Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 13 (22.8.1860)
- Date
- 1860-08-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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156 demselben sicherlich sehr respektable Autorität. David FriedrichStrauß sagt in seiner Broschüre, „der Romantiker auf dem Throne der Cäsaren" (S. 18): „der romantische Theologe müht sich durch philosophische und ästhetische Zuthaten, den abgestandenen theologischen Kohl wieder verdaulich und genießbar zu machen." Sehen wir nun nach, auf welcher Seite der abgestandene, theologische >,Kohl" ist. Unsrer Ansicht nach giebt es gar keine jüdische Theologie im gewöhnlichen Sinn des Wortes; schriftliche und mündliche Lehre und religiöses Leben, möglichst würdiger An- und Ausbau dieser drei, das ist unsere Ne-! ligion. Alles Dies ist ewig, wie die Vernunft in! ihrem erhabnen Selbst und ihrer sinnlichen Erscheinung in der Ethik. Unsere Weisen haben in ihrer sinnigen Agada offenbar mit göttlicher Eingebung an tausend Stellen die späteren Ideen anticipirt, wie das ganze göttliche Gesetz, wie das ganze Judenthum schon vor mehr als 3 Jahrtausenden die reinsten, sittlichen Principien der erleuchtetsten Jahrhunderte gekannt. So steht es mit uns. Nennt man uns daher figürlich Romantiker, weil wir keinen auch noch so bedeutungslosen Moment unseres Lebens ohne die Weihe der Ideen, ohne den incarnirtestcn Idealismus kennen, nennt man uns deßhalb Romantiker, so acceptiren wir gern diesen Ehrennamen. Sehen wir uns dagegen doch auch einmal im andern Lager um. Dort allerdings, wo weder Kern noch Schaale, wo Nichts als das Nivellirungssystem, das in dem bekannten „Teller'schen Sendschreiben" seinen besten Ausdruck hat, wo Mode, Nichts als Mode Theologie ist, dort gibt es allerdings vielen abgestandenen theologischen Kohl, dort kommen allerdings die Herzfeld's, wenn die Eichhorns schon längst abgestanden, dort machen allerdings die Talare, die Bäffchen, das „zugerollte Talith", die Augenverdrehereien den Rabbiner, dort sind die Romantiker zu Hause, weil dort nicht die in der jüdischen Literatur Gelehrtesten, sondern die — Dichter in die Volksbelehrnng hineinpsuscheu, dort sind die Romantiker im allerdings ungünstigen Sinne des Wortes zu Hause. Ich habe dich, lieber Leser, vielleicht ein wenig gelangweilt mit dieser Silbenstecherei; aber denk' nur ein wenig nach, ich glaube, du wirst die Berechtigung meines Gedankenganges und die Bedeutung meiner Andeutungen nicht verkennen. Uebrigens habe ich auch schon das unsinnige „neuorthodoxe" mitbeurtheilt. Ich nenne es unsinnig, weil es einen innern Widerspruch birgt, und alles dergleichen ist Unsinn. Der Neuorthodoxe ist ein Widerspruch in sich, eine «outraäiatio in aäjeeto, um auch einmal gelehrt zu sein. Wer nwvr rimii und deren einzelnste Consequenzen für verbindend hält, der ist alt und orthodox; wer aber diese nur für theoretische und praktische Philosophie hält, welche ebenso ihre Zeit gehabt hatte und habe, wie die andern bedeutenden Philosopheme/ der ist nicht orthodox und nicht heterodox, der hat gar keine Religion, sondern ist um einen Autor in der Geschichte der alten philosophischen Systeme reicher. — So weit die höchst wichtige Ueberschrist. Folgen wir nun dem Schriftstück selbst Schritt für Schritt. Der Cultusvorstand ist der festen Ueberzeugung, daß es Männer in Israel gibt, die vom echten Prophetengeiste belebt .... Leser, wie gefällt dir das? Halten wir aber den Vorstand beim Worte. Derselbe appellirt an den Prophetengeist eines Nabbinen. Besser hätte derselbe unsre obige Auseinandersetzung wahrlich nicht unterstützen können. So machen es die Romantiker; sie sind überschwänglich, weil sie nur Gefühl, Phantasie, Schwärmerei kennen; keine solide, jüdische Wissenschaft. Da seht die Modernen jahraus, jahrein gegen den Chassidis-. mus, den wir übrigens durchaus nicht in, allem Einzelnen vertreten werden, wüthen; vorzugsweise weil dieser an den Prophetengeist seines „Nebbe" glaubt, den jener für echt anerkennt. Weil nun die Romantiker einen andern Propheten für echt halten, deßhalb jener Federkrieg. Wir aber sagen, es gibt heutzutage keinen Propheten, und Propheten haben kein Nechtsgutachten abzugeben 'wi 82' /'2X. — Der Vorstand zu Stuhlweißenburg erwartet von dem „echten Propheten" Herstellung „einer gereinigten Gottesverehrung." Wir haben ein Recht und ^deßhalb eine Pflicht, den Kultusvorstand, und natürlich immer den durch seine Schlußbemerknng vollständig consentirenden Redacteur des B. CH zu fragen, was die Herren denn eigentlich unter einer gereinigten Gottes Verehrung verstehen. So z. B. müssen dieselben darüber Rede stehen, in wiefern von der rituellen Frage ganz abgesehen, eine minderhäufige Necitatiou des 'w: 'Mi zur gereinigten Gottesverehrung