Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 15 (5.9.1860)
- Date
- 1860-09-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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183 durch jene Correspondenz Lief gekränkte Provinz-Bewohner so gütig sein werden, diesen Zeilen die Spalten Ihrer Zeitschrift bereitwillig zu öffnen. Jenem Berichte mag ich keines Weges das Motiv charakterloser Verleumdung zu Grunde legen, denn eine solche würde ich der Widerlegung unwerth halten. Ich nehme eher an, daß jener Correspondent in guter Absicht jene jedenfalls outrirte Darstellung der Oeffentlichkeit übergeben hat. Wenn schon unwiderleglich begründet ist, daß eine wahre, echte Frömmigkeit nur auf dem Boden gut gepflegter Gesetzeskunde gedeihen kann, so wird von einem religiösen Verfall unserer Provinz, Gottlob, schvn nicht die Rede sein können; denn, wir haben hier nicht, wie an vielen anderen Orten mitunter auch rimn O'iQiv sondern Gottlob einen ganz bedeutenden Theil solcher ehrenwerthen Männer in unserer Gemeinde, welchem alle Zweige der jüd. Literatur sehr zugänglich und stetes Studium sind. — Aus der großen Schule des in Israel unvergeßlichen zum großen Theile hervorgegangen finden wir heute noch sehr beflissene .imn 'irnv, sowohl in den hier existirenden als auch in ihren Behausungen fast ununterbrochen mit dem Studiumvon O'pOisi beschäftigt; und ist auch eine nicht geringe Anzahl derselben dem Kaufmannsstande angehörend, so kann selbst dieser Umstand sie von ihrer Lieblingsbeschäftigung nicht dauernd trennen, und Gottlob Oi'2 .-in Es sind mitunter sehr begüterte Leute, die dem fleißig obliegen. Einige hervorragende wrOn sind, bei sehr starker Betheiligung, allabendlich in einigen 'cm mit Vortragen des O.-NIx;.iQ beschäftiget, und ein Beobachter hat schon hierbei genügend Gelegenheit, unsere scharfsinnigen und eingeweihten Talmudisten kennen zu lernen. Sind solche Leute aber nur Gelehrte, und tragen sie nicht auch der praktischen Ausübung alle Rechnung? Die Beantwortung dieser Frage, mit der ich heute nur beginnen kann, ist mir ein wahres Vergnügen, und ich glaube mich berechtigt, es ausdrücken zu können, daß nach allen Seiten hin, gewiß nur in wenigen Gemeinden Israels so gewissenhaft und fromm geübt werden, wie diesin der unserigen der Fall ist. — Wenn die geehrten Leser dieser Zeilen, denen unsere Stadt bisher fremd geblieben. an rvrmw und omD wa» mir in einer Rundschau durch dieselbe folgen könnten, so bin ich überzeugt, wüxde ein Jeder nicht umhin können zu gestehen, daß eine solche Würdigung der jüdischen Feste ihres gleichen sucht. — Mit wenigen Ausnahmen sind die Kaufläden unseres großen Marktplatzes Eigenthum jüdischer Kaufleute, und ich zweifle, ob auch nur zwei derselben, einem Käufer am Sabbat zugänglich find. Diesen gewiß großartigen bekundet aber auch der ganze übrige Stadttheil, und dürste dies gewiß genügend darthun, wie sehr häufig hier noch wOvm w-n» anzutreffen sind. Was aber bisher über Gesetzesstudium und Heilighaltung der rurmV und o"' gesagt ist, beschränkt sich nicht nur auf die Stadt, sondern dehnt sich auf einen sehr großen, ja fast den größten Theil der Provinz Posen aus, in der Gemeinden anzutreffen find, deren ganze Bewohnerschaft, von tüchtigen Rabbinen geleitet, streng orthodox lebt, und ebenso wenig wie deren Haupstadt jenen Artikel in Nro. 11 rechtfertigt. (Fortsetzung folgt.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 24. August: Eines der -erfreulichsten ResEate des-Fortschritts unserer Zeit, schreiben die „Polit. lljdons.", ist es, daß in unserem Väterlande die Bürger der verschiedenen Glaubensbekenntnisse sich einander vertrauensvoll nähern. Vergangenen Sonntag waren wir Zeugen einer der-! artigen Scene. Als bei dem von dem F.-Z.-M. v.! Benedek aus Anlaß des allerh. Geburtstages veran-! statteten Festmahle nebst den anderen höheren Geist-! lichen der Schwesterstädte auch der Pesther Oberrabbi Or. Meisel geladen war und dem Primas des Landes durch den Feldzeugmeister vorgestellt wurde, ward er von diesem Kirchenfürsten nicht nur mit gnädiger Herablassung empfangen, sondern als er am andern Tage, der Aufforderung mehrerer Priester anderer Confessionen folgend, sbei dem Primas seine Aufwartung machte, erkundigte er sich in umständlicher Weise nach den persönlichen und allgemeinen geistigen und religiösen Verhältnissen der Juden und entließ den Rabbi mit einem freundschaftlichen Händedrucke. Papa. 9. August. Die hiesige israel. Gemeinde zählt nahezu 4000 jüdische Seelen und gehört zu