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Der Israelit · 1860-08-29 · Heft 14 (29.8.1860) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 14 (29.8.1860)
Date
1860-08-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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168 eigenen Waffen Geltung verschaffen unddie Behörde zur Austragung von religiösen Dingen nur in den allerseltensten Fällen angerufeu werden. Denn die Intervention der Behörde kann nur dahin gehen, daß Gutachten bezüglicher Autoritäten eingeholt werden, was man ebenfalls ohne Behörde kann. Mein Recht gegen Unterdrückung zu verschaffen, dazu ist die Behörde für alle Sphären des Unrechtes da. Wenn daher eine Gemeinde von dem Vorstande in ihrem Selfgouvernement beeinträchtigt j wird, so es das Objekt materiellen Besitzes oder geistiger Freiheit ist, so haben die Einzelnen ein Recht und eine Pflicht, die Behörde nicht zur Entscheidung dieser religiösen Fragen, sondern zum Schutze ihres NechtSbewußtseins überhaupt anzurufen; und von diesem Rechte haben die Unterdrückten in Stuhlweißenburg Gebrauch gemacht. — Jetzt erzählt der, wie es scheint, wenig belesene Vorstand seinem Propheten (der von einem nachweislich nicht eristirenden Correspondenten in Allssee schon lange vor dem Einzüge des Hrn. Rabbiners in Stuhlweißenburg einen tendenziösen Artikel gegen denselben hatte schreiben lasten), daß die „Opposition" zu der Berufung des Hrn. vr. Guggenheim trotz seiner ..liberalen Gesinnung" ihre Zustimmung gegeben, daß ferner Hr. I)r. G. sich ganz loyaler Gesinnung geäußert, die Gemeinde aber hinters Licht geführt habe. Sehen wir uns diese Worte genauer an. Was der löbliche Vorstand unter den, eigentlich den politischen Fache entlehnten Ausdrücken „liberal und loyal" hier versteht, misten wir nicht genau; ebenso wenig natürlich, was der Herr Rabbiner dem Gemeindcvorstande bei besten Berufung in Austee gesagt. Was aber der Hr. Rabbiner einzig und allein gesagt haben kann, das weiß ich sehr gut Hr. vr. G. ist schon lange ein öffentlicher Charakter, zu dessen Beurtheilung aus seinen herrlichen Arbeiten im Frankfurter Jeschurun Jedem Gelegenheit geboten ist. Insbesondere gehört bei der wiederholten strengen Kritik der Arbeiten des Nedacteurs des Ben Chanansa Seitens des Herrn Rabbiners wahrlich nicht viel „Prophetengeist" dazu, das „Gutachten" des Hrn. Nedacteurs vorauszusehen. Von einem öffentlichen Character kann man aber nur dann hinters Licht geführt werden, wenn derselbe wie dereinst gewisse Herren in Frankfurt a. O. mit Talith und großen pd'2r> selbst über die Gaffe gehen und nachher Neformprediger*) werden, oder in Preßburg Preßburger 'nm sind und nachher „unter Umständen" durch Arrest und Kerker eine Neligionsphilosophie machen. Hr. vr. G. ist ganz derselbe, der er in Teschen und Austee war, und obige Insinuation ist ganz unberechtigt. — Der Vorstand beklagt, daß es eine verabredete Sache war, zu den alten Mißbräuchen und mittelalterlichem Aberglauben zurückzuführeu. — Hierbei habe ich zu bemerken, daß der löbliche Vorstand unter Mißbrauch und Aberglaube und versteht; -mpionti rmt. „Der Friede der Gemeinde, das theuerste Gut Israels, wird mit Füßen getreten, um nur einen Minhag, wenn auch von schädlichster Natur, zu retten, weil solche Dinge, wie unser Herr Rabbiner sich oft zu äußern beliebt, „höher als aller Friede stehen." Zu diesem Passus habe ich folgende Bemerkungen zu machen, l) Es ist nicht wahr, daß der Friede in der Gemeinde das höchste Gut Israels sei. Das höchste Gut Israels ist die Erhaltung seiner selbst, durch Gesinnungstüchtigkeit, durch Kraft der Ueberzeugung, durch den Muth einer Meinung, durch Bewahrung seiner specisischen Individualität. Saget nur nur, Ihr lammfrommen Friedensfreunde ü tont prix, warum beugt Ihr Euch denn nicht dem lieben Frieden und der Majorität von mehr als 80 Gemeindemitgliedern zu Liebe, nicht zum Frieden herab? Weil Ihr Euch im Gefühle Eurer selbstbewußten Individualität dünket! Run so seid wenigstens so gerecht, diese heilige „Prärogative" ancy Andern zuzugesteheu. 2) Es ist nicht wahr, was zu beurtheilen übrigens einem Gemeindevorstande als solchem durchaus nicht geziemt, daß es Minhagim schädlicher oder gar schädlichster 'Natur gibt. 3) In Rücksicht auf die oorwaltenden Prineipien, Bestrebungen und allgemeine Gesinnung werden auf jedem Gebiete, daher auch auf dem der Religion oft kleine! Dinge sehr groß (vgl. Landeckrin 74). — Jetzt! kommen die Beispiele, „wegen welcher der Hr. Rab- § biner den Vorstand bei der Gemeinde der Jrreli-! giösität anklagt;" diese beiden Vorwürfe yun müs-! sen wir streng von einander trennen. Was den ersten betrifft, so haben wir leider wieder eine nicht *) Anmerk, der Red. Soeben vernehmen wir, Holdheim sei gestorben; er Lab wenigstens lange genug gelebt, sich selbst und sein Snstem (?) zu überleven.

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