Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 15 (5.9.1860)
- Date
- 1860-09-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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178 eines edlen Mannes ersah und mein Auge, blickte dankbar zu Gott empor, das Glück erkennend^ das für das menschliche Herz in der Anerkennung von Seiten hochgeachteter Mitbrüder liegt. Ihr geschätzter Brief eröffnete mir weite, herrliche Aussichten üuf sinen'Wirkungskreis, der vielleicht für den Augenblick feines Gleichen nicht auf Erden hat, denn große Dinge bereiten sich vor in Ihrem unter der Leitung eines edlen, erleuchteten,, großdenkenden Monarchen stehenden Vaterlandes und die jüdische Welt wird nicht unberührt davon bleiben. Als vor Jahrzehnten der Druck, welcher meine Voreltern in Deutschland belastete, unter dem Einflüsse erhabener Ideen eines erleuchteten Jahrhunderts verschwand, da fehlte es in jüdischen Kreisen an Männern, die es verstanden hätten, ihren Brüdern zu zeigen, wie Bildung und Wohlstand, wie all die neu eröffneten Bahnen des socialen Lebens die Ausübung der Pflichten unsrer heiligen Religion durchaus nicht zu beeinträchtigen brauchten, wie es möglich wäre, Bildung und Wissenschaftlichkeit sich anzueignen und zugleich in unabänderlicher Treue den Geboten des Judenthums und der edlen Sitte unsrer Väter anzuhangen.— ' Hieraus' entspringen diö-traurigen, jüdischemZu-.L stände in Deutschland. Man glaubte das Judenthum unvereinbar mit Humanität und Civilisation, mit Kunst und Wissenschaft und mit all den neuen Bahnen, welche die Befreiung vom äußern Drucke eröffneten. Einzelne schlugen diese Bahnen ein, und blieben dem Judenthume nur dem Namen nach treu. Diese galten den Regierungen als der edle und gebildete Theil unsrer Nation, sie wurden bei allen Maßnahmen um Rath geftagt , und die traurigen Känipfe auf dem Gebiete des Judenthums begannen, vor denen der Allgütige Ihr Vaterland bewahren möge. Bald traten auch sogenannte Rabbinen auf, die ihr mangelhaftes talmudisches Wissen mit Angriffen auf den Talmud selbst zu verdecken suchten und das rabbinische Judenthum nach Innen und nach:. Außen verlästerten. und verleumdeten. Seit mehr als einem Hülben Jahrhundert währen nunmehr diese Zustände in Deutschland, und was an Gottesfurcht und echt religiösem Leben übrig geblieben ish gleicht einem Vdrv -Liv m-r, einem mühsam dem -Feuer entrissenen, halb verbrannten Stabe, an dem die Flamme jedoch noch immer leckt und züngelt. Wir Wenigen, die wir inmitten aller dieser Verderbniß den Geist uns klar erhalten haben durch den erfrischenden Trunk aus dem ewig hell und rein sprudelnden Born der heiligen Gotteslehre, denen d,ie.,wiffenschaftliche.Bildung, nicht, geschadet, sondern vielmehr Stärkung/"Kräftigung gebracht hat, einzustehen für das Gute, Schöne und Wahre, wir stehen — wie dereinst Jeremias unter Trümmern, und oftmals droht das . Herz zu verzweifeln, wenn der Kampf immer mühseliger und der Erfolg immer unscheinbarer wird. Nunmehr eröffnet mir Ihr lieber Brief einen Wirkungskreis in einem Lande, das eine große Zahl, von Glaubensgenoffen umfaßt, von. denen nur sehr Wenige von väterlicher Religion und Sitte sich losgesagt haben. Zwar lastet der Druck von Jahrhunderten, auf unfern Brüdern, aber ein erleuchteter, edler, menschenfreundlicher Monarch umschließt alle seine Unterthanen mit väterlicher Liebe und nimmt das lastende Joch der Ausnahmsgesetze von dem Nacken unsres Volkes. In Seinem väterlichen Sinne wünscht er, daß Bildung und Wissenschaft auch seinen hebräischen Kindern zu Theil werde. O, wie muß da das Herz eines jeden Juden in Liebe und DankrbarkM einem so großmülhigeM Herrscher entgegenschlagen! Zugleich aber blickt der Geist mit banger Besorgniß der Zukunft des religiösen Lebens entgegen. Werden die Söhne und Töchter Juda's, die so heldenmüthig Armuth, Elend und Verachtung um Ihres Glaubens willen ertragen haben, auch die Gefahren zu überwinden wissen, die Wohlstand und Bildung der Religion zu bringen pflegen? Gehen die Hebräer Rußlands nunmehr denselben Gefahren entgegen, welche die Juden Deutschlands schon so lange bedrohen? Dieser Punkt ist's, auf dem sich mir durch Ihr Anerbieten die glänzendsten Aussichten eröffnen: meine zahlreichen Brüder in Rußland vor diesen Gefahren zu bewahren, zu zeigen, daß Humanität und Civilisation sich wohl mit echten, unverbrüchlicher Treue gegen alle Gesetze des Judenthums vereinen, einer huldvollen Regierung gegenüber Nachzuweisen, daß der ewig sprudelnde Quell alles'Lebens für uns die Hingebung an unser heilig Gesetz,- an die schriftliche und an die mündliche Lehre ist. Die Augen von ganz'Rußland — ich bezweifle es nicht — würden