Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 11 (8.8.1860)
- Date
- 1860-08-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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130 muß sich ihr die Wahrheit entwickeln, das menschliche Bewußtsein ist ihr der einzige Faktor der Wahrheit; und während also die Wissenschaft autonomisch ist, leitet die Religion ihre gesetzverbindliche .straft aus dein höchsten Urquell des Geß'tzes, aus Gott selber ab. Der Orthodoxie ist das Judenthum Religion und nicht Wissenschaft , das Studium der Begründungsichristcn des Jndenthums hat für sie kr in wissenschaftliches, sondern ein religiöses Interesse, sie bekennt sich daher aus ganzer Seele zu dem Latze: '.2- ':W .->'2 ''-IX (772-' x-^-- 22), -:o-2 .2-2 2 7 .--2x: >72, sie unterschreibt daher ans vollster Ueberzeugung den jüngsthin von Herrn I>r. Hildesbeimer getbanen Ausspruch: Tausend ,lo Uo.^i köi'uen uns nicht eine der Lesarten unserer.2-:2-2 nngdisputiren; die Ortbodorie zählt alle Faden in d.m Gewebe der jüdischen Satzungen, sie erkennt au jedern Faden den Gottessinger, der daran gewirtet, ihr ist ip.i .icho .--22 von derselben Wichtigkeit und Bedeutung, wie 2x1 2X ->-22 2.-.--"2 und das Verbot 1.-.2- X7 -7222« 22x^2 ist ihr nicht weniger ans dem GotteSniund geflossen als das Verbot 22^2 x". Der Reform hingegen ist das Judenthum Wisiellschaft und nicht Religion, sie wird in den Begründungsscl,eisten des Judenthums antiquarische, historische und wer weiß noch wie viele Fundgruben für menschliches Wissen suchen, der Quell der Religion sind sie ihr nicht, deßhalb konnte sie selbst die Authentie der -".2 in Zweifel stellen, deßhalb durften ihr die 70.» Vulg., Syr. und selbst der Samaritaner den Ausschlag bei der Erklärung des heiligen Wortes geben, ja, dieses heilige Wort durfte deßhalb nach diesen Uebersttzungen „emendirl" werden. Die Znsiitlttionen des Judenlhums gelten daher ferner der Reform nicht als aus dem Gottesgeisie geboren, sondern sie weiß ihnen die parallelen Einrichtungen bei andern Völkern nachzuweisen, so ."7-2, so 222', so 2^2x2 2-^ 2X u. s. w., und was stich ihre Aeeomodationsthcoricn anders als die zwar unausgesprochene, aber lhatsächlich dornineutirte Beweisführung, das; ihr das Judenthum Religion nicht sei? Was fragte eine Religion nach den Conflikten des Lebens? Was kümmerte sich eine Religion um die Meinungen des Zeitgeistes? Das Judenthum als Religion, d. h. als die Gott ge offenbarte Lehre könnte nicht die Echleppträgerirr der Zeit sein, sondern umgekehrt die Zeit müßte — wie dies ja beim 2227 auch dem blödesten Auge klar ist — von der Religion abhängig werden, das Judenthum als Religion müßte dem Leben Gestalt und Farbe verleihen. Die Reform nun, die stets Rücksichten aus die Zeit, auf das Leben nimmt, beweist dadurch, daß für sie das Judenthnm den Eharaktcr der Religion eingebüßt bat. Das Judentbnm als Wissenschaft braucht sich nicht gegen die Anforderungen der Zeit zu werren, im Gegeutheil, die Zeit ist's gerade, von der sie sich bestimmen läßt, sie kann auch die Färbung der Zeit, in der ne gerade thätig ist, gar nicht von sich losstreisen, in Epochen, wo der Materialismus die Lebenswoge beherrscht, kann auch die Wissenschaft den materialistischen Zug nicht verleugnen, in Epochen hingegen, wo die Strömung eine idealistische ist, wird auch die Wissenschaft eine solche sein. Der Orklw dorie ist das Judenthum Kampf mit dein Leben, der Reform Versöhnung mit dem Leben, die Orthodoxie steht in dem Judenthum die Manifestation des ewigen Gotteswillens, es ist für sie daher die Unveränderlichkeit des Jndenthums eine Rothwendigkeit; für die Reform maimestirt sich im Judenthum das Glaubensbewußtsein einer bestimmten Zeit, eine andere Zeit schafft ein anderes Glanbensbewußtsein, das Ziwellthum ist ihr dadurch einer ewigen Vacillation unterworfen; der Ortbodorie ist das Judenthum Religion, deren Quelle sie in Gott setzt; der Reform ist das Judenthum Wissenschaft und in dem menschlichen Geiste erkennt sie deren einzigen und alleinigen Ursprung und Born. Fassten will sich die Reform unen solchen Charakter nicht znerkennen, wenigstens die Reform nicht, die zwar dem Rasirmeffer die Koncesnon macht und für den b.'i-i-or gegen 2:- 222 ein mitleidiges Lächeln hat; die Reform nicht, bei der pvar 2^ 2-^pV keinen Skrupel erregt und die gegen "2: -.27.-,2^2 nicht antipathisch eingenommen ist; die Reform nicht, die zwar im dessen Unechtheit sie ans jeder Zeile zu lesen weiß, ein Eonglomerat von allerlei philosophischen, zumeist neuplatonischen und gnostischen Meinungen erblickt und die selbst in der 22"2 den Einflnß der Zeiten nachzuweisen sich vermißt, die aber in Harnisch sich wirst, wenn Andere den Eonsequenzen dieses Princips Rechnung tragen >und vor dem Anßenende dieser Richtung nicht znrttckbeben: