Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 11 (8.8.1860)
- Date
- 1860-08-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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i'.img; dabei keine Aufsicht auf Avancement und die trübsten Befürchtungen für den Lebensabend; nur das kann uns trösten in unserem Eiende, daß wir wißen, das; unser verdienstvoller Oberrath A., der schon Vieles zum Nutzen und Gedeihen der Schulen und der Lehrer gethan, bemüht ist, allen Nebelständen abzuhelfen. — Zum Schluffe noch die Mittheilung, daß am 16. Zuli d. Z. eine Eonserenz ernstmeinender Israeliten in Heidelberg getagt hat zur Besprechung der religiösen Verhältnisse unsres Hcimathlandes; ich werde Ihnen nächstens das Nähere miltheilen. G....r> Lehrer. P reuße n. Berlin, im Juli. Zn der am 1 Juli e. ab gehaltenen außerordentlichen General-Versammlung des mehrfach schon in diesen Blättern rühmlichst erwähnten Talmud-Vereins behufs Berathung des neuen Statuten-Entwürfe., ist derselbe mit einigen unwesentlichen Modificationen von der Versammlung angenommen worden. Der zeitige Vorsitzende des Vereins, Herr Banquier A. H. Heymaun leitete die Debatten, an denen sich die Herren D. D. Apolant, Dav. Eaffel u. m. A. lebhaft betheiligten, mit vielem Geschick und außerordentlicher Gewandtheit, und das Protocoll wurde von dem mitanwesendeu König!. Preußischen Necbts-Anwalt u. Notar, Herrn Kayser (Jude) geführt. N'unmehr ist der Vorstand bemühe, bei den betreffenden Behörden für den Verein die Corporationsrechte zu erwirken, und soll nach Erlangung derselben ein eigenes Grundstück für die Unterrichtsanstalt und eine Snuagoge aeguirirt werden Herr Dr. Eaffel, welcher für die Vereins-Mir glieder an jedem Sonnabend, Vormittags, einen Abschnitt ans dein Pentateuch mit Naichi (cs. 2. der neuen Statuten) vorträgt, wird während seiner jetzigen 'Abwesenheit durch Herrn Di-. Michael Friedländer, einen sehr tüchtigen jungen Theologen und Lehrer der Talmud-Unterrichts-Anstalt, vertreten. Die Vorträge des Letzteren erfreuen sich wegen ihrer Klarheit und Gründlichkeit des ungethcilten Beifalls seitens der Zuhörer, und beabsichtigt der Vorstand auch die anderen Lehrer zu ähnlichen Vorträgen zu veranlaßen. Zn der neu reorganisirten sünfclassigen Unterrichts-Anstalt des Talmud-Vereins wurden jüngst an , diejenigen Schüler, welche sich durch Fleiß und gutes > Betragen besonders hervorgethan haben, Prämien, bestehend ans Büchern, in Gegenwart der Unterrichts-Eomission, vertheilt, wozu das Geld von einem ' Lehrer der Anstalt in hochherziger Weise überwiesen wurde. Außerdem sind für diesen Zweck seitens eines hiesigen jüdischen Legates von den zeitigen Curatoren desselben circa 60 Thlr. dem Vorstande mit der Bestimmung übergeben worden, für das Geld Prämien anzukausen und dieselben an würdige Schüler zu vertheilen. Ar.S der Provinz Posen. Im Begriff Ihnen über die religiösen Zustände unsrer Glaubensgenossen in der Provinz Posen Bericht zu erstatten, muß ich gestehen, daß ich mich sehr ungern dazu entschließe, Ihnen das traurige Bild zu entrollen, welches heutzutage sich dem orthodoxen Israeliten in unserer einst so frommen und durch talmudisches Wissen berühmten Provinz darbietet. Vielleicht wird es mir gelingen diejenigen Männer aus ihrer Lethargie zu wecken, die tniähigt und berufen sind unsere Wunden zu heilen. Vis jetzt ruht die That, und es macht sich Nichts bemerkbar, als tnr energielose Jammer. Unsere Synagogen stehen leer und der „gebildete Theil" der Genieinden dünkt sich zu weise, um die „Faseleien" eines Rabbiners aus der alten Schule anzuhören. Zn Gemeinden, in denen Predigten gehalten werden, ist cs fast noch schlimmer. So lange cs noch etwas Ncnes ist, geht man hin, die Rede zu kritisiren; ist doch jedes Gemeindemitglied ein geborener Kritiker! In früherer Zeit war der Sabbat ein Tag der Ruhe, der Erbauung und der Heiligung. Tie Gelehrten beschäftigten sich mit dem Studium der Gotteslehre, hielten Vorträgein den verschiedenen Vereinen über Sidrah und Perek, die von den Ungelehrten zahlreich besucht wurden. Die sieht es aber . jetzt aus? Selbst diejenigen, welche für „fromm" gelten wollen, laßen am Sabbat die Speisen kochen, das Feld bestellen und weisen auch manches dringende Geschäft nicht zurück. Die Jugend muß Musik lernen und selbst am Sabbat durch Klavierspiel den! Eltern die Zeit vertreiben helfen. Tie sogenannten Aufgeklärten betuchen entweder den Gottesdienst gar! nicht oder doch nur, um über denselben zu spotten.! Sie verbringen den Sabbat in den Kaffeehäusern.