Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 14 (29.8.1860)
- Date
- 1860-08-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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172 nutzte die Schwachköpfigkeit der frommen Ignoranten, zog sie, indem ihr eine Competenz in religiösen Dingen aufgeschwatzt wurde, bei Umgestaltung des Gottesdienstes zu Nathe; wer kaum über die Elemente des jüd. Wissens hinaus war, dem wurde eine tiefe Gelehrsamkeit ein geredet und so lange eingeredet, bis er selbst daran glaubte, und so p'2 'ni wn'vb siel eine religiöse Schranke nach der andern und unser Iudenthum, unser heiliges, mit dem Herzblute unzähliger Märtyrer erkauftes Judenthum steht nun abgezehrt und verblaßt, ein Schatten seines Selbst bloß noch da. Der Gottesdienst hatte durch die Reform zuletzt die Gestalt erhalten, die ihr die Naboinerversammlung gegeben, der dreijährige Cyklus ohne Neginoth mit der deutscher Hastora, die Ausmerzung jeder Erinnerung an Moschiach, Jeruschalem und die Opfer, die Verpönung des ^»-.2 V2 n. s. w., dies war der Gottesdienst, wie ihn die Reform in allen Synagogen des Landes eingesührt hatte, und der gelehrte und verdienstvolle Or. L., der berufen wurde, dem Judenthume zu seinem alten Rechte zu verhelfen, schlug, nach meiner Ansicht, einen verkehrten Weg ein. Er entwarf eine Synagogenordnung und rief zur vorläufigen Einführung einzelner derselben die weltliche Behörde an; es mußte dies aber mißlingen. Einmal ist ein mit dem Polizeistock allsgezwungenes Iudenthum immer ein mißliches Ding, denn es wurde blos erwiedert, wir schließen unsere Synagogen und da hat selbst die Polizei die Macht nicht mehr, Jemanden in die Synagoge hineinzutreiben, und dann benahm sich L. dadurch alle Mittel auf die Gemeinde zu wirken. Der öffentliche Gottesdienst, so wichtig und bedeutend das pbrr Lp und das -,'22 als dessen ursächliches Moment auch ist, bleibt doch immer nur ein Theil und zwar nur ein die Gemeinde nach Außen repräsentireuder Theil des Judenthums, hingegen all die Vorschriften und Anordnungen, die das jüdische Individuum als solches charakterisiren, die die Gemeinde, als den Complexus solcher Individuen innerlich verbinden und ihr auch nach Innen die eine Färbung und das eine Gepräge verleihen, die also eigentlich den Inhalt des Judenthums ausmachen, werden durch einen Gottesdienst, und wäre er auch noch so p-Q und ni2, nimmer ersetzt. Die polizeilichen Maßnahmen L.'s verschlossen ihm die I Nednerbühne. und der einzige Weg, von welchem aus er auf die Gemeinde hätte wirken können, um den! Institutionen des Judenthums Eingang in die Gemüther zu verschaffen, wurde ihm also gänzlich versperrt. Der gegenwärtig fungirende Landes-Nabbiner vr. C. mochte allerdings ebenfalls nicht an dem von der! äußersten Reform constituirten Gottesdienst theilneh- E men, und erst seit dem die Hanptgravamina beseitigt, seitdem die nebst den wieder! hergeftellt sind, LX'2, L'vL'i-";^2 und in hergebrachter Weise den ungeschmälerten Ausdruck j in der riv-DL wieder finden, sucht er durch die Pre-! digt dem Iudenthum den verlorenen Boden wieder zu erobern und obwohl, wie ich schon oben bemerkte, § wenig Hoffnung vorhanden ist, daß ihm dies gelingen werde, so bewirkte er doch jedenfalls, daß die.'Kluft zwischen echtem und unechtein Iudenthum ins Bewußtsein gebracht wird, daß der Abfall von diesem echten Iudcuthum Rüge und Zurechtweisung findet, daß! die traurige Schablone von Form und Wesen, unter welcher so viel gesündigt wird, in ihrer Nichtigkeit sich zeigt, und wer weiß? wenn nur das Gewissen aus seiner Ruhe gerüttelt wird, ob doch nicht in einem Herzen eine Stimme für die Wahrheit , sich einmal regt, und 'wi ririrr '§22 L'pL.i ^2. — Die Genieinden, deren es 42 giebt, find zu klein, um eigene Schicken zu errichten, es sind immer blos! Neligionsschulen, in welchen ein Lehrer, der zugleich i Li-.m' und pn ist, die ihm von dem in den Stadt- - schulen crtheilten Elementarunterricht karg zugemessene Zeit für die Neligionsschule nützbar macht, und > was kann da geleistet werden? Leider aber hatte in § letzter Zeit dies Amt in Händen solcher Individuen! gelegen, die wol L'LiwV aber keine Lehrer waren, und! selbst die geringe Zeit, die dem Unterrichte in der väterlichen Religion gewidmet war, wurde nicht zweckmäßig angewendet und so ging der Heranwachsenden Jugend auch die Möglichkeit verloren, sich selbst mit dem Nöthigsten für ein jüdisches Leben auszurüsten, und ip2 222' ".1. — So ist es nun bei uns hier, und die Zukunft, die dem hiesigen Iudenthum bevorsteht, möge Gott in die Hand nehmen, damit es wieder einen Boden in den Herzen finde und sich wolthätig auf seine Bekenner wieder äußere. — <HieröeL eine Beilage.)