Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 18 (27.9.1860)
- Date
- 1860-09-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2446952-2446971--00242-2455408- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ÄN, ''N v. A. dem Allerhöchsten unser schwaches Lob zu spenden, wann wird /ein 12X2"! dein kummervollen Gemüthe keine Beruhigung mehr gewähren , oder wann wird der Jude die Ehrfurcht verlernen vor dem gewaltigen Worte Man sagt, die hebräischen Gebete sollen ja auch nicht verdrängt werden; es sollen ja nur auch deutsche Gebete eingesührt sein für die des Hehräischen Unkundigen. Und wozu? Damit man diese Leute der Mühe überhebe, das Hebräische zu erlernen? Mit dem ersten deutschen Gebete, das unsere gefälligen Rabbinen in die Synagoge gebracht, haben sie den Impuls zur Beseitigung der hebräischen. Sprache gegeben; was sie nicht thun, das bringt die Consequenz des „Fortschrittes" fertig. Wo es nicht so rasch gelingt, so liegt es nicht an ihm, sondern an'dem Widerstande der Behörden, die dem neologischen Streben abhold sind. — So wie wir die Verhältnisse im Allgemeinen geschildert chaben, so finden sie im Besondern ihre Anwendung in der Gemeinde zu Kassel. Herr Landrabbiner Adler hat für gut befunden, dem deutschen Elemente in der Synagoge die Stätte zu bereiten. Es ist kein Zweifel, daß er hierdurch die Gemeinde zusammengehalten, was gewiß seine Absicht gewesen ist. Allein dieses Band ist nur ein äußerliches. Wäre die. Orthodoxie in Kassel in größerer Anzahl vertreten, gewiß, es wäre gerade durch jene Maßnahme eine Spaltung in der Gemeinde hervorgerufen, wie dies an andern Orten gleichfalls geschehen mußte, und geschehen ist. So aber mußte sich die Minorität fügen. Wir wollen nicht unbillig sein: wir können uns lebhaft in die Gefühle unserer modernen Brüder versehen, die unser herkömmlicher Ritus nicht mehr anspricht, wenn auch mit Unrecht, gleichviel! Auch sie hätten ihre Berücksichtigung finden können durch einen getrennten Gottesdienst und es hätte für sie etwa ein Spätgottesdienst, für die Altgläubigen ein Frühgottesdienst eingerichtet werden können. Man hätte dann mit den Reformen freiere Hand gehabt, und hätte nach beiden Seiten hin gerecht werden können; es hätte sich dann gezeigt, in welcher Richtung Mehr innere Wahrheit und Lebensfähigkeit wohnt, hier öder dort! Da hätte denn Herr Adler ohne Besörgniß den Frieden in der Gemeinde zu Leftzhx-W,-.;-yqch -;Herzenswunschl-'stk ,das positive JudenHum seine Thätigkeit entfalten können^ und indem er die Freisinnigen gewähren ließ, -ja ihnen alle amtlich gebotene Mitwirkung zugestehen konnte, namentlich durch Belehrung und Predigt; hätte er gleichzeitig im Stillen und öffentlich unter, den Anhängern .des Herkömmlichen eine Saat streuen können, deren Frucht nicht allein unsere; Gemeinde, sondern auch das ganze Land; nicht allein Herr Adler selbst, sondern auch einst seine Nachfolger noch zu genießen gehabt hätten. Nun aber, — während die Alten den derben, warmen Mantel, gern behalten möchten, der sie schon so lange geschützt gegen Sturm und Wetter, in guten und bösen Tagen, und den sie nun einmal so lieb gewonnen und nicht entbehren möchten; während dagegen die Söhne unserer modernen Zeit, auch einen Mantel nach moderner Favon, nach modernem Schnitt, aus feinem Stoff haben wollen, in welchem sie im Salon und auf Parade erscheinen können, — was thun die gefälligen Herren Schneider, die es Jedem gern recht machen wollen? Sie geben uns einen zusammengeflickten. (Schluß folgt.) L. U. Preuß e n. Berlin, 21. September. Der Tod Hyldheims, besonders aber die Ehrenstelle*), die dem Rtz^rüryrediger gegeben wurde, hat nicht nur in BerlinAsondern fast in ganz Deutschland und wohl noch weiter hinaus viel Aufsehen gemacht. Die Meinungen sind überall getheilt; einige rühmen die Toleranz des greisen Rabbiners so wie des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Hierselbst, andere tadeln die Gleichgültigkeit und Nachgiebigkeit unseres Rabbiners in so wichtigen Angelegenheiten. Allein -weder Lob noch Tadel ist hier am rechten Orte; sowohl das Lob der einen, als auch der Tadel der andern Partei haben ihren Ursprung in den falschen Berichten, die durch Anhänger der Neformgemeinde in die Zeitungen gekommen sind. Von Toleranz des Vorstandes kann nicht die Rede sein; die Vorsteher sind Reformer!. *) Nach den Gemeinde-Statuten soll auf dem Begräbnißorte eine Reihe als Ehrenrethe bestimmt werden; dorthin sollen kommen.Rabbiner und Rabbinats-Assessoren Berlins und andere ehrenwerthe Männer, wenn das Rabbinat, der Gemeindeyorstand und der'Beerdigungsvorstand es gestatten. Weit schöner und jüdischer wenn keine Auszeichnung! stattfindet: -tili OL' svss. -;»W K