Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 18 (27.9.1860)
- Date
- 1860-09-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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217 er seine Anhänger ersuchen muß. den Israelit doch nicht zu lesen, denselben Israelit, den nicht zu erwähnen er noch vor wenigen Wochen versprochen hatte; so fürchtet er uns, so fürchtet sich die Lüge vor der Wahrheit. Wir machen es anders, wir empfehlen sogar unsern Lesern, eifrig die Ph.'sche Zeitung zu studiren! damit sie sich selbst überzeugen von Philippson's Wahrheitsliebe, von seiner Bescheidenheit, von seiner Gelehrsamkeit. Ja, wir gehen noch weiter; wir wagen es sogar, auf eine andre von PH. edirte, wenig bekannte Zeitschrift, auf sein jüdisches Volksblatt aufmerksam zu machen, auch das ist eine Fundgrube, reich an Stoff zur Beurtheilung unsres großen (!) Zeitgenoffen. Ph.'s Wahrheitsliebe, sein feiner Takt, sein Anstand sprechen aus jeder Zeile. In Amsterdam hat man unlängst, um diese ins Licht zu setzen nichts weiter gethan als seine Berichte über die Amsterdamer Vorgänge — abzudrucken. Mordlehrer, Mordbanden, Mörder sind Ausdrücke, die man in Amsterdam in seinem Namen nur wiederzugeben brauchte, um ihn bei allen Denen, die jene Vorgänge in nächster Nähe zu beobachten Gelegenheit hatten, zu charakterisiren. Und doch behauptet PH., er habe, um keinAergerniß zu geben!!!, nicht Alles gesagt was er wisse. Ph.'s Bescheidenheit ist — sprichwörtlich geworden, von seiner Gelehrsamkeit nur ein Beispiel. Unlängst besprach er den in der Schweiz tagenden Steuercongreß; darin, daß dieser eine einzige Steuer statt der vielen empfiehlt, findet PH. ein sich Bahnbrechen des mosaischen Princips; auch im israelitischen Staate habe es nur eine Abgabe gegeben, den Zehnten. Abgesehen davon, daß das schon an sich völlig falsch ist, wir erinnern nur an die 24 so scheint Herr PH. auch noch zu glauben, der Zehnte sei eine Abgabe gewesen zur Bestreitung des Staatshaushalts, denn nur das konnte jener Congreß unter Steuer verstehen. Soll man bei Auskramung solcher Weisheit nicht dem Gerüchte Glauben schenken, daß nicht Herr vr. Ludwig PH., Rabbiner des Synagogenbezirks Magdeburg, sondern sein Bruder, der Arzt von Klötze, Verfasser jener vielgeschmähten Bibelübersetzung sei, und daß Herr Ludwig als Märtyrer leide für fremde Schuld? denn, wer behaupten kann, der Zehnte sei eine Staatsabgabe gewesen, kann wohl den Pentateuch nicht übersetzt, ja, kaum flüchtig gelesen haben. Greifen wir noch aus der neuesten Nummer des oben erwähnten jüdischen Volksblattes einige Stellen heraus. Da werden wir auch Ph.'s Gefühl für seine Glaubensgenossen, die Liebe zu seinem Volke und seiner Religion kennen lernen. Wie werden dort unsere Glaubensgenoffen geschildert? „Juden sind ja oft am giftigsten und verbissensten aufeinander, wenn sie christliche Zuschauer haben." „Jeder höhere, christliche Beamte, Kaufmann, Fabrikant hat solchen jüdischen Hoffaktor, der ihm schmeichelt rc. und dabei sein Krötengift auf seine Glaubensgenossen spritzt, Diesen lächerlich macht, Jenen verleumdet, wunde Flecken in den Gemeindeangelegenheiten bloß legt, den Rabbiner tadelt und den Schulrufer hänselt, glücklich wenn seine Schilderungen dem gnädigen Protektor ein Lächeln abzwingen." Schlagen wir eine andre Seite auf. Es wird ein sterbender Greis geschildert, das Ideal eines Menschen und Juden, den Verscheidenden fragt Jemand: „Rechnest Du es Dir also jetzt, wo Du an der Schwelle des Jenseits stehst, und alles Irdische weit hinter Dir bleibet, zum Glücke an, in Israel geboren zu sein?" „Es ist ein zweideutiges Glück", erwiedert er. Was meinst Du, lieber Leser, warum dieser sterbende Greis in Ph.'s Blatt es für ein zweideutiges Gefühl hält, in Israel geboren zu sein? Werl der Israelit in Gefahr kommen kann, die religiösen Pflichten abgöttisch zu üben, und weil er der Zurücksetzung halber, die er überall erträgt, leicht verleitet werden kann, Gott als Tyrannen anzusehen. So sprechen Ph.'s Ideale in der Sterbestunde. Ja, ja, was hätten sich dem talentvollen PH. für Aussichten geboten, wäre ihm ein unzweideutiges Glück zu Theil geworden! — Doch genug, wir haben uns unsren geehrten Lesern gegenüber nur noch darob zu rechtfertigen, daß wir einem solchen Menschen wie PH. so viel Aufmerksamkeit schenken; PH. meint zwar, es wäre Handwerksneid, „denn der Nedacteur mache sich ein Handwerk daraus." In Bezug auf die Redaction der a. Z. d. I. mag er Recht haben; wir unsrerseits protestiren. Wir lassen selbst unserm Feinde Gerechtigkeit widerfahren, wir gestehen es offen, daß wir PH. deßhalb so viel Raum und Zeit widmen, weil wir ihn und seine Werke und seine Zeitung und sein Volksblatt und fein Institut und seine Bibelanstalt für höchst