Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 13 (22.8.1860)
- Date
- 1860-08-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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160 . sagte, auf der Kanzel in einer so heftigen und anstößigen Weise commentirt hatte, daß eine Art Scandal daraus entstand. Dieser fromme Mann hat sich jetzt erhängt. Anfangs wollte man die scandalöse Thatsache verdecken und verbreitete das Gerücht, er sei plötzlich vom Schlage gerührt worden; da kam man aber im Volke, auf den Gedanken: die Juden, die von dem Geistlichen so'schwer beleidigt seien, müßten ihn aus Rache vergiftet haben. Diese Sage wurde geglaubt, und in der leicht.erregbaren Menge zeigten sich bereits Symptome, welche einen Act der sogenanntenVolksjustiz gegen die Juden in Nzeszow befürchten ließen. Um nun einem unheilvollen Ausbruche vorzubeugen, sah sich?, die-. Behörde genöthigt, den Act des Selbstmordes ösficiell zu constatiren und öffentlich bekannt zu machen. (F. I.) Lomnitz, Mähren. Sie empfangen hiedurch von mir ein Referat über den religiösen Zustand einer im Inland so wenig, im Anstande vielleicht gar nicht bekannten Gemeinde. Indes; empfehle ich Ihnen dasselbe dennoch, weil es ein nnrun pro raultis, ein Conterfey säst ganz Mährens ist. Indem nun .der ganze Jammer der Gegenwart vor mein Auge tritt, kann ich unmöglich umhin, von dein ehemaligen, blühenden, weit und breit berühmten Neligionszustande zu sprechen, ja ich bin überzeugt, daß selbst der in religiösen Dingen ganz von uns Divcrgirende den herzzerreißenden Contrast der gegenwärtigen Zeit, und der von vor 15 — 20 Jahren tief empfinden muß. Waren wir doch vor dein genannten Zeiträume so glücklich, in Mähren fast aller Orten, viele dem heiligen Thorastudium Obliegende zu besitzen, darunter Männer, deren großer Ruf ihnen Nabbinatssitze großer und frommer Gemeinden Ungarns und des Auslandes verschaffte. Allgemein jüdische Praxis im strengsten Sinne des Wortes, die Verehrung der heil. Gotteslehre und Wahl des Lebensberufes nach vorzüglichster Berücksichtigung der Anforderungen derselben war selbstverständlich. Unsere Nabbinen besaßen Autorität, Vertrauen und moralische Macht, Keime der Destruktion und des. Jndifferentismus gleich zu ersticken, und daher Blüthe und reiche Frucht des Neligionszustandes. So blühte auch mit der Religionswissenschaft und durch dieselbe geistige Bildung jeder Art, und wie immer, dadurch auch bürgerliche Civilisation und ihre notwendigen Consequenzen. Durch sie, und. durch die Humanität unseres vielgeliebten, allerhöchsten gnädigen Kaisers, wurden wir von vielen Fesseln, welche zahllose Dezennien auf uns lasteten, befreit; der dem himmlischen Vater dafür schuldige Dank aber wird schnöde in Hohn verwandelt, indem der bei weitem größte Theil des Kronlandes glaubt, dieser neue Geist müsse durch Entweihung alles Hohen, Edlen und Erhabenen gefeiert werden. Aber wie zu helfen? Hiezu müßte wahrlich sehr energische Thatkraft austauchen! Der Lauf der Begebenheiten hat dem Zustande der Zeit eine Richtung gegeben, die ihn mehr und mehr von dem Ideal des Glaubens zu entfernen droht. Die nähere Betrachtung des Neligionszustandes in Mähren bietet ein tragisches Schauspiel dar. — Man sieht nur in wenigen Gemeinden die Rabbiner, wie sie sein sollen, der Proportion nach selbst wenige Juden, welche die göttlichen Gebote streng beobachten, hingegen allenthalben Materialisten, die durch Beispiel und Vortheil bestärkt, die Verachtung der rimn und des jüdischen Lebens herbeisühren. Die Jugend lernt schon in vielen Gemeinden nicht einmal die Anfangsgründe des Betens, und genießt womöglich in einer nichtjüdischen Schule, wo natürlich der unverwüstliche Eindruck ein antijüdischer ist, den ersten Unterricht. Kömmt dann der Jüngling in eine Großstadt, so wird er den unerbittlichen Consequenzen solcher Erziehung entgegen gedrängt; er bleibt höchstens ein Jude — von Geburt, d. h. so lange nicht der gar zu große Vortheil auf der andern Seite ist, sonst gibt es auch dafür eine — leichte Formel. Eine große Verantwortung dieses Elends haben viele Rabbiner des Landes zu tragen. Es existiren hier Rabbiner, die, wenn je, wenigstens jahrelang weder noch pro? zur Hand genommen, denen mitunter auch die täglicheeine schwere Bürde ist, der sie sich aber sehr leicht, entledigen. Als O'vniw dienen uns Vorbeter, die am Sabbat ihren Chorgesang mit eigenhändigem Orgelspiel begleiten. Ueberhaupt ist riwr-n nicht etwa , sondern jahraus jahrein (Hierbei eine Beilage.)