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Der Israelit · 1860-08-22 · Heft 13 (22.8.1860) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 13 (22.8.1860)
Date
1860-08-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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157 gehört, was sehr intelligente Synagogenvorstände, z. B. in Wien, noch niemals gefühlt. Was hat ferner die gereinigte Gottesverehrung mit der Recitation des nun, ob vor oder nach der Vorlesung, was niit der .-i-ous.-i, was mit zu thun. „Gereinigte Gottesverehrung" ist eine breitgetretene, sehr abgedroschene Redensart; sie zieht nur noch bei den Romantikern; wir fragen nach Kern, Sinn und Bedeutung. Wir richten aber noch eine Frage an den Vorstand, der uns Wohl verstehen wird. Hat diese Differenz mit dem Hrn. Rabbiner, die der Vorstand unter der ganzen Verantwortung vor die Oeffentlichkeit gebracht hat, wirklich ausschließlich „gereinigten Gottesdienst" zum Motive, oder fließen einige sehr unromantische mit unter durch, wie z. B. daß der Hr. Rabbiner einem in religiöser Beziehung nicht sehr vertrauenswürdigen, in der Gemeinde aber sehr einflußreichen Gemeindemitgliede den Verkauf .gewisser Victualien auf rivs untersagte? Es ist die Aufgabe der Publicität, überall die Heuchelei auszudecken; deßhalb müssen wir hier auch wissen, woran wir sind. — Der Cultusvorstand wendet sich an mehrere „Gelehrte und in Achtung stehende Nabbinen." An welche Gelehrte wendet sich der Cultusvorstand, etwa an Mediciner oder christliche Theologen? Können Andre, als Nabbinen oder mit rabbinischem Wissen Ausgerüstete ein Urtheil über rituelle Fragen fällen? Ich kenne einen sehr renommirten Advokaten, der aber vom binomischen Lehrsätze nicht die Spur versteht. Muß etwa ein Philologe wissen, wie wichtig nk'ip ist, und ob inan hierbei um des lieben (s. h. bequemen) Friedens willen ein Auge zudrücken soll. Ueberhaupt, was gehen euch Gelehrte an? Dichter, Schwärmer — die fraget! — Der Vorstand fühlt sich also dazu hingewiesen, Zuflucht zu mehreren Gelehrten. . „g egen Willkürlichkeit und geistige Knechtung" zu nehmen. Derselbe verwickelt sich in dieser Phrase in einen sonderbaren Widerspruch. Weiter unten nämlich, kurz vor dem Ende, wird der Hr. Nedacteur in seiner Eigenschaft als „Rabbiner" um ein Gutachten über erwähnte, vom Vorstande selbst als „ganz unwichtige" erklärte Punkte, die eoi-poi-a äslieti, angegangen; wieso präoccnpirt derselbe schon hier Willkürlichkeit und geistige Knechtung? So ist es aber, der Romantiker ist immer gleich fertig, wie die Großmama aller Poeten aus dem Haupte ihres Vaters gestiefelt und gespornt hervortrat. Romantiker gehören zu denen, von denen Napoleon sagte, sie hätten Nichts gelernt und Nichts vergessen. Höchlichst aber muß es uns vom Hrn. Nedacteur wundern, daß er als „Rabbiner" solche Willkürlichkeilen von Vorständen ungerügt hingehen läßt. Ueberhaupt ist diese Willkürlichkeit rein willkürlich. Nach allem Rechtsbewußtsein schließt Gesetz und Willkür sich aus. Beruft sich also der Hr. Rabbiner auf ein Gesetz, z. B. Nitualcodex, so ist er durchaus nicht willkürlich. Nun gefällt Ihnen wahrscheinlich aber dies Gesetz nicht; dieß aber Willkürlichkeit zu nennen, ist etwas stark willkürlich, d. h. romantisch. Wir müssen aber noch einen Augenblick von der „geistigen Knechtschaft" sprechen. Dreß ist wieder eine der schaalften Phrasen, von denen sich heutzutage nur noch die dümmste Bornirtheit blenden läßt. Alle, ohne Airsnahme, muffen anerkennen, daß „geistige Knechtschaft" darin besteht, daß der Gedanke durch andere Mittel als die seiner selbst, daß er durch weltliche Macht irgend welcher Art seine Behauptungen documentiren will. Der Grundcharakter der Freiheit ist ihre Selbstbestimmung, Freiheit, das Bewußtsein, sich Selbstzweck zu sein. So lange der Geist nur durch seine eignen Waffen sich zur Geltung zu bringen sucht, mögen diesen nun aus Thora und Thalmud, aus Rambam und Schulchan Aruch oder aus Corpus Juris und Pandekten, aus Hyppocrates und Hamann, aus Euklid oder Ohm, Hegel oder Herbarth rnntati's inutainlis genommen sein, sobald die Beweise innerlich berechtigt sind, so haben wir es, trotz allen Bombastes der Romantiker, mit geistiger Freiheit, nicht mit geistiger Knechtung zu thun. Ein Beispiel wirklich geistiger Knechtung ist folgendes: Der Nedacteur des Ben Chananfa hat als Rabbiner in Papa durch Destructionsbestrebungen eineu großen Theil (vielleicht den größten, ich bin nämlich mit dem damaligen religiösen Zustande dieser großen Gemeinde nicht vertraut) der Gemeinde gegen sich aufgeregt, hat aber jede Opposition durch solche geistige Waffen niedergeschlagen, daß ein sehr ehrenwerthes Gemeindemitglied für seine religiöse Ueberzeugung lauge Zeit im Gefängnisse schmachtete, wofür natürlich der Rabbiner factisch oder jedenfalls moralisch verantwortlich

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