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Der Israelit · 1860-08-22 · Heft 13 (22.8.1860) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 13 (22.8.1860)
Date
1860-08-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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159 unterricht, Bibel, Ritual, Mv und den allgemeinen Realien auch noch französische Sprache, Zeichnen rc. unterrichtet wird. Das Institut besteht aus einer Knaben- und einer Mädchenschule; in dieser letzteren wird in sämmtlichen weiblichen Handarbeiten Unterricht ertheilt. Die tägliche Unterrichtszeit währt 7—8 Stunden, und wird diese festgesetzte Zeit nicht blos mechanisch ausgefüllt; die angestellten Lehrer sind sich vielmehr der Größe und Würde ihres hohen Berufs wohl bewußt, und werden durch den aus unsrem Herrn Rabbiner und noch 6 andern, für die Jugendbildung der hiesigen Gemeinde begeisterten Männern gebildeten Schulrath immer mehr darin bestärkt und zur rastlosen Thätigkeit angespornt. Solche Schulen, unter Leitung religiöser, gebildeter Lehrer und Leiter sollten immer mehr und mehr im In- und Ausland gebildet und ins Leben gerufen werden, und bald würde der heilige Schmuck der Religion mit dem leuchtenden Gewände der socialen Bildung vereint den sehnsuchtsvollen Blicken aller edlen Menschenfreunde entgegen treten*). 3. Schwerin, 1. Aug. (Curiosum.) Folgender V orfall macht hier viel von sich sprechen. In Anlaß der Heirath einer hiesigen jungen Dame war u. A. auch deren Vormund, der jüdische vi-. jur. M., zur Hochzeit geladen. Auf die Nachricht davon wendete sich der Pastor, welcher die Trauung zu vollziehen hatte, an die Mutter der Braut, mit der Erklärung, daß er die Trauung nicht vornehmen könne, wenn vr. M. auch mit den übrigen Gästen vor den Altar treten würde. Da nun die Familie um keinen Preis ihren bewährten Vormund und Freund bei diesem Feste missen wollte, auch Niemand aus der Familie ihn mit dem Inhalt der Pastoralen Epistel bekannt machen mochte, so blieb schließlich nur der Ausweg übrig, daß die nächsten Angehörigen sich während des Trauungsactes mit vr. M. hinter dem Altar aufstellten. Uebrigens steht dieser Vorfall durchaus nicht isolirt da. So traf eine ähnliche Unduldsamkeit u. A. den Redacteur der „Meckl. Ztg.", dessen Tochter keine Aufnahme in den sogenannten höheren Schulen, namentlich der Sarau'schen und Mißfeld'- schen Töchterschule finden konnte, weil die Schulend aus Princip keine Töchter israelitischer Eltern mehr aufnehmen wollen. (H. N.) Feinde jeglicher Intoleranz geben wir obigen Bericht der H. N., können jedoch nicht unterlassen, darauf aufmerksam zu machen, daß der als Märtyrer hier bezeichnte Vr. jur. M., der sich, dorridils äiotu! hinter dem Altäre „verkriechen" mußte, selbst von der größten Intoleranz gegen seine orthodoxen Glaubensgenossen beseelt-ist. Möge sich's Herr vr. M. als Warnung bienen lasten und des Spruches eingedenk sein: Was Dir nicht gefällt, daß man es Dir thue, das thue auch keinem Andern! Uebrigens ist diese Art von Zurücksetzung ganz neu; einem Juden ist sie bis jetzt noch nicht wiederfahren. Zu was Allem die Modernen doch Anlaß geben, selbst zu einer neuen Species von Nischuß! — Preußen. Berlin, 15 August. Die Nachricht, die Sie in Nro. 11 d. Z. mitgetheilt haben, daß nämlich Herr Wertheimer in Wien von Sr. Majestät dem Kaiser mit dem Franz-Joseph-Orden decorirt worden, gibt mir zu der Bemerkung Anlaß, daß diese hohe Ehre einem gesinnungstüchtigen Manne eine Colliüon der Pflichten nicht wird ersparen können, die das Tragen des Symbols einer fremden Religion nothwendig mit sich bringen muß. Hier in Preußen ist dem vorgebeugt; hier steht es jedem zu decorirenden Israeliten frei, statt des Religionssymbols ein andres Zeichen zu wählen; es wäre sehr zu wünschen, daß gesinnungstüchtige Männer danach streben, daß auch in andern Staaten eine ähnliche Einrichtung getroffen werde. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 9. Aug. Vor einiger Zeit berichteten die österreichischen Zeitungen viel von einem Pfarrer Jlinski zu Rzefzow, der in seinem Fanatismus gegen die Juden einen bischöflichen Hirtenbrief, welcher j das Eintreten christlicher Dienstboten bei Juden unter-

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