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Der Israelit · 1860-08-29 · Heft 14 (29.8.1860) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 14 (29.8.1860)
Date
1860-08-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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167 Rabbiners vr. M. Zipser eine auf echter Religiosität begründete.... Richtung rc." — Wir werfen unter vielen andern zwei Fragen auf: Ist es echte Religiosität, 1) wenn ein Rabbiner über Abschaffung oder Beibehaltung des 2"' einfach die Gemeindemitglieder abstimmen lassen will? 2) wenn derselbe Rabbiner seine Mitwirkung versagt, da es sich um Verlegung des auf einen 2'' fallenden Markttages handelt? — Der Gemeindevorstand rühmt sich, eine Kinderschule begründet zu haben, was auch in den meisten orthodoxen Gemeinden ebenso geschieht, ja worauf die alles Humane schützende und stützende hohe Behörde überall ernstlich dringt, „Gemeinde-Statuten (sie) wie auch sonstige (sio) wohlthätige Anstalten ins Leben gerufen zu haben." Woher entstanden die vielen wohlthätigen Anstalten in Gemeinden, welche über „echte Religiosität" anderer Meinung als der Stublw. Vorstand sind? freilich, wenn man sich des Entwurfs der Gemeindestatutcn rühmt, hat man eigenthümliche Begriffe von Nühmenswürdigkeit. — „Zu unserm Bedauern jedoch kamen in den letzten Jahren Mitglieder vom Lande herein, deren Begriffe und Anschauungen, noch vom Hauche einer mittelalterlichen Erziehung angeweht, mit jedem Fortschritt der Neuzeit unvereinbar waren." Es ist uns unbegreiflich, wie ein Vorstand in dieser Weise die Wahrheit umgehen kann. Es ist nämlich evident, daß viele Häupter der reformistischen Partei in Stuhlweißcnburg Gemeindemitalieder, großenthcils jüngern, jedenfalls nicht älteren Datums als die gesinnungstüchtigen Rechtgläubigen. So z. B. ist der unterfertigte H. Herzog ein noch jüngeres Gemeindemitglied als die meisten derselben. So geht man in gewissen Lagern mit der Wahrheit zu Gunsten tendenziöser Zwecke um. — „Von einigen Zeloten und unruhigen Geistern, die unter dem Deckmantel der Religion ihre eigennützig enPrivatintcrefsen zu erlangen strebten, noch mehr an gefacht." Leser lies dies, wenn du es über dich gewinnen kannst, zweimal, und sage mir: hast du je gehört, daß ein Cultusvorstand die niederträchtigsten Motive Männern andichtet, die sich nicht von '^>112! ch ch ' ihm, seinen Propheten und seinen Gelehrten geistig knechten lassen wollen? Ist das erlwrt! Soll Einem das nicht die Schamröthc lichterloh ins Gesicht treiben! Jene Herren, welche immer auf hohem Eotburn des echten Prophetenthums, der gereinigten Gottesverehrung und wie diese Blendlaternen alle heißen, einherschreiten, stehen nicht an, Mittel der niedrigsten Art zu gebrauchen, die Ehre unbescholtener Personen anzugreifen, Insinuationen der jämmerlichsten Art hinzuschreiben und zu veröffentlichen, Alles um des Zweckes willen! — Wahrlich, wenn mich nicht die Verirrung jedes Menschen tief in der Seele bekümmern würde, wenn es mir je möglich wäre, mich über die Bl-nne eines religiösen Gegners zu freuen; ich hätte niemals mehr Gelegenheit als diesmal gehabt. Fern sei es von mir, die Partei für solche Unmenschlichkeit eines Einzelnen verantwortlich zu machen; natürlich aber wird man es finden, wenn ich nach dem Causalconnexus des Glaubensbekenntnisses und der Einzelhandlung forsche; und da fällt mir unwillkürlich ein, was Kant in seiner Tugendlehre (Ausgabe Hartenstein, Vd. 5. S. 262. Amkg.) sagt: Es ist merkwürdig, daß die Bibel das erste Verbrechen, wodurch das Böse in die Welt gekommen ist, nicht von: Brudermord (Eains), sondern von der ersten Lüge datirt. So verpönt die Thora die Lüge; diejenigen aber, die andere Gänge als die Thora gehen wollen, kommen auch zu umgekehrten Consequenzen .-.2X — Gehen wir aber weiter. Der Vorstand beklagt sich, daß in den letzten 5 Jahren Nichts als Proteste in Neligionssachen geführt werden. Das ist zwar traurig, aber unter Umständen geboten. Der löbliche Vorstand wird selbst zugestchen, daß jeder schon ans der allgemeinen Eigenschaft des Beharrungsvermögens heraus lieber Friede hat als Kampf, Aufregung, Kraft-, Zeit- und Geldverlust. Nichtsdestoweniger bleibt Ro- , mantikern im edlen Sinne zuweilen nichts übrig, als zu Letzteren mit allen ihren traurigen Eonsequenzen zu schreiten. Unter unzähligen Argumenten führe ich für heilte einen sehr richtigen, einer in den letzten Tagen in Paris erschienenen kleinen Broschüre (I» lidertä rsÜ^loudv et la leAÜckntion aetuelle) ent-! nommenen Schlußsatz an: In der Gesellschaft, heißt i es dort, wie beim Einzelnen ist der Materialismus! für alles Höhere ein Grab. Die Idee soll sich mit

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