Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 16 (12.9.1860)
- Date
- 1860-09-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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196 sehr schmerzlich berührt, daß solche Schändlichkeiten aus seiner ruhigen und redlichen Gemeinde ausgehen sollen — Sie zu ersuchen, daß Sie das Original, oder einen Theil desselben herschicken möchten, damit durch Stil und Handschrift der Verfasser dieser ruchlosen Schrift vielleicht ermittelt werden könnte. Es wird Ihnen verbürgt, daß auf Verlangen dieselbe zu jeder Zeit zurückgesandt werden soll. Die Orthodoxen stehen auf einer hohen Stufe der Sittlichkeit, so daß sie weit entfernt sind auch nur daran zu denken, sich solcher schmählichen Waffen zu bedienen, und ist das Wahrscheinlichste der Sache, daß dies Schriftstück von einer nichtorthodoxen Hand geschrieben, und nnr hier zur Post gelegt wurde, um die Orthodoxie zu blamiren." ^esterreichischer Kaiserstaat. Wien. In den Reihen der österreichischen Armee dienen im Ganzen etwa 12,000 Soldaten jüdischen Glaubens, unter welchen mehr als 5rl>0 Offiziere, Aerzte (die ebenfalls Ofsiziersrang haben) und Militürrechnungsbeamte. Von den Uebrigen bekleiden sehr viele Unteroffizierschargen. Die Charge der Ncgimentsärzte ist den Juden erst seit dem Jahre 1848 zugänglich, die Zahl der Unterärzte ist eine sehr große. Auch in den Militürerziehungs instituten befinden sich jüdische Cadetten, oie sich zu Offizieren heranbilden. Prag, 28. August. Am 16. d. M. hat es in Beraun einen Exceß gegen einen jüdischen Handelsmann gegeben. An 160 Personen, meist Arbeiter und Knaben, kaum halb erwachsen, zertrümmerten die Fenster und die Thüre im Hause des Israeliten; auch soll er selbst mißhandelt worden sein. In dem Berichte einer Zeitung ist gesagt, die Tumultuanten hätten beabsichtigt, andere jüdische Handelsleute von dem Riederlassen in dieser Stadt abzuschrecken. Das Strafgericht in Prag hat nach Beraun eine Commission zur Untersuchung dieser stattgehabten Excesse abgesendet. (Dr. I.) Amschclberg in Böhmen, Ende August. An die Stelle des vor mehreren Monaten verewigten ehrwürdigen Herrn Daniel Frank d"r ist Herr Rabbiner David Löwi in Amschelberg als Kreisrabbiner für den vormaligen Verauner Kreis ernannt worden. Wir danken dem Allgütigen, daß die Wahl der k. k. Kreisbehörde eine derartige ist, wie sie zum Heile und Wohle Israels nur frommen kann. Es steht nun ein Mann an der Spitze dieses Kreises, dem es nur darum zu thun ist, wahre, unverfälschte, göttliche Lehre in Israel zu erhallen, der es versteht, die göttliche Lehre in ihrer traditionellen Lösung mit einer Gewandtheit und Sicherheit zu vertheidigen, wie sonst Wenige unseres Landes. Gebe der Himmel ihm Kraft und Ausdauer, daß er in seinem heiligen Berufe nicht ermatte, damit es ihm gelinge, dem in den einzelnen Kreisen Böhmens sehr gesunkenen israelitischen Religionsunterrichte einige Hebung zu verschaffen. p-. Nur Energie und kräftiges Einwirken können hier etwas fruchten und der überall und allenthalben emporftrebtnden Reuerungssucht einigen Einhalt thun. Möge es ihm gelingen, dasjenige zu schaffen und zu erringen, was uns in diesem Augenblicke Roth thut: Schule und Gotteshaus in ein wahres, rein jüdisches Erziehungshaus zu verwandeln. Gott sei mit ihm nnd segne alle seine Unternehmungen. Lemberg, 17. August. Die „Oesterr. Ztg." berichtet: „In der letzten Zeit bar der hiesige Magistrat vielen im christlichen Bezirk seit Langem wohnhaften Juden die Weisung znkommen lassen, ihre Wohnungen daselbst binnen einer bestimmten Frist auszugeben. Wir vernehmen nun aus verläßlicher Quelle, daß die Statthalterei dem Magistrate aufgetragen habe, mit der Entfernung der Israeliten aus dem „unbefugten" Bezirke auch nach dem Ablaufe des Termines innezuhalten, bis die hohen Orts zur Entscheidung vorliegende Angelegenheit endgültig zum Abschlüsse gekommen sein wird. — Gegen Diejenigen, welche sich beim Iudenkra walle im Monate Juni l l. I. betheiligt hatten, ist beim hiesigen Landesgerichte in Strafsachen eine strenge Untersuchung einl geleitet worden, die gegen mehrere hiesige Bürger j auf freien! Fuße geführt wird, während fünf andere,! meist dem Handwerkerstände angehörend, eingezogen wurden. Dieß hat genügt, um den Pöbel bisher im j Zaume zu halten, Mnal da die Behörden erklärten, j in Zukunft augenblicklich mit äußerster Strenge vorzugehen und namentlich die Meister für ihre Lehr-! burschen und Gesellen verantwortlich zu machen. Es! wäre sehr zu wünschen, daß auch auf dein Lande,