Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 11 (8.8.1860)
- Date
- 1860-08-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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136 tes und der Gemeinde den erhabenen Gast und gab der ungetheilten loyalen Gesinnung seiner Gemeindemitgli-.der einen kurzen, trefflichen Ausdruck. Dem H.. Rabbiner und der Gemeinde huldreichst dankend, entfernte sich der Herr Gouverneur unter dem lauten Eljenrus der anwesenden Israeliten. — Fedemj jüdisch denkenden Zuschauer drängte sich wohl mitten im Jubel die betrübende Parallele ans, zwischen der von dem H. Gonv. den Gemeinden so dringend anempsohlenen Richtung nach Außen und den im Ilnnern so mancher israel. Gemeinde und auch der hiesigen beinahe zur Regel gewordenen trau rigen Verhältnissen, ans welche letztere Schreiber dieses nächstens zurückkommen wird. — Boiryhad, Tolnaer E., 18. Juli. Die hiesige isr. Gemeinde besteht aus ungefähr 300 Familien; sie ist eine der frommsten Gemeinden in Ungarn.— Dem kalten, frostigen Indifferentismus wurde hier noch Thür und Thor nicht geöffnet, und die alte, ehrwürdige Observanz wird von Jung und Alt genau beobachtet. — Rührend und erfreulich ist für den fremden, frommen Juden die Wahrnehmung der innigen, ungehcnchellen Andacht der hiesigen Glaubensgenossen im Gotteshause, zu welcher sich der größere Theil alltäglich zu den gewöhnlichen Stunden versammelt. Diesen wackeren Betern sieht man cs klar und deutlich an, daß sie es mit ihrem angestammten, alten Glauben aufrichtig meinen, und daß das Gebet bei ihnen an Sinn und Bedeutung noch nicht verloren habe. — An Geist und Herz erbaut, erwärmet, gekrastiget und gehoben^sieht man sie nach vollendeter Andacht den Tempel wieder verlassen. — Bonyhad zählt eine ziemliche Anzahl talmudischgelchrter Männer, denen die tiefen Schachten des Talmuds zur unerschöpflichen Quelle der Freude, der Beruhigurig und des Trostes in Leiden und Widerwärtigkeiten dienen. — Wahre Frömmigkeit erzeugt auch gute Früchte. Der hiesige, sehr ehrenwerthe C. Vorstand ist seit bereits einer Reihe von Jahren auf die Bildung und Veredlung der hiesigen isr. Schuljugend bedacht. — Die Gemeinde besitzt ein eigenes, schönes und sehr geräumiges Schulhaus, welches aus Schulzimmcrn und mehreren Wohnungen für die Lehrer besteht— Die Zahl der Lchulsugend beiderlei Geschlechts Helmut sich auf ungefähr 300, die von 4 Lehrern des deutschen und hebräischen Faches und von einem Lehrer des Taln. )s unterrichtet werden. — Das hebräische und das talmndische Fach sind ganz vorzüglich vertreten. — Allsabbatlich wird in einem der Schnlzimmer ein Gottesdienst in würdiger und recht erbaulicher! Weise für die reifere Schuljugend beiderlei Geschlechts! abgehalten. Der religiöse Sinn der Kinder wird hierdurch ungemein gefördert und vermehrt, um so mehr, da denselben die Uebersetzung der Gebetstttcke > gründlich beigebracht wird. — Der (5. Vorstand ist jetzt im Begriffe, die Schule behördlich sanetioniren zu lagen, und die Herren Lehrer lebenslänglich an derselben anzustellen, damit sie mit mehr Muth und Ausdauer in ihrem schönen Berufe sollen wirken können. — Da die sogenannte rational religiöse Richtung hier noch keinen Eingang gesunden, eine Richtung, welche die jüdischen Massen anderwärts beherrscht und sie stricht nur nicht vernünftig und wahrhaft aufgeklärt macht, sondern der Fneligiösität Thor und i Thüre öffnet, so ist der Jsrmlu in der hiesigen Gemeinde mit wahrhafter und aufrichtiger Freude begrüßt worden. Salomon Cohn, Oberlehrer an der hiesigen t elm'sigen Hauptschule. i Llpostag in Angar», im Juli. Dieser Tage ' war unser Gottesacker Zeuge einer seltenen, erheben-! den und erbauenden Feierlichkeit. Der zum Lokal- und Bezirks Rabbiner neugewählte, Hr. Emanuel Basch, ein Sprößling unserer Gemeinde, ein talent- ' voller, mit vielem und tiefem talmudischen und anderem Wissen begabter junger Mann, hielt cms '.i nach dem Morgengebete, nach altehrwürdigem Brauche, an der Grabstätte seines verewigten Lehrers und Vorgängers eine ergreifende Rede. Die Anwesenheit eines verhältnißmäßig bedeutenden Publikums, was hier an Wochentagen etwas Außergewöhnliches ist, ließ die Wichtigkeit des Momentes augenfällig hervortreten. Die Einleitung beschäftigte sich mit Rehemias 2, 1 — 5, wo dieser für seine Religion und sein Volk begeisterte Mann sich vom Perserkönige die Gunst erbat, er möchte ihn senden (Hierbei e!ns Beilage.)