Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 16 (12.9.1860)
- Date
- 1860-09-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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den Glaubensgenossen zeigt. Es darf daher nicht! befremden, wenn in dem Wunsche, etwas Gutes zu j stiften, oder in der Absicht, Mittel und Wege dazu vorzuschlagen, mancher unreife oder unrichtige Vorschlag , zu Tage kömmt; dazu müssen wir auck den von : Hrn. I)r. Lorie gemachten Colo;risationsplan rechnen. Insofern derselbe die Absicht hat, ein Mittel zur Hebung der Sittlichkeit unserer palästinensischen Glaubensgenossen zu zeigen, können wir demselben, um dieser Tendenz willen, unsre vollste Anerkennung allerdings nicht versagen, da vielleicht kein Verhält - uist so sehr geeignet wäre, das sittliche Bewusstsein zu wecken und zu stärken, als der Ackerbau in Ver bindung der von diesem Berufe unzertrennlichen, emsigen Thäligkeit. Desto mehr bedauren wir, mit diesem Plane wegen seiner augenscheinlichen Unansführbarkeit nicht einverstanden sein zu können. Zunächst würde derselbe so bedeutende Geldmittel erfor dern, das; man mit Recht an der Möglichkeit, diese zu erlangen, zweifeln muß. — Herr vr. 2. sagt selbst, daß die Grundstücke in Palästina bereits einen enormen Breis erreicht haben; dieses ist nicht nur vollkommen wahr, sondern wir müssen noch bemerken, daß diese Preise troll ihrer Höhe durch die vielseitige Concurrenz noch fortwährend namhaft steigen. Als nun vor ea. 3 fahren in ganz Europa der Angstschrei unserer Glaubensgenosien in Jerusalem erklang, wie sehr dieselben durch den immer mehr überhand nehmenden Wohnuugsmangel in physische und geistige Gefahr gerietben; bildeten sich in vielen europäischen Hauptstädten Eomite's zu Sammlungen zu einem Baumtternelnuen, um diesem so höchst ge jährlichen Uebelstande abzuhelftn, und troll der größten Anstrengungen haben alle diese Comitö's bis jetzt kaum s.OOli Tbaler gesammelt, da noch immer viele gewichtige Personen, sogar ganze Gemeinden, mit ihrer Vetheilignng znrückhalten oder zögern. Der Plan des Herrn L. erfordert eine wenigstens 15—20sachc Summe; kann man es nach solchen Erfahrungen für möglich halten, eine so hohe Summe durch freiwillige Beitrage aufznbringen? — Fenier hat die neueste Zeit wieder einen sehr traurigen Beweis geliefert, wie groß die Unsicherheit und Schutzlosigkeit von Personen und Eigenthum in dortigen Gegenden noch immer ist. Wir müssen bei dieser Gelegenheit ausdrücklich constatiren, daß dieser Umstand ein wesentlicher Grund ist, warum bis jetzt unter den palästinensischen Juden so wenig Neigung zum Ackerbau vorhanden ist. Raub und Diebstahl sind selbst in gewöhnlichen Zeiten so alltägliche Erscheinungen, daß jeder Besitzende, der nicht auf unmittelbaren, genügenden Schutz rechnen kann, sich wohlweislich hütet als ein Besitzender zu erscheinen. Auch dürste es schwer halten, eine Anzahl tüchtiger, ortskundiger und zugleich sehr redlicher und sachverständiger Männer, welche ein solches Unternehmen lenken und leiten könnten, zu finden. Endlich ließen sich noch manche Bedenken erheben, ob nicht in der Tbat ohne jüdische Staakseinrichtungen manches religiöse Gebot in einer solchen Ackerbancolonie würde verletzt werden; jedenfalls wäre die Versuchung dazu so groß, daß wahrscheinlich nur sehr Wenige dieselbe zu überwinden vermöchten. Trotz aller erwähnter Schattenseiten dieses Planes wäre unsre Meinung, der Sache möglichsten Vorschub dnrch Wort und That zu leisten, um wenigstens so viel wie möglich zu erreichen, wenn nicht zu befürchten wäre, daß dadurch andere Unternehmungen, deren Dringlichkeit viel größer ist, beeinträchtigt würden. Wir denken dabei besonders an jenes Baunntcrncbmeu, da die Notb, die dieses Prosect hervorgernfen hat, fortwährend im Steigen ist und noch immer bedeutende Mittel fehlen, um zur Ausführung des Planes zu schreiten. Bis jetzt ist nnseres Wissens nur das Grundstück angetanst, und nur eine sehr geringe Summe ist als Banfond übrig geblieben. Es wäre sehr zu wünschen, das; jeder sich beeilen möchte, nach .U rasten dieses Unternehmen, dessen Dringlichkeit und ungemeine Ni'itzlichkeit so angenscheinlich sind, zu fördern; die betreffenden Eomito's zu Amsterdam, Berlin, Eiscnstadt und Frankfurt a. M. bieten dazu die beste und geeignetste Gelegenheit. — Gral?, im Grosch Postn, 4. Sept. Einsender erlaubt sich Ihnen die Abschrift eines Briefes zur Veröffentlichung mitzntheilen, den er an Hern; Or. PHMppson in Magdeburg gerichtet hat. »Zufolge eines Artikels Ihrer Zeitung Nro. 34 wollen Sie einen Schmähebrief von hier erhalten haben, durch welchen Sie mit Todtschlag durch Mörderhand bedroht werden. Ich bin daher von meinem Schwiegervater, dem ehrwürdigen Rabbiner, Herrn Gnttmacher, hier beauftragt'worden — indem es ihn