Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1860-09-27 · Heft 18 (27.9.1860) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 18 (27.9.1860)
Date
1860-09-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2446952-2446971--00243-2455409
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

220 Von Toleranz des greisen Rabbiners, obwohl derselbewie jeder wahre Israelit, sie überall, wo es nur angeht, zur Geltung bringt, kann noch weniger die Rede sein. Herr Oettinger wurde, ohne daß ihm der Tod H.'s vorher angezeigt>worden wäre, von zwei Vorstehern mit der BitteMbetraW, H. in die erste Reihe legen zu lassem- MHrängten sich ihm die Gedanken auf, H. hätte gethan, und rnrOQ und ohne an die Bedeutung dieses Aktes zu denken, gab er seine Einwilligung. Als er aber auf das Treiben H.'s aufmerksam gemacht, durch die Bestürzung der Frommen, einsah, welche Bedeutung die Gemeinde diesem Faktum beilege, zog er seine Einwilligung schriftlich zurück. Es verdient also unser Rabbiner weder Lob noch Tadel für Toleranz. Hätte er auch seine gegebene Erlaubniß nicht zurückgezogen, so wäre es doch nichts weniger als orthodox, nichts weniger als wahrhaft jüdisch, gegen den Ausspruch des als Autorität wegen seiner Frömmigkeit und feines talmudischen Wissens allgemein anerkannten Rabbiners sich aufzulehnen. Wir können hier anwenden pn rr-2 -inx ... ->nr< -r"2n Wie sehr auch' immer unser religiöses Gefühl sich verletzt geglaubt hatte, wir hätten es immerhin gutheißen müssen, und dies mit ganz gutem Gewissen. ^.Herr Oettinger, oder bester das Nabbinat, hat jedHMrotest eingelegt; der Vorstand gehorchte nicht. NuHHandeltes sich nicht mehr um H.'s Ruhestätte, sondern um etwas weit Wichtigeres; es ist nun die Frage, ob das Nabbinat oder der Vorstand über Kultusangelegenheiten zu entscheiden habe. Wenn einmal die Gemeinde durch ihr Schweigen dem Vorstände das Recht zugesteht, dann geht der Vorstand sicher weiter, und die fromme Gemeinde würde zu spät zur Besinnung kommen. Sie sollte doch wohl endlich durch die Kündigung des Herrn vr. Sachs, die wahrscheinlich weniger durch das H.'sche Ereigniß als durch bevorstehende vorn Vorstand beabsichtigte Gewaltthaten gegen das Judenthum veranlaßt worden ist, zur Einsicht gekommen sein, und einen Blick in die nächste Zukunft thun können. Noch ist es Zeit, die Autorität des Nabbinats der. Willkür des Vorstandes gegenüber, aufrecht zu erhalten. Aber Energie und fester Entschluß ist nöthig. Es kann natürlich Niemand verlangen, daß H. ausgegraben werde; es ist dies auch gar nicht nöthig, denn eine Ehrenreihe existirüjetzt faktisch'- nicht mehr, nur müßte die Aufhebung der Ehrende durch einen förmlichen Beschluß bewirkt werden. Der Vorstand.der Gemeinde muß zur Ueberzeugung gelangen, daß er Unrecht gethan, daß die Gemeinde mit seinem^Händeln nicht zufrieden sei, und daß er daher genöthigt? sei, zurückzutreten oder einen andern Weg 'einzuschlagen *). ' Der begonnene großartige Bau d^Hynagyae.^.^^ Hierselbst ist in Stocken gerathen. -Die Arbeit'gHf sehr langsam von Statten; Geldmangel soll der Grund sein; es sollen viele von Denen, die Beiträge gezeichnet und gezahlt haben, das Geld zurückfordern. —r. Posen, 9. September. Indem ich Ihnen für die bereitwillige Aufnahme meines Aussatzes innigst danke, hoffe ich, daß Sie auch heute meinem Wunsche anstatt der Ihnen bereits vorliegenden Fortsetzung desselben, dem nachstehendenNekrologHer nächsten Nummer einzuverleiben, geneigtest naWoiUUien w'erden — .. gilt dieser doch einer der hervorragendsten Persönlichkeiten unserer Provinz, nämlich der i-n weiten^Kreisen rühmlichst bekannten verwittweten Früü-Banquier Hendel Saul, sel. Angedenkens. Es WderTod - . . dieser, wiewohl hochbetagten Frau eirx unersetzlicher Verlust für unsere Provinz, namentlich aber für unsere Gemeinde. — Am verwichenen Donnerstäge wurde diese würdige Frau nach zurückgelegtem-82. 'Lebensjahre in ein besseres Jenseits abgerissen, - und unter der größten Theilnahme- und Betheiliguüg aller Confessionen, am Freitage, zur Erde bestattet. An ihrer Bahre verkündeten drei Trauerreden, die desNabbinats- Verwalters Loewenstamm, des Predigers Pleßner, und des Schwiegersohnes der Verblichenen, in dem zweiten Theile meines Aufsatzes schon erwähnten Moses Landsberg, welch thatenreiches Leben jene biedere, fromme und wohlthätige Frau vollbracht. Wahrlich, wer wie Referent, das Glück hat, ihr-näher gestanden zu haben, kann nur zügestehen, daß jene ergreifenden Trauerreden, in der Schilderung der großen Tobten, deren Lob bei weitem noch nicht erschöpften. — Wie wäre dies auch möglich, da es eine Frau zu würdigen galt, deren ganzes Leben und Wirken eine lang gegliederte Kette von Wohl- , *) Anmerkung. Uebrigens ist wahrscheinlich-wegen-des P'NL M-> p-r, da der Beerdigungsvörsttmd zwar ' nicht energisch, aber doch fromm ist, eine große Lücke gelassen, zwischen H. und dem nächsten Gxabe der Ehrenreihe. (Hierbei eine Beilage.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.