, zu Theil wurden; dabei war sie bescheiden und freundlich gegen Jedermann, und kam zu jeder Tageszeit, ob sie auch ununterbrochen ihrem Berufe oblag, der leidenden und Hilfe suchenden Menschheit mit Rath und That zuvor. Noch wenige Stunden vor ihrem Tode legte sie ihren Hinterbliebenen in den herzlichsten Worten die Sorge für armen Wittwen und *) Der geneigte Leser vergleiche Mendelssohn, Rettung der Juden, Vorwort Seite 16 und 17 der berliner Ausgabe. (Beilage zu Nro. Waisenrstreng ans Herz. Zu diesem reichen Schatz von guten Eigenschaften gefüllte sich abtzc. auch eine bewunderungswürdige Geistesstärke, die Mk.bis zur Scheidestunde. noch' bewahrte , ein hoher Mndvon v Hebens- und Geistesbildung und- Hgav est^ vielseitiges jüdisches Wißen. — Bezeichnend waren für die Verblichene die Textesworte, avelche die geisö-^nnd gemüthvolle Leichenrede des Herrn Meßner er5ffneten .-12^2 ntti iwp r>v2 rv2i ^Velch' Wunder nun, daß der Verlust solch frommer und j tugendhafter Frau tiefen Schmerz und allgemeine Trauer hier hervorgerufen hat. — Gott schenke der . Dahingegangenen die seligste Ruhe, und erfülle mei-^ neu herzlichen Wunsch mit dem ich diesen Bericht bei; : ende möge ihr Beispiel viel Räch-! ahmung finden. Oesterreichischer Kaiserstaat. Ans Böhmen, 12. September. In Beraun und in andern kleinen Städten haben bedauerliche Excesse gegen die Juden stattgefnnden, angeblich weil diese sich die Gewerbfreiheit zu Nutze machen, was allerdings eine sehr harmlose Veranlassung ist." Dem Einschreiten der Behörden ist es za verdanken, daß es nirgends zu ernsten Auftritten gekommen und es bei Fenstereinschlagen und Katzenmusiken geblieben ist. Traurig ist es, daß bei uns der „Judenhaß" von Leuten genährt wird, die sich einbilden, auf der Höhe der Zeit zu stehen. (D.A.Z.) B. Glrarurat, 4. September. Am gestrigen Tage hatten wir das Glück den Herrn Oberrabbiner Schreiber von Preßburg auf seiner Rückreise vom Bade bei uns zu sehen. Der Empfang war ein überaus herzlicher, den edlen Gast ebenso ehrend, wie die hiesige Gemeinde, deren Mitglieder ihm größtentheils entgegenfuhren. Die Anwesenheit des Herrn S. wird bleibende Folgen für uns Haben, da derselbe in begeisternder Rede die Gemeindemitglieder veranlaßte den seit 18 Jahren pausirenden Synagogenbau — nur die Mauern ragen ruinenhaft aus der Erde empor — baldigst zu vollenden. Schon im nächsten Sommer wird rüstig ans Werk geschritten. *)— Moritz Kaunitzer, R.-C. aus Apostag. *) Anm. der Red. Seitdem sind uns außerordentlich viel Berichte zugegangen von dem begeisterten Empfange, welchen der 18 -es Israelit.)