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Der Israelit · 1860-09-27 · Heft 18 (27.9.1860) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 18 (27.9.1860)
Date
1860-09-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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gefährlich halten, so lange dieselben unbeleuchtet bleiben. Im Dunkel des Waldes mag auch die Löwenhaut schrecken; beim Lichte des Tages zeigen sich die bekannten Ohren; wir halten es daher für Pflicht, die Scene zu beleuchten, mag auch das nicht minder bekannte Geschrei uns noch so sehr schrecken möllern ' Mainz, 14. September. Am 12. und 13. d. fand die Prüfung der Unterrichtsanstalt der hiesigen isr. Religionsgesellschaft unter zahlreicher Betheiligung statt. Die Anstalt hat in überzeugender Weise dargethan, daß sie der ihr gestellten Aufgabe in jeder Weise gerecht wird; sowohl im religiösen als auch im profanen Wissen wurden die Leistungen als ganz Vorzügliche allgemein anerkannt. Aus Unterfranken, Ende September. Die Aufnahmsprüfungen an den k. bayrischen Gymnasien und Lateinschulen fallen in diesem Jahre auf den 1. und 2. Oct., das ist, auf die vorderen Hauptfeiertage des Laubhüttenfestes. Auf Eingabe des Herrn Bezirksrabbiners Bamberg er zu Würzburg hat das hohe Staatsministerium huldreichst Verfügung getroffen, daß den Israeliten, die sich an diesen Prüfungen betheiligen, gestattet werde, die betreffenden schriftlichen Arbeiten später nachzuliefern. Kassel, im August. (Fortsetzung.) Wie angenehm war es doch'früher für den reisenden Juden, in fremdem Lande, im kleinsten Dorfe, wo er auch nur das bescheidenste Betlokal fand, wie in den größten Gemeinden, sich allüberall heimisch zu fühlen, mit seinem Gebetbuche allüberall auszukommen, und sich einfach den Brüdern anschließen zu können in ihrer Andacht, mochte er in Constantinopel oder in London, in Paris oder Petersburg verweilen. Kein Meer, kein Gebirge, keine Sprache bildete eine Scheidewand zwischen den Geistern und Herzen der Brüder, er durste in weiter Ferne sein, er war dennoch so recht uritten in seiner Heimath!" Wer vermag sich aber jetzt noch zurechtzufinden, wenn er in andere Gemeinden kommt? kaum ist er in der seinigen klar, denn überall wechseln die Reformen, je nach den Verhältnissen und Ansichten, in gemäßigtem oder maßlosen! Fortschritt. Die Einführung deutscher Gebete, nach all den Veränderungen, welche mit den hebräischen vorgenommen wurden, ist aber besonders tadelnswerth und unklug. — Welche Kraft, welche Fülle der Empfindungen liegt nicht in der bilderreichen Sprache, welche so recht für den Aufschwung der Seele zu ihrem Schöpfer gernächt zu sein scheint! Welcher Reichthüm von Ausdrücken für den Kreis der Ideen und Gefühle, die den Betenden erfüllen! Müssen wir die Zeugnisse aus nichtjüdischern? Lager erst holen; werden uns die Aussprüche eines Luther und eines Herder erst auf unfern Reichthum aufmerksam machen müssen, werden nicht Miriaden unserer Glaubensbrüder, denen die heilige Sprache nicht entfremdet ist, mit Freuden laut bezeugen, wie unersetzlich ihnen die in dieser Sprache verfaßten Gebete sind? Wenn schon auch andere Confessionen für das Gebet sich einer fremden Spräche bedienen, sei es, damit das Wort nicht zum todten Mechanismus auf den Lippen werde, oder daß die Sprache des alltäglichen Lebens ihnen nicht rein genug erscheine für die Unterhaltung mit dem Allerheiligsten — warum sollten wir Juden beim Gebete uns nicht ausschließlich der Sprache bedienen, welche die älteste und ehrwürdigste von allen Sprachen ist, in welcher Gott sich unfern Vätern offenbarte, in welcher die ewigen Urkunden der heiligen Schrift geschrieben sind, die Sprache, deren seit Jahrtausenden "unser Volk sich bediente, und welche das natürlichste Mittel ist, um die über alle Länder der Erde Zerstreuten mit einen! gemeinsamen Bande zu vereinigen? Und bilden sich unsere gelehrten Docloren denn ein, daß sie mit aller ihrer Gelehrsamkeit auch nur im Stande wären, uns solche Gebete zn liefern, wie die jene großen, frommen und gottbegeisterten Männer uns verfaßt haben? Wer es wagt, diese Gebete verdrängen zu wollen, der ist nicht mehr zu den Unsrigen zu zählen; wer es wagt, der israelitischen Gemeinde neue dafür zu bieten, der hat noch nie die Tiefe der ihrigen begriffen. Wollt Ihr mit unerschöpflicher Fruchtbarkeit immer neue schaffen? Es ist vergebliches Abmühen. — Wollt Ihr, daß sie in den Synagogen obligatorisch werden. Sie werden der Gemeinde zum Ueberdrusse werden. Man wird sie bald sprechen, ohne dabei zu denken und zu fühlen. Wann aber werden die göttlichen Psalmen eines David, in der Ursprache verstanden, aufhören, das Gemuth auf den Flügeln der Andacht zu seinem Schöpfer emporzutragen, und ihm himmlischen Trost zuzuführen und Balsam dem wunden Herzen? Wann werden wir es müde werden, in Gebeten wie

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