Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 17 (20.9.1860)
- Date
- 1860-09-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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von sich abzuweisen, andrerseits aber der Wittwe gestattete, ihr Müthchen . an - diesem Anverwandten zu kühlen, ihm vor Gericht ins Gesicht zu speien. .Als ich dem Hrn. Prof, nach der Vorlesung bemerkte, daß.Jase, den er anführte, die ganze Stelle mißverstanden und in Bezug auf das Jeraka befanaf Michaelis viel richtiger übersetze: „vor ihm ausspeien", wie das auch der Usus seit Jahrtausenden beweise, entgegnete er: ihm sei im Augenblicke keine Stelle bekannt, wo befanaf vor und nicht in bedeute. „Eine solche," erwiederte ich, „fällt mir so eben ein: V Mos. 4, 37 W22 welches einstimmig mit „vor sich her" übersetzt würde, und in der Mischna sei 2riNI.'222i 2r>22 '^22 der gewöhnliche Ausdruck für „in Gegenwart." „Nun denn," sagte der Hr. Prof., „scheint doch der juridische Michaelis Recht zu haben." :"ni2 'Mi2^n"QX s'2nv nn,xr>. Dieselbe traurige Erfahrung machte ich vor kaum einem halben Jahre. Zwei Jugendfreunde, ein seit 15 Jahren zur Fahne der sogenannten Radikalen übergegangener jüdischer Theologe und ein christlicher Philologe beehrten mich mit ihrem Besuche. Die Unterhaltung kam auch auf Kritik der profanen Classiker und Lehabdil der heil. Schrft. Da ward von Ersterem. mit besonderm Pathos hervorgehoben, daß zu den „Variavtos Icctiovcs" (welche, wie wir Alle wissen, höchstens 2 — 3 evx n'nn 2212 betreffen) in dem Pentateuch auch einige aramäische Wörter gezählt werden müßten, welche nach seiner Ansicht die ältesten Thora-Rollen enthielten, von spätern Schreibern aber in Hebräisch verwandelt wurden. Als Beweis führte er an die große nx'2Q, welche er inr Tractat Sopherim IV. 3, gefunden (die Originalstelle ist im Talmud Jerusalemi Taanit IV. am Ende von Halacha 2). Sie heißt: „Drei Thora- Rollen fand man in der Ehsara, die eine hatte H. Mos. 24, 5. die Lesart '12 'vivx: nx n^'i die zwei andern: '2^; man approbirte die letztere und verwarf die erstere." Und nun hören Sie die gelehrte Deduction für die Aechtheit und Ursprünglichkeit der 'Mvxi-Lesartl! Die Kritik lehre, daß die Texte alter Schriften häufig in der Abficht verändert worden, die schwerere Lesart mit einer leichteren zu vertauschen, nicht aber umgekehrt; daher, lasse sich sehr wohl.die Entstehung des spätern „Naharei" für -das -ursprüngliche „Saatutei" erklären, niemals aber einen vernünftigen Grund angeben, warum man für das .natürliche und ursprüngliche „Naharei" den Fremdling Saatutei gesetzt haben sollte. Daß das große Sanhedrin in Folge der Regel der Thora, nach der Mehrheit der Bücher entschieden habe, finde keine Gnade vor demRLchterstuhle der Regio-Ewald'schen Kritik und auch de Rosst behaupte: „Vera Icctio ctiam in. uno coäics s«rvari potost contra üäonr roUgnorurn ovanium." Ich erwiederte, - weil ich in Gegenwart eines andern Gelehrten und Sachverständigen das °?'O2 .22p 1N^X2 für Pflicht hielt — nie und nimmer habe in einer zum Vorlesern bestimmten Thora (verschieden davon die für Nichtjuden bestimmten Exemplare; conk. NoAiUa 9a L losoxbot) also auch in keiner in der Ehsara befindlichen „Saatutei" gestanden. Wohl aber konnte ein unerfahrener Schreiber anstatt '"2 '2pr rix (II Mos. 24, 5.) '"2 ' d' 2 x geschrieben haben, und zwar durch den Schluß des Cap. Vers 1 1 '"2 '^'2x ^>xi. In Vers 11 ist nämlich von „Azilei" die Rede, Personen, welche in der besprochenen Geschichte noch gar nicht ausgetreten (da bis jetzt nur von Naarei, Moses, Aron und feinen Söhnen und den Aeltesten Erwähnung geschehen) und sich dennoch hier als längst Anwesende geriren. Um diese Schwierigkeit zu heben, glaubte der Abschreiber schon in Vers 5 statt „Naarei bnei Israel" „Azilei bnei Israel" corrigiren zu müssen, damit die Azilei in Vers 11 durch Vers 5 historisch eingeführt erscheinen. Nun ist aber die aramäische Uebersetzung von Azilei: „Saatutei" l. o. maAvatss, wie Buxtorf erklärt. Daher, nannte man das Sefer, worin irrtümlich statt (Vers 5) '"2 rix ,,'°?'2X" stand: „Sefer Saatutei". Man nannte es nicht Sefer Azilei, weil diese Benennung nicht als rechtbezeichnende erschien, indem ja alle einmal und zwar in Vers 11 „Azilei" haben. Darum nannte man es das Buch „Saatutei", was aber bezeichnen sollte, daß es ein „Azilei" mehr habe, als andere Bücher. Der christliche Philologe fand diese Erklärung natürlich, der jüdische Theologe hält sie — für spitzfindig, talmudisch —-'in xn*)