Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 14 (29.8.1860)
- Date
- 1860-08-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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171 reffen des orthodoxen Judenthums zur Ausgabe gestellt , hat, Nachrichten zu erhalten? Von hier aus, wo eine! lange, traurige Zeit hindurch alle Mühe angewandt wurde, das orthodoxe Judenthum mit Stumpf und Stiel zu vertilgen, und welche Mühe — ach, daß wirs I eingestehen müssen! — nur allzusehr vom besten Erfolge gekrönt wurde? Wenn ich's aber dennoch unternehme, die Leser Ihres Blattes mit den hierländischen Zuständen bekannt zu machen, so soll damit dargethan werden, was aus dem Judenthum werden muß, wenn es aus den schützenden Armen der Tradition gerissen, in die ewig schwankende Zeitströmmnng hineingetragen wird, soll damit dargethan werden, wie das Judenthum bis zur Unkenntlichkeit sich verflacht, wenn man es des Gewandes beraubt, worin cs seit undenklichen Zeilen in die Erscheinung trat, worin es nach Außen hin sich als die cigenthümlichste Schöpfung des Gottesgeistes stets bekundet hatte. In diesem Betrachte werden diese Nachrichten auch in Ihrem Blatte eine paffende Stelle finden. Das Judenthum dahier, um die Sache mit einem Worte zu bezeichnen, ist nur noch das Judenthum der Synagoge, ist nicht mehr das Judenthum des Hauses und des Lebens. Tie heiligen Institutionen des Judenthums haben sich bis aus geringe Ausnahme 2222' aus den Häusern, aus dem Leben verloren, 22V ,225 und r<"2 sind bei dem allergrößten Theile der jüd. Bevölkerung bis auf den Namen verblaßt, und die uns nachfolgende Generation wird selbst den Namen dieser jüd. Heiligthümer nicht mehr kennen. Glauben Sie nicht, daß ich durch trübe Gläser die hiesigen Zustände an-- schaue, nein, sie sind in Wahrheit so, das orthodoxe Judenthum hat nicht eine Hand breiten Boden hier; Sie werden Einzelne finden, die sich orthodox nennen und als solche bekennen, aber nur Einzelne, die Anderen aber gehören mit Leib und Seele der reformistischen Richtung zu, und Gott möge dem Manne, der gegenwärtig an der Spitze der Gemeinden steht, Kraft und Einsicht gewähren, das dem Judenthume verlorene Terrain wieder zu gewinnen. Ich muß Ihnen aufrichtig gestehen, daß ich es kaum glaube; wo das Uebel so tief liegt, wo die Saaten der Reformen zum 22PN .222 V20 in den Geistern geworden, da fürchte ich, ist wenig Hoffnung vorhanden, daß da eine geistige und geistliche Wiedergeburt statt finden, daß sich das Judenthum in seinen Gliedern wieder rehabilitiren werde. Und wie ist das Alles gekommen? Vor fünf und zwanzig Jahren noch — die Zeit ist doch nicht so gar lange — war das Judenthum noch mit tiefen Wurzeln in die Gemeinden eingesenkt gewesen, den Häusern fehlte da die Weihe nicht, die die Religion Israels darüber zu breiten im Stande ist, Sabbat und Festtag waren wirklich die ausgewählten Zeiten, an denen das Herz sich näher und verwandter mit Gott fühlte, das Speisegesetz umrankte da noch mit heiliger Mäßigung den Tisch, der .222 hatte da noch über das Leben des Weibes den religiösen Zaum und Zügel geworfen, wodurch dieses des Jndenthums heiligende Kraft an sich selbst bethätigen ließ. Allerdings wurde in den Synagogen nicht nach den Regeln der Sangknnst gesungen -nur«, rvp» und der 2V2 waren da allerdings noch nicht aus der Gebetordnung (.2^222 2-.->) gestrichen, und merkwürdig! die Disharmonie im Gesänge, der Mangel des Verständnisses solcher Gebetstücke, die Anstandslofigkeit der Beter selbst scheuchten die Menge doch nicht aus dem Gotteshanse, nicht blos der Sabbatsondern auch der Werkeltagsgottesdienst wurde sehr fleißig besucht. Und später? Die Reform begann mit fräßiger Gier die Gebetordnung zn zernagen, und — Alles ging hin. Das Gotteshaus blieb selbst am Sabbat, um wieviel mehr am Wochentage, leer und die Speisegesetze verloren ihre bindende Macht, und 222' büßte seine Weihe ein. und .2-2 -228 hörte auf die Gemüther mit ^-Strafe zu schrecken, das Judenthum war mit einem Worte seines Wesens entäußert, es war von ihm nur noch der verdünnte, schwindsüchtige Reformcharakter des Jndenthums übrig. Und wie ist dies Alles gekommen? Die fromme Ignoranz hat dies Uebel bewirkt. Vor jenen fünf und zwanzig Jahren, als das Judenthum noch einen tiefen Grund in den Gemürhern hatte, fehlte es leider schon hierzulande an dem Fundamente aller Frömmigkeit, an der.2212, das Studium der heiligen Quellen des Jndenthums fand auch damals schon keine Pflege mehr, mehr als zur .22222 2'22x »V22 kam'es bei der Uebung der religiösen Satzungen nicht; was Wunder, wenn bei dem ersten Sturm, den ^die Reform in der Person Holdheims heraufbeschwor, das ganze Neligionsgebände erschüttert wurde? Die Reform be-