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Der Israelit · 1860-08-01 · Heft 10 (1.8.1860) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 10 (1.8.1860)
Date
1860-08-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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123 In Ungarn verschafft sich G. s. D. noch jene patriarchaliche Frömmigkeit Achtung, die der ungarische Israelit bei seinen alten Lehrern zu sehen gewohnt war. Rabbiner, die manchen Neligionsgesetzen die Bedeutung streitig machen wollen, aber selbst diejenigen Gebote nicht halten, welche in der schriftlichen Lebre deutlich vorgeschrieben sind, die immer klagen, daß man betet ohne zu verstehen, aber selbst nicht mit Andacht beten, die immer nur lehren, wie zu sichten und zu läutern sei, ohne selbst der religiösen That ernstlich Rechnung zu tragen, diese Männer finden natürlich durchaus keinen Glauben, durchaus kein Zutrauen, sie mögen sagen und lehren was sie wollen. Desto mehr Vertrauen erringen sich diejenigen nach jeder Seite hin gelehrten Nabbinen, welche. Wissenschaft mit praktischer Frömmigkeit vereinen, nnd diese gehören wahrlich nicht zu den Reformern. Morih Diamant, Doctorand der Philosophie. Szontes in Ungarn, im Jul:. Unsere Gemeinde, die erst seit vierzig Jahren besteht, zählt 150 Familien; sie kann in jeder Veziehnng zu den vorzüglichsten Gemeinden Ungarns gezählt werden, da sie Alles besitzt, was eine Gemeinde zu einer vorzüglichen macht. Vor einigen Jahren noch war es anders; da war hier die Reform vorheri-schend; obgleich in der Person des seligen Herrn Rabbiners Samuel Pilz das Rabbinat in höchst würdiger Weise vertreten war, so erlaubte doch körperliche Schwäche dem achtzigjährigen Manne nicht, allen Anforderungen zu genügen. Die Gemeinde sah sich daher genöthigt, einen Prediger und Schuldirektor zu engagiren; die Wahl siel auf Herrn S. Spitzer, jetzt Oberrabbiner zu Essck. Dieser lies; es sich angelegen sein, die Gemeinde auf den Weg der Reform zu führen, bis er das Oberrabbinat zu Essek erlangte. Bald darauf beklagte unsere Gemeinde den Tod des ehrwürdigen Pilz. An seine Stelle trat Herr M. H. Goldzieher aus Lossonz, der cs verstand, die Gemeinde wieder auf den rechten Weg zurückzuführen. Alle gesetzwidrige Neuerungen wurden abgcschafft, eine wurde errichtet, während bisher das Thorastndium sehr schwach vettreten gewesen war, die Fleischbänke wurden wieder nach den Vorschriften des Schulchan Aruch eingerichtet, und die Schcchita wurde drei Männern in die Hände gegeben, die das Fach so kennen und verstehen, daß zu wünschen Nichts übrig bleibt; auch für den Unterricht der Jugend trägt Herr Rabbiner G. die größte Sorgfalt. Möge cs ihn: vergönnt sein, zum Heile der Gemeinde noch lange so fortzuwirken. Hermann Neuscld. Palota (Wesprimer Cour.), im Taurus. Nro. 6 Ihres geschätzten Blattes brachte zwei Berichte, aus Pesth und Stuhlweißenburg, und um eine topographische Reihenfolge zu beobachten, möge sich dieser Bericht den beiden gedachten anschließen. Palota, eine ältere Gemeinde, zählt circa 150 jüdische Familien. Dieselbe besitzt wahrhaft schöne Institutionen. Die im Jahre 5601 erbaute Synagoge ist ein . wahres Meisterwerk. Wurde auch beim Entstehen derselben der Plan zur Errichtung eines modernen Gottesdienstes von so manchen „Geschmacksmännern" gehegt und gepflegt, so blieben sie doch immer in der Minorität, so daß sie Nichts „abzuschaffen" vermochten. Vorzüglich aber ist cs, die eiserne Eonseguenz unserS gelehrten und würdigen Herrn Rabbiners P. Singer, unterstützt von hiesigen bedentenoen Lamdanim, die durchaus keine Neuerung , Platz greisen läßt. — Hier existirt ferner eine.-.iirr, die wahrlich ihrem Namen keine Unebre bringt, indem sie die ihr gestellte Aufgabe auf höchst rühmliche Weise zu lösen verstehet. Armen- und Waisenanstalten gibt es zwar keine, weil — ein jedes Haus eine derartige Anstalt ist. Nicht nur hiesige, älternlose Kinder, deren es leider in Fülle gibt, finden hier ihre völlige Unterstützung, sogar auch dann noch, wenn sie schon herangemachsen sind, sondern auch viele fremde Waisenkinder werden ausgenommen und liebreich mit Kost, Kleidung und Unterricht versorgt. In einer Gemeinde, die einen P. Singer — dessen zu erscheinenden zwei Werken über Halachah und Agadah wir mit Sehnsucht entgegensehen, — zum religiösen Oberhaupte und verdienstvolle .i-o? ^2 in ihrer Mitte hat, ist es auch kein Wunder, wenn die religiöse Gesinnung kein andere Richtung nimmt, als die, welche in als die richtige'bezeichnet ist. Kein »1217 rr'vei-^, kein mildes Anstürmen gegen den Minhag gibt sich hier kund, und wo ein solcher Geist waltet, da lassen auch seine wohlthätigen Folgen nicht auf sich warten. Im Gegensätze zu unserer Nachbargemeinde Stuhlweißenburg bietet unsere Gemeinde den

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