Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 16 (12.9.1860)
- Date
- 1860-09-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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193i die Eltern es uunöthig ballen, ihre Kinder hebräisch . lernen zu lassen, so sind in den meisten Fällen eben ' jene Nabbinen Schuld, die diesen bösen Geist durch j Wort und That gesäet haben; die nicht, wie in srü- Heren Zeiten nw.-> 'L'2->2 sind, weil ihnen ja oft selbst die Liebe und tiefere Kenntniß der Thora abgeht! — Was Kassel speciell betrifft, so ist das Verhältniß allerdings ein anderes. Denn hier hat der religiöse Sinn dadurch abgenommen, daß wir seit einem Menschenalter gar keinen Nabbinen hatten bis auf die kurze Zeit, da der selige, uns und dem ganzen Lande so früh abgestorbene Romann 7"m an unserer Spitze stand. Auch gehört unser verehrter Rabbiner Adler keinesweges zu den Miniaturrabbinerchen unserer Zeit. Er ist noch ein Talmudist aus guter alter Schule, und es ist ihm, wie wir schon mehrfach dargethan haben, die Erhaltung des Judentums gewiß wahrhaft am Herzen gelegen. Aber um so weniger wissen wir das Beginnen des Herrn Adler zu rechtfertigen. Einem Manne, der solche Achtung in seiner Gemeinde genießt, der solchen Einfluß übt, wie Herr Adler, dem sollte es nicht gelingen, den Eltern und den Schülern das Hebräische plausibel zu machen? Ein Mann wie Adler, sollte uns nicht mit Erfolg daran erinnern, daß wir nicht allein Bürger und Kaufleutc und Handwerker und Menschen, sondern doch auch noch Juden seien? Sein Wort sollte vergeblich zu uns dringen, wenn er uns überzeugte, daß das Hebräische dringender und wichtiger für uns sei, als französisch und englisch, — für d e n Fall, daß eines zu Gunsten des andern geopfert werden müßte — oder wenn er darauf aufmerksam machte, daß die fremden Sprachen auch noch nach znrückgelegten Schuljahren fortgesetzt werden, das Hebräische aber in den meisten Fällen liegen bleibt? — Und wenn wir die Einwendung, daß die Wissenschaften und fremden Sprachen nicht gleichzeitig mit dem Hebräischen doctrinirt werden können, einfach mit der Thatsache widerlegen können, daß seit einem Jahrzehnt über 20 Schulen in größeren und kleinern Städten Deutschlands entstanden sind, die ein solches Ziel mit den erfreulichsten Resultaten anstreben, in welchen gerade das Hebräische als ein bedeutender Factor für die intellectuelle, und mehr noch, für die sittliche Bildung der Jugend sich herausstellt: sollte es da nicht als unabweisbare Pflicht eines religiösen Nabbinen erscheinen, alle nur möglichen erlaubten ' Mittel aufznbieten, allen Einfluß geltend zu machen, um eine solche Schule ins Leben zu rufen. Was soll man im Auslande dazu sagen, daß Kassel eine Gemeinde von 200 bis 300 Familien, — außer einer Armenschule, deren Besuch freilich auch Wohlhabenden gestattet ist! — keine geeignete Neligiousschule besitzt? Oder ist es vor Gott zu verantworten, daß ein großer. Theil unserer Jugend nicht mehr im Stande ist, hebräisch zu beten! Trifft da die Schuld etwa die Eltern allein, die durch einen unvollständigen Privatunterricht oder auch selbst ohne einen solchen ihrer Pflicht genügt zu haben glauben?-Aber diese schwache, diese unzeitige Nachgiebigkeit mit allen ihren unseligen Eonseguenzen ist die Schöpferin aller unglücklichen Zwittergestalten, die sich in unfern Bethausern wie überhaupt im Judenthum breit machen und an deren Dasein man sich endlich so gewöhnt, daß ihre widerliche Erscheinung gar nicht mehr auffällig ist. — Jede Rücksicht den begründeten Rechten der Gemeinde! Alle Achtung der bescheidenen Nachgiebigkeit ihrer Seelsorger! Aber die Rechte der Gemeinde haben ihre Grenzen, und die Nachgiebigkeit muß sie haben. Der Rabbiner ist kein Gott! Er kann nnr erlauben, was erlaubt ist, und kann nimmer gestatten, was nicht in seiner Macht steht. Wenn jeder Rabbiner unserer Zeit in der besten Absicht, jedoch in dünkelhafter Selbstüberschätzung den oft mißdeutenten Spruch: nw'pd zur Legalisirung seiner Ansichten ausbeuten dürfte, so muß das irrgefübrte Volk bald verlernen, wo denn das eigentliche Jndenthum zu Hanse ist, und die wahre und die gemachte Religion hören Beide auf, ihm fortan heilig zu sein. (Schluß folgt.) 8. U. Preußen. Aus Oberfckleffen, 3. Sept. Abermals ein Vorspiel zu einer Mortara-Geschichte, die jedoch glücklicher Weise nicht zum Austrage gekommen! Der für die Zwecke der Missionsgesellschaft stets als -in pü zu betrachtende Missionär von Profession, Jacobsohn, besuchte vorige Woche Beuthen. Dort gelang es ihm durch allerlei Vorspiegelungen zwei jüdische Lehrlinge von 14 — 15 Jahren für seine Schmeicheleien zu gewinnen, und eines schönen Tages