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Der Israelit · 1860-09-05 · Heft 15 (5.9.1860) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 15 (5.9.1860)
Date
1860-09-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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184 den bedeutendsten Gemeinden Ungarns. Wenn ich nun dem geschätzten Leser die intellectuelle Seite der hiesigen Judenheit vorsühre, so will ich keineswegs, wie es bei einer gewissen Partei zur Mode geworden, den Stand der Bildung nach dem Wärmegrad der Religion, oder eigentlich nach dem Maßstabe der Irreligiosität bemessen. Die Zeit, in der man glaubte, daß das orthodoxe Judenthum des freien Vorrechts theilhästig ist, in Unwissenheit zu verbleiben und den geistigen Schlaf zu schlafen, aus welchem es kein Zwang aufschütteln dürste, diese Zeit ist, Gott sei Dank, für unsere Gemeinde vorüber, Synagoge und Schule, die Grundpfeiler des Judenthums, werden bei uns durchaus nicht mehr als zwei feindliche Elemente, als Institute, die einen diametralen Gegensatz repräsentiren, betrachtet. Unsere von der hohen k. k. Statthalterei sanctionirte Hauptschule liefert vielmehr den thatsächlichsten Beweis, daß Orthodoxie, wahre Frömmigkeit und zeitgemäße Bildung recht gut Hand in Hand gehen können. Sie hat es sich zur höchst rühmenswerthen Aufgabe gestellt, wackere Träger des Judenthums zu erziehen und ihr Wahlspruch ist: ,.-i So die Pflanzstätte ein Gotteshaus bildet, wenn der Unterricht für die zarte Jugend von einem jüdisch - frommen Geiste , durchdrungen und ge-. tragen 'wird nnui-O, in den Vorhösen unseres Gottes blühen sie dann sicherlich auf und der zarte Keim, der dort gehegt und gepflegt wurde, entfaltet sich hier zu einer duftenden, Wohlgeruch ausströmenden Blüthe. An unserer Schule wird der hebr. Unterricht nicht durch den sogenannten Nealstoff verdrängt und zur Thüre hinaus practicirt; man gibt sich nicht, wie leider in vielen Gemeinden unserer Umgebung, zufrieden, wenn die Schüler der obersten Classen zur Noch hebräisch lesen können; der hebräische Sprachunterricht wird hier auf so rationelle Weise betrieben, daß der bei weitem größere Theil der Bibel geistiges Eigenthum der Schüler wird und in der 4. Klasse sind sogar einige befähigte Schüler im Stande, recht gute. kleine hebr. Ausarbeitungen zu liefern. Eine gleiche Sorgfalt wird dem Talmudunterrichte gewidmet, der in der 2. Klasse bloß den talentirtern Schülern vorgetragen wird; hingegen in der 3. und 4. Klaffe als selbstständiger, obligater. Lehrgegenstand mustritt. Dieses Alles jedoch thut dem Unterrichte in den deutschen Fächern durchaus keinen Eintrag und die hier am 7. August im Beisein eines sehr intelligenten Publikums und unter dem Vorsitze des k. k. Oberstuhlrichters abgehaltene Jahresprüfung legte ein entsprechendes Zeugniß ab von der außerordentlichen pädagogischen Begabung und seltenen Lehr-Gewandtheit des Herrn Max Elias, des wackern Direktors unserer Hauptschule, dessen rastloser Wirksamkeit mir diese herrlichen Erfolge auf dem Gebiete des Unterrichtswesens zu verdanken haben. Wenn man auf den noch vor kurzem verwahrlosten Unterricht unserer Schuljugend zurückblickt, wenn man die Individuen, denen die heilige Aufgabe der Heranbildung einer Generation anvertraut war, sich ins Gedächtniß ruft: so muß man mit Freude und dankbarer Hingebung zurückkommen auf den segenvollen Eifer, gepaart mit gründlichem, vielseitigem Wissen, womit Herr Elias, der zugleich Religionslehrer am hiesigen Gymnasium ist, seinem doppelten Berufe vorsteht. Wir rufen ihm ein herzliches pni zu. Möge er die Leitung unserer Schule mit derselben Sorgfalt, Umsicht und Thalkraft auch ferner handhaben. '-,>8 '^! OPQ 'NM Jacob Reinik. Mako, Ende August 5 620. Der Oberrabbiner für das Süd-Biharer Comitat zu Großwardein, Herr I. A. Landesberg, mm mx) nn, ist jüngstens mit statthaltereibehördlichem Decrete zum Kreis-Schuldirektor ernannt worden. In allen wahrhaft jüdischen Kreisen wird diese Nachricht mit großer Freude begrüßt werden. 4. 17. Rußland. Libau, im August. Als eine bemerkenswerte Thatsache spricht man hier viel von dem Eindruck, welchen eine Synagogenfeierlichkeit bei den hohen Herrschaften, welche hier zur Badekur sich aufhielten, gemacht habe. Der Thronfolger hatte den Wunsch geäußert, einmal den jüdischen Ritus zu sehen. Die Synagogen-Ausbesserungen wurden daher beschleunigt, und am bestimmten Tage erschien der Thronfolger in Begleitung seines Bruders, seines Vetters, des Grafen Stroganoff, seines Curators und Gefolge. Man sagt es sei dieß das erste Bei- (Hierbei eine Beilage.)

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